Ramesh Nair: "Plötzlich war mein ganzes Geld weg"

23.11.2012 | 18:49 |  MATTHIAS AUER UND ALEXANDER WEBER (Die Presse)

Ramesh Nair ist Österreichern als „Der Inder“ aus der Telering-Werbung bekannt. Das viele Geld, das der Schauspieler mit dieser Rolle verdient, legt er am liebsten unters Kopfkissen.

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Die Presse: Sie haben einmal gesagt, dass Sie nicht mehr U-Bahn fahren, weil Sie nicht mehr nach dem besten Telefontarif gefragt werden wollen. Bereuen Sie, dass Sie der „Werbeinder“ geworden sind?

Ramesh Nair: Nein. Ich wusste von Anfang an, dass es Fluch und Segen zugleich ist. Die Bekanntheit steigt, aber man landet sofort in einer Schublade. Dabei kann ich viel mehr: Ich bin Musicaldarsteller, Choreograph, ich moderiere und unterrichte. Letztlich überwiegen aber die Vorteile. Vor allem finanziell.

Was verdient man denn als Testimonial für eine Mobilfunkfirma?

So etwas verrät man doch nicht. Oder besser gesagt: Nur die, die sich nicht auskennen, erzählen so etwas. Der Verdienst variiert in der Branche stark. Auch ich bin ja erst durch die Werbung zum Promi geworden. Und mit den Jahren bin ich natürlich mit dem Preis in die Höhe gegangen.

Mussten Sie denn in die Werbung gehen, um sich Ihr Leben als Künstler leisten zu können?

Nein, ich habe vorher schon acht Jahre gearbeitet – mit nur zwei Monaten Pause. Aber da bin ich die Ausnahme. Viele Künstler und Schauspieler können nicht gut von ihrer Arbeit leben. Ich habe eben viele Standbeine. Das hilft.

Wie reagierten Ihre Kollegen denn auf den Ausflug in die Werbung?

Mit dem Erfolg wächst die Gruppe der Neider. Wenn es heute Streit gibt, heißt es oft: Du hast dich verändert, seit du berühmt bist. Und dann kommt immer die Frage, was ich verdiene. Damit umzugehen muss man lernen. Mit Erfolg und dem Geld hat sich mein Freundeskreis reduziert.

Ist es Ihnen denn wichtig, viel Geld zu verdienen?

Ich habe einen speziellen Bezug zu Geld. Nicht, dass ich knausrig bin, aber ich weiß, dass ich als Student jeden Cent zweimal umdrehen und Packerlsuppen ohne Ende essen musste. Ich habe immer gewusst, dass Geld eine große Rolle spielt. Ich habe als Erster von uns drei Kindern Geld verdient und angefangen, es zu horten. Angelegt habe ich mein Geld nicht, weil ich niemandem getraut habe.

Hat sich das geändert?

Ich bin immer noch ein irrsinniger Sicherheitsdenker. Ich lege mein Geld nicht an. Dafür habe ich zu viele Geschichten von Freunden gehört, die dabei verloren haben. Wenn, dann investiere ich in eine neue Wohnung. Da kann ich ruhig schlafen.

Sie tragen immer eine Tasche mit sich herum, von der Sie vorher gesagt haben, dass Ihr „ganzes Leben“ drinnen sei. Woher kommen diese Verlustängste?

Ich wurde schon drei Mal beklaut, jedes Mal ist die Welt für mich zusammengebrochen. Einmal ist aus der Jacke die Geldbörse verschwunden, und einmal wurde mein Bankkonto geknackt.

Wie ist das denn passiert?

Ich war bei einer Probe, habe vorher meine Onlinecodes von der Bank abgeholt und in den Rucksack gesteckt. Am nächsten Tag war der Rucksack noch da, aber irgendjemand hat meinen Discman gestohlen und offenbar auch meine Codes. Denn ein paar Tage später hat die Bank angerufen und gesagt: „Kommen Sie mal vorbei, da gab es ein paar Auslandsüberweisungen. Ihr Konto ist ganz schön leer.“ Ich hatte sofort einen Nervenzusammenbruch.

Wohin ist das Geld verschwunden?

Irgendjemand hat tatsächlich die Codes geklaut und in Amerika, Dänemark und Estland Goldkonten aufgemacht. Mein ganzes Geld war plötzlich weg. Ich war sofort bei der Polizei. Da passierte aber gar nichts. Stattdessen telefonierte ich mit allen Banken und erklärte den Betrug.

Hatten Sie Erfolg?

Drei Viertel des Geldes habe ich zurückbekommen. Ein Viertel liegt noch in Kalifornien. Ein Angestellter am Telefon wollte schon überweisen. Da hat ihm sein Chef den Hörer weggerissen und gesagt: „Sie hätten besser aufpassen sollen.“ Seitdem bin ich jemand, der sein Geld lieber unter dem Kopfkissen hat, der lieber darauf schläft.

War Sparsamkeit und Sicherheitsdenken auch in Ihrer Kindheit wichtig?

Meine Eltern arbeiteten beide. Wir hatten alle unsere Hobbys, waren aber nie groß auf Urlaub. Es ging darum, möglichst günstig gut über die Runden zu kommen. Heute habe ich viele Schüler, deren Eltern sagen: „Geh in den Kurs, kauf dir noch etwas, und da ist das neue iPhone.“ Die bekommen alles hinterhergeschmissen. Dafür haben sie totale Defizite in der Wertschätzung von Gefälligkeiten und Freundschaft. Das finde ich schrecklich. Es gibt viele reiche Eltern, die versagen.

Ist das in Ihren Augen ein spezielles Problem wohlhabender Menschen?

Nein. Ich kenne auch Reiche, die es richtig machen und ihren Kindern sagen: „Ich kann dir alles kaufen, aber das ist nicht gut für dich. Geh arbeiten!“ Ich für meinen Teil liebe die Arbeit. Selbst wenn ich eine Milliarde Euro hätte, würde ich arbeiten. Geld alleine macht letztlich nicht glücklich.

Sind Sie ehrgeizig?

Ich bin total ehrgeizig. Niemand, der etwas machen will, darf stillstehen. Das sage ich auch meinen Schülern immer. Leider ist die heutige Generation etwas anders. Die Jungen sind unmotivierter.

Wie zeigt sich das?

Alles hat sich geändert. Auch die kleinen Dinge. Früher sind wir ins Studio gekommen, und alle haben sich umarmt, wie eine kleine Familie. Heute kommen sie ins Studio, stehen herum und starren ins Smartphone. Das ist seltsam.

Würden Sie sagen, Ihre Künstlerkollegen sind selbst schuld, wenn es nicht klappt?

Naja, es gibt viele Faule, aber auch viele, die superdiszipliniert und ehrgeizig sind, aber ein schwieriger Typ. Man muss auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und dann noch einen guten Tag haben. Selbst wenn du einen Job hast, kann es schnell gehen. Viele Künstler müssen sich umschulen lassen, arbeiten jetzt als Flugbegleiter, weil es einfach nicht genug Angebote gibt. Selbst ich kenne meine Jobs nur bis Februar. Ohne Werbung hätte ich ein bissl Angst.

Haben Ihre Eltern Sie davor gewarnt, Schauspieler zu werden?

Ja. Und das war seltsam, weil sie mich die ganze Kindheit und Jugend immer unterstützt haben. Als ich nach dem Abitur gesagt habe, dass ich Bühnendarsteller werden will, hieß es plötzlich: „Schauen wir mal. Mach lieber etwas Vernünftiges, so wie Bankkaufmann.“ Selbst nachdem ich an der Schauspielschule angenommen wurde und ausgezogen bin, haben sie mir noch nicht geglaubt.

Wann hat sich das geändert?

Eltern sind erst beruhigt, wenn man in der Zeitung steht. Nach zwei Jahren hatte ich mein erstes größeres Engagement. Seither sind sie sehr stolz. Ich muss aber auch sagen: Wenn ich gemerkt hätte, dass es komplett brotlos ist, hätte ich es gelassen.

Auf einen Blick

Ramesh Nair, 37, arbeitet als Schauspieler, Choreograph, Tänzer und Moderator. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Nair als Werbetestimonial für Telering bekannt. Geboren wurde er im deutschen Landau als Sohn indischer Eltern. Seine Begeisterung für Tänzer wie Fred Astaire und Gene Kelly brachte ihn an die Folkwang-Hochschule in Essen, wo er seine Ausbildung zum Bühnendarsteller absolvierte. Neben zahlreichen Rollen als Musicaldarsteller verdingte er sich 2009 auch als „Dancing Star“ im ORF. Im Moment steht er für das Stück „Lucky Stiff“ in den Wiener Kammerspielen auf der Bühne.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2012)

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13 Kommentare

Mir gefällt er!!!

Egal ob auf der Bühne oder als Inder-Hood :-)

Er ist nett kommt gut und symphatisch rüber, was will man mehr von einem "Künstler"

Von mir aus könnte er viel öfters im TV zu sehen sein!!!

Re: Mir gefällt er!!!

Ich hatte beruflich mit ihm zu tun und er ist wirklich sehr sympathisch und überhaupt nicht eingebildet oder abgehoben.

ich hatte einen Nervenzusammenbruch


cervello

Netter Mensch. Aber wer identifiziert sich in Österreich unbedingt mit einem "Inder", wenns
um Telering geht?


Re: cervello

Das müssen Sie die Werbeagentur fragen ;).

http://de.wikipedia.org/wiki/Frag_doch_den_Inder

Interessantes Interview, danke!


Den indischen Akzent...

kriegt er aber überhaupt nicht hin! Das klingt eher amerikanisch.

Re indischer Akzent...

Ich finde die Werbung nervig und ihn als Person unsymphatisch..

Wer auf sein Passwort nicht aufpassen kann..

..sollte keinen Cent von der Bank bekommen.

die Einbrecher danken für die Info, dass der Cash jetzt zu Hause liegt!

Re: Wer auf sein Passwort nicht aufpassen kann..

Ich hab mir auch gedacht, dass es reichlich fahrlässig ist, die Zugangsdaten zum Internetbanking UND die TANs im Rucksack herumzutragen.

Re: Wer auf sein Passwort nicht aufpassen kann..

Auch der Inder sagt nicht immer die Wahrheit...
Sparen sie sich besser den Weg!

Re: Re: Wer auf sein Passwort nicht aufpassen kann..

Das wollte ich auch ...

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