Julian Zehetmayr: "Ich war immer ein Problemkind"

Julian Zehetmayr brach mit 17 die Schule ab und gründete eine Start-up-Firma. Mit 22 verkaufte er sie um 17,6 Mio. Dollar. Mit seinem Bruder hat er eine neue Firma gegründet. Er erzählt, wie es ist, keinen finanziellen Druck mehr zu haben.

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(c) Clemens Fabry

Die Presse: Sie sind vor zwei Jahren durch den Verkauf Ihres Start-ups Mobfox zum Multimillionär geworden. Wie fühlt sich das an?

Julian Zehetmayr: Es gibt einem ein gewisses Freiheitsgefühl. Ich mache jetzt mit meinem Bruder zusammen ein Projekt ohne den Hintergedanken, dass ich unbedingt Geld verdienen muss.

Was ist das für ein Projekt?

Das ist wieder eine Technologiefirma. Hauptprodukt ist ein Währungskursprodukt. Wenn ein Onlineshop nicht nur in Österreich in Euro verkaufen will, sondern auch in England in Pfund, braucht er einen Weg, die Preise in Echtzeit umzurechnen. Wir geben ihm die Daten dafür.

So etwas hat es vorher auf dem Markt nicht gegeben?

Schon, aber es gab keine wirklich start-up-freundliche Alternative. Wir machen es billiger und einfacher zu integrieren.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr erstes Unternehmen Mobfox zu gründen? Woher wussten Sie mit 17, dass der Bedarf nach Anpassung von Werbung für Apps bestand?

Ich war nicht der Erste, der so etwas gemacht hat. Ich war einer der Ersten in Europa. Nachdem ich aus der Schule ausgeschieden bin, wollte ich selbstständig sein. Da habe ich gesehen, dass in Amerika Mobile Advertising ziemlich teuer aufgekauft wird von Google und so weiter. Ich habe gesehen, dass es in Europa niemanden gibt, der das auf Europa spezialisiert macht. Das war der Vorteil von Mobfox.

Und das zu programmieren, war so einfach?

Ich habe mir mit 13 beigebracht zu programmieren. Ich war nicht der typische Geek, der unbedingt programmieren lernen will. Ich habe es als Mittel zum Zweck gesehen: Was brauche ich, um tun zu können, was ich will – ich habe Sachen auf eBay verkauft und immer wieder kleinere Projekte gestartet, die nicht alle gleich funktioniert haben. Dass ich programmieren konnte, war dann mein größtes Asset, als ich Mobfox gegründet habe. Ich konnte mir nicht leisten, einen Techniker anzustellen. Aber ich konnte selbst alles, was ich mir vorgestellt habe, sofort umsetzen.

Wie haben Sie Ihr Produkt an die Kunden gebracht?

Mobfox war ein Werbenetzwerk. Auf der einen Seite gibt es App-Entwickler, die sich finanzieren müssen, meist über Werbung. Die bekommen von uns einen Code, den sie einbinden in die App, wir zeigen automatisch die Werbung, und sie verdienen Geld. Auf der anderen Seite gibt es Agenturen und Werbetreibende, die die Werbung einbuchen. Beide haben wir gebraucht. Ich habe mir eine Liste von App-Entwicklern in Österreich rausgesucht, die Gratis-Apps hatten und noch keine Werbung. Denen habe ich geschrieben, ein paar habe ich getroffen, zugleich habe ich Agenturen kontaktiert und so im kleinen Stil begonnen.

Allein?

Das erste Jahr, bis zu einem Umsatz von 30.000 Euro im Monat, war ich allein. Dann habe ich einen Headhunter in London engagiert, mit dem ich in London ein Sales Office aufgebaut habe. Später haben wir auch in Paris ein Büro eröffnet und zuletzt auch in Wien.

Was haben Ihre Freude gesagt?

Die waren zum Teil ähnlich. Einer hat auch die Schule abgebrochen und macht jetzt eine DJ-Karriere.

Woher haben Sie den unternehmerischen Antrieb? Von zu Hause?

Vielleicht. Meine Mutter hat einen Second-Hand-Shop, mein Vater hat ein Callcenter. Und mit meinem Bruder arbeite ich jetzt zusammen.

War es Ihr Ziel, Geld zu verdienen, oder wollten Sie einfach etwas schaffen?

Natürlich wollte ich etwas schaffen, ich wollte allen zeigen, dass ich das kann. Ich war immer ein Problemkind. Aber natürlich war auch der Gedanke da, dass ich finanziell unabhängig sein will. Ich hätte es aber nicht gemacht, wenn es nicht Spaß gemacht hätte.

Was haben Ihre Eltern gesagt, als Sie die Schule aufgegeben haben?

Das hat eine Vorgeschichte, ich habe oft gewechselt. Ich war zuerst im Gymnasium in Hietzing in der Wenzgasse, dann in einer HTL, aber nur einen Tag, dann zwei Monate in der Rudolf-Steiner-Schule, dann noch ein Jahr in der Fichtnergasse. Schließlich habe ich mir gedacht, ich lasse es. Der Direktor wollte mich noch überreden zu bleiben. Meine Eltern waren auch nicht begeistert, haben es aber schon erwartet. Mein Vater hat in die Firma investiert und das Startkapital für die GmbH-Gründung bereitgestellt, 17.500 Euro. Dafür hat er zehn Prozent bekommen.

Dass Sie es als Schulabbrecher dann doch so weit gebracht haben, war das nicht viel Glück?

Es war schon Glück dabei. Dass mir meine Eltern mit 13 einen Computer geschenkt haben, dass ich das gemacht habe. Auch der Zeitpunkt war ein guter, um Mobfox zu gründen. Es war viel Glück dabei, aber auch viel harte Arbeit: Ich war zwei Jahre lang bei Mobfox der Einzige, der für Technik zuständig war, bis wir dann einen CTO eingestellt haben. Es hätte jederzeit etwas abstürzen können, und es ist auch dauernd etwas abgestürzt. Es war ein andauernder Bereitschaftsdienst.

Wie ist das, wenn man Mitarbeiter und plötzlich so viel Verantwortung hat?

Das habe ich gar nicht so realisiert. Ich habe den ersten Mitarbeiter eingestellt, als es sich ausgegangen ist. Es war nie an der Kippe vom Finanziellen her.

Als Sie Mobfox verkauft haben, war da nicht ein bisschen Wehmut dabei?

Ich war schon ein bisschen müde, weil ich lange Zeit wirklich alles gemacht habe von Marketing über Buchhaltung bis hin zum Programmieren. Es war auch ein gutes Angebot. Und ich wollte etwas Neues probieren. So schwierig war der Abschied nicht.

Wie ist das, wenn ein so hoher Betrag auf dem Konto eintrifft?

Zuerst kommt da sehr viel weg, für den Steuerberater, für den Anwalt. Teilweise wurde auch in Aktien gezahlt, die ich erst später verkaufen konnte. Aber natürlich war es viel, und ich habe gewusst, jetzt kann ich das Nächste, was ich mache, lockerer machen.

Man hört oft von Lottomillionären, die nach zwei Jahren wieder arm sind. Sehen Sie diese Gefahr für sich auch?

Ich habe mir nie etwas Größeres gekauft. Das Einzige, das ich mir gekauft habe, war ein Porsche. Da hatte ich schon Profit gemacht und mir gedacht, ich fahre immer mit dem Taxi und zahle so viel im Monat, wie ich für ein Porsche-Leasing zahlen würde. Und auf Geschäftsreisen war ich schon immer in guten Hotels. Das Geld habe ich großteils in Immobilien investiert, um ein passives Einkommen aufzubauen. Ein Start-up-Investment habe ich auch gemacht. Das Geld ist eingeloggt. Nicht einmal, wenn ich wollte, könnte ich viel davon ausgeben.

Planen Sie mit der neuen Firma Apilayer auch einen so großen Exit?

Zumindest habe ich nicht den Druck, das sofort zu tun. Ziel ist, es zuerst so groß wie möglich zu machen. Wenn man nur den Exit im Kopf hat, trifft man zu kurzfristige Entscheidungen. Mal sehen.

Wenn man keinen Druck hat, wie schwierig ist es, sich zu motivieren, etwas zu arbeiten?

Als ich nach dem Verkauf zunächst noch bei Mobfox angestellt war, war die Motivation weg, weil es nicht mehr mir gehört hat und weil ich einen Chef hatte, der mir gesagt hat, was ich tun soll. Aber jetzt bin ich wieder sehr motiviert.

ZUR PERSON

Julian Zehetmayr (*1992) hat das Start-up Mobfox gegründet, das Werbung für mobile Apps adaptiert. Vor zwei Jahren verkaufte er es an die Matomy Media Group, die für das Unternehmen 17,6 Millionen Dollar in bar und eigenen Aktien sowie einer performanceabhängigen weiteren Abgeltung zahlte. Zusammen mit seinem Bruder gründete Zehetmayr ein neues Unternehmen: den Softwareentwickler Apilayer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2016)

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