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Ropac: "Immer mehr riskiert, als mir möglich war"

THADDAEUS ROPAC
THADDAEUS ROPAC / Bild: APA 

Interview. Wie ihm der Tod zu Erfolg verhalf und warum er seinen eigenen Sammlern manchmal wichtige Werke wegschnappt, erzählt Thaddaeus Ropac, einer der international wichtigsten Galeristen.

 (Die Presse)

Die Presse: Herr Ropac, Ihre Galerie ist heute aus dem Kunstmarkt nicht mehr wegzudenken. Aber wie darf man sich die Anfänge Ihrer Karriere vorstellen? Sind Sie einfach zu Keith Haring gegangen und haben ihm gesagt: Gib mir ein paar Bilder mit!

Thaddaeus Ropac: Ja, so war das. Der Erste, den ich kennenlernte, war Jean-Michel Basquiat. Andy Warhol hatte ihn mir vorgestellt. Basquiat gab mir eine Serie von Zeichnungen mit. Zur Ausstellungseröffnung in Salzburg kamen dann vielleicht zehn Leute. Der Name hatte kein Gewicht, die Galerie auch nicht.

Haben Sie damals etwas verkauft?

Nein. Es hat lange gedauert, bis ich überhaupt etwas verkaufen konnte. Ich hatte ja keinen Zugang zu den Sammlern. Im Laufe der Zeit gab es dann Menschen, die sich für die Kunst begeistern konnten und Werke irgendwie abbezahlt haben. Ich selbst musste mich mit Nebenjobs über Wasser halten.

Was waren das für Nebenjobs?

Ich habe Englischnachhilfe gegeben. Die Schüler kamen zu mir in die Galerie, die ich gleichzeitig beaufsichtigt habe. Da es nur drei Besucher täglich gab, war diese Doppelfunktion durchaus möglich.

Wie lange mussten Sie Ihre Tätigkeit als Nachhilfelehrer ausüben?

Das musste ich in den ersten beiden Jahren in Salzburg machen. Dann ging es so langsam los.

Warum haben Sie überhaupt eine Galerie eröffnet?

Weil ich keinen besseren Job finden konnte. Ich wollte gern Assistent eines Künstlers werden, hätte gern in einem Museum oder in einer Galerie gearbeitet. Es war aber ein Mangel an Möglichkeiten da, meine Energie dort unterzubringen.

Wann begann das Geschäft dann zu florieren?

Nun ja, 1987 konnte ich bereits größere Räume anmieten. Leider sind in dieser Zeit auch einige Künstler verstorben, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Deren früher Tod hat einen zusätzlichen Boom ausgelöst. Das ist natürlich kein so angenehmes Gefühl, dass der finanzielle Erfolg der Galerie mit dem Ableben von Joseph Beuys, Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat, Keith Haring oder Robert Mapplethorpe einherging.

Hatten Sie deswegen ein schlechtes Gewissen?

Nein, weil ich ja mit deren Tod nichts zu tun hatte. Aber es ist natürlich bedauerlich. Wir haben in dieser Zeit aber schon mit 25 bis 30Künstlern zusammengearbeitet, die auch zum Erfolg der Galerie beitrugen. Abgesehen davon ist die zeitgenössische Kunst ab der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre ohnedies wichtiger geworden.

Sie haben bald darauf erneut expandiert und im Jahr 1990 auch eine Galerie in Paris eröffnet. Wie gut war das durchkalkuliert?

Es wurde nie kalkuliert. Damals habe ich alles nach Gefühl gemacht.

Hatten Sie denn nie Angst sich zu übernehmen?

Natürlich. Der Gedanke war immer da. Ich habe immer mehr riskiert, als mir möglich war. Als der Kunstmarkt dann Anfang der Neunziger eingebrochen ist, ist es schwierig gewesen, die Galerie in Paris offen zu halten. Viel erfolgreichere Galerien mussten damals zusperren.

Und Sie haben dann was gemacht? Die Krise ausgesessen?

So kann man das sagen.

Es reicht ja nicht, nur gute Künstler auszustellen, auch die kaufkräftigen Kunden sind notwendig. Wie kommt man an diese?

Man wird in der Szene ernst genommen, wenn man zeigt, dass man es mit der Kunst ernst meint. Aber man muss sich jeden Respekt verdienen. Letztendlich geht es immer um die Qualität der Arbeiten. Wenn man versucht zu zeigen, was der Markt will, dann ist man auf verlorenem Posten. Wenn man aber zeigt, wovon man überzeugt ist, und das sogar noch vor einem großen Trend, dann hat man sich Respekt erarbeitet.

Sie sind dafür bekannt, Kunstwerke nicht an jeden zu verkaufen, der Geld hat. Mussten Sie das trotzdem schon einmal tun, weil Sie das Geld dringend benötigten?

Ja, in den ganzen Anfangsjahren war das für das Überleben der Galerie notwendig. Natürlich gab es oft Momente, in denen ich mir einen besseren Platz für ein Bild gewünscht hätte. Inzwischen können wir uns aber darauf konzentrieren, wichtige Werke an ausgewählten Orten, etwa Museen, zu platzieren.

Seit wann können Sie sich dieses Vorgehen leisten?

Schon seit einiger Zeit. Aber natürlich geht noch immer ein bestimmter Teil der Kunst in einen Bereich, den wir nicht ganz genau definieren können. Es ist ja nicht so, dass wir jedes Bild an das Museum of Modern Art verkaufen.

Die Bilder, die in Ihrer Galerie verkauft werden, kosten abertausende Euro. Was machen Sie mit diesem Geld?

Alles, was erwirtschaftet wird, stecke ich in diese Vision, in den nächsten Schritt, das Wachsen der Galerie und auch in eine entstehende Kunstsammlung.

Sie sammeln auch privat Kunst. Käme es für Sie infrage, Werke aus Ihrer Sammlung zu verkaufen?

Das versuche ich zu vermeiden.

Gibt es Bilder, die Sie gern ankaufen würden, sich aber nicht leisten können?

Jeden Tag. Ich habe viele Dinge versäumt, weil ich sie mir früher nicht leisten konnte. Das ist auch nicht mehr nachzuholen.

Ist es schon vorgekommen, dass Sie einem Ihrer Sammler ein Bild weggeschnappt haben?

Manchmal stehe ich in Konkurrenz zu meinen eigenen Sammlern. Aber natürlich geht der Kauf dann nicht immer zu meinen Gunsten aus. Manchmal muss ich schon abwägen. Wenn ich ein Bild gern behielte und gleichzeitig ein wichtiges Museum ein Werk kaufen will, dann entscheiden wir eher für das Museum – im Sinne der Kunst und des Künstlers.

Und wie schwer ist es dann für Sie, sich von einem Bild zu trennen?

Schon schwierig. Aber wenn der andere Platz besser ist, muss man sich einfach für diesen entscheiden.

Denken Sie, dass Ihre Karriere ähnlich verlaufen wäre, wenn Sie Andy Warhol und Joseph Beuys nicht kennengelernt hätten?

Es wäre alles ganz anders verlaufen, vielleicht nicht besser, vielleicht nicht schlechter. Da kann man aber nur spekulieren. Insofern ist es absurd, darüber nachzudenken.

Zur Person

Thaddaeus Ropac (*1960) stammt aus Kärnten und gründete 1983 seine erste Galerie in Salzburg, „weil er keinen besseren Job“ finden konnte. Ursprünglich wollte Ropac Künstler werden, doch Joseph Beuys wusste ihm das auszureden. Heute zählt Ropac zu den international wichtigsten Galeristen. 1990 expandierte die Galerie nach Paris.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2013)

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6 Kommentare
0 0

ein spieler mehr nicht


0 0

All in

Da können sich doch einige Österreicher etwas abschauen. Sehr interessante Story.

6 0

!

Tolle Laufbahn!

Re: !

Stimmt! Erfrischend untypische Laufbahn für einen Öterreicher!

Bevor er die Galerie in Salzburg eröffnete, hatte er doch schon eine kleine Galerie in Lienz/Osttirol.

Ich hab dort mein erstes "Kunstwerk" gekauft: Espressotassen mit Drucken von Paul Flora. Damals war ich noch Studentin und hab einen Teil meines Ferialarbeiterlohnes in die "Kunstwerke" investiert.

Re: Ach je, es waren Teetassen, nicht Espressotassen.


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