Rainer Schönfelder: "Mir ist das Wasser bis zum Hals gestanden"

Ex-Skirennläufer Rainer Schönfelder findet Investieren schmerzhafter und lehrreicher als den Skisport: Über ein verspekuliertes Elternhaus, pinkfarbene Anzüge und Lästiges am Investmentberuf oder dem Lackieren von Fingernägeln.

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(c) GEPA pictures / Walter Luger

Die Presse: In Österreich ist Lottospielen ein Nationalsport, investieren gilt als anrüchig.

Rainer Schönfelder: Mir ist das auch aufgefallen. Ich hätte es gern anders, nicht nur, weil ich mich in dem Geschäftsfeld bewege.

Kann Crowdfunding gewisse Berührungsängste abbauen? Sie nützen es ja auch für Ihre Hotels.

Nur so ist es möglich, Anleger einer gewissen Kategorie für solche Projekte zu gewinnen. Wer 10.000 Euro hat und sein Geld gut investieren will, hat in der Investmentwelt wenig Möglichkeiten. Er kann sich zwar ganz normal an Unternehmen im Wertpapierbereich beteiligen, bei Immobilien wird es aber schon schwierig. Und die Crowd ist eine Möglichkeit, nicht nur für den, der das Geld einnimmt.

Glauben Sie nicht, dass es genügend Hotels in Österreich gibt?

Es gibt genug, aber in gewissen Zeiten bekommt man trotzdem kein Zimmer. Unser Hotel ist Beherbergungsbetrieb im Dreieinhalb-Sterne-Segment. Wir bedienen einen Markt, den bisher die Skipensionen abdeckten, aber unsere Zimmer sind geräumiger, mit Balkon.

 

Von wem stammt die Idee?

An mich sind Leute herangetreten. Im Erstgespräch wollte ich nichts davon wissen. Dann habe ich mir angeschaut, wie es in der Budget-Systemhotellerie ausschaut, und gesehen, dass es sich rechnen kann.

 

Ihr Unternehmen, You will like it, betreibt nicht nur Hotels, sondern auch eine Investmentfirma. Beraten Sie andere Skifahrer beim Geldanlegen?

Das sage ich nicht. Als ich noch Ski gefahren bin, habe ich viel Zeit am Computer verbracht. Das Aktienthema hat mich damals schon begeistert, das haben Leute mitbekommen. Denen habe ich gesagt, welche Wertpapiere ich gekauft habe, viele haben es nachgemacht, aber nicht im Detail. Einige waren dann sauer auf mich. Man muss nicht nur zum richtigen Zeitpunkt kaufen, man muss auch verkaufen.

 

Wie kam das Interesse an Aktien?

Ich bin ein irrsinniger Rechner, das war ich schon in der Schule. Und ich hab nicht gern zu viel Geld auf dem Konto, da werde ich nervös.

Woher hatten Sie überhaupt das Geld für Aktieninvestments?

1996 wurde ich Juniorenweltmeister, 1997 kam ich in den Weltcup. Da hatte ich schon Verträge.

Wie viel hatten Sie auf der Seite?

Als ich mit Investments angefangen habe, werden es so zwischen 30.000 und 50.000 Euro gewesen sein.

 

Wie viel haben Sie beim Skifahren verdient?

Wenn ich mich nicht deppert anstelle, habe ich ausgesorgt. Es kommt natürlich immer auf die eigenen Ansprüche an.

 

Welcher Sieg hat am meisten gebracht?

Kitzbühel.

 

Was ist Ihre schönste Erinnerung an den Skisport?

Kitzbühel, aber auch aus einem anderen Grund. Ich wusste, dass ich mit den 30.000 bis 40.000 Euro nicht weit komme, also habe ich einen Kredit auf das Haus meiner Eltern aufgenommen. Die haben unterschrieben, wussten nicht, was ich mache. Letztlich habe ich den Wert des Elternhauses verdreifacht, dann kam 2000 der Börsenabsturz. Aufgehört habe ich mit eineinhalb Elternhäusern im Minus. Ich habe Geld nachgeschossen und vergeblich geglaubt, die Börsen drehen wieder – aber da ging's erst richtig zur Sache. Mit dem Kitzbühel-Sieg 2002 habe ich alles auf null gestellt.

Es blieb Ihnen also gar nichts anderes übrig, als zu gewinnen?

Ja, mir ist das Wasser bis zum Hals gestanden.

 

Haben Sie danach die Finger von Aktien gelassen?

Ja. Als Erstes hab ich mir Gold gekauft, dann ein Sparbuch eröffnet.

Um beim Skifahren zu gewinnen, muss man alles riskieren. Ist das beim Investieren ähnlich?

Es gibt einen großen Unterschied. Beim Skifahren kann ich nur ausscheiden, wenn ich zu viel riskiere, beim Investieren ist das Geld weg, schmerzt das Scheitern mehr. Da hab ich emotional viel mitgemacht, deswegen hat mich das Investmentleben viel mehr geprägt als das Skifahrerleben. Mich selbst zügeln zu müssen, zu spüren, was es bedeutet, wenn das Geld weg ist – das war sehr lehrreich.

 

Haben Sie viele Kollegen in Erinnerung, die mit dem verdienten Geld nicht umgehen können?

Es verdienen immer nur die auf dem Stockerl. Der finanzielle Größenwahn ist nicht so eine Gefahr, nur bei den Topskifahrern, aber die sind meistens ohnehin geerdet.

Was war das Verrückteste, was Sie sich geleistet haben?

Einiges im Modebereich. Zum Beispiel habe ich mir Anzüge machen lassen, unter anderem einen pinkfarbenen, aus dem Stoff japanischer Frauenkleider. Den habe ich einmal angehabt.

Sie waren als bunter Vogel bekannt. Sind Sie jetzt ruhiger?

Vielleicht wirkt das so, weil ich die Bühne nicht mehr habe und weil ich mich in der Investmentwelt aus Kalkül anpasse. Dort geht es beinhart zu. Ich bin abhängig von anderen, wenn ich Projekte weiterbringen oder Fremdinvestoren bewegen will. Es ist auch nicht unanstrengend, Fingernägel lackieren zu müssen und all das Zeug.

Sie hatten als Skifahrer mit vielen internationalen Leuten zu tun. Haben Sie davon profitiert, auch innerlich?

Wenn ich in den USA bin, dort beim Frühstück sitze und die Zeitung aufschlage, spüre ich förmlich, wie es unter dem Blatt prickelt. Dort ist wirklich alles möglich, man wird nicht katalogisiert wie bei uns in Österreich. Dort heißt es auch nicht: „Bah! Der hat so viel verdient!“ Dort heißt es: „Du hast es verdient!“

War das in den persönlichen Kontakten auch so?

Wenn ich mit Bode Miller (US-Skirennläufer, Anm.) geredet habe, habe ich geglaubt, entweder bin ich der Depp oder er. In Wahrheit stimmte wohl von beidem etwas. Ich war den freien Zugang des Amerikaners nicht gewohnt, der ständig sagt, es ist alles möglich. Bei ihm hatte es den Anschein, als plätscherte ihm das Glück aus dem Ärmel raus. Dabei war es nicht das Glück, es war die offene Sichtweise.

 

Als Sie mit dem Skifahren aufhörten, sind Sie in ein Loch gefallen?

Nicht so, wie ich es leider bei vielen sehe. Für mich war nur unklar, ob ich ins Entertainment gehe oder ins Investment. Ich bin 2013 als Skifahrer abgetreten, meine Firma, You will like it, habe ich schon 2010 gegründet. Es gab also keine Pause.

Wo wollen Sie finanziell hin?

Da kann und will ich kein Ziel formulieren. Mir gefällt es, wenn Dinge funktionieren. Wenn mir jemand erklärt, dass das Hotelprojekt Adeo ohne mich besser funktioniert, würde ich mich auch zurückziehen.

Ihr erfolgreichstes Investment?

Meine Wohnung in Wien, die geht seit 13 Jahren nur nach oben.

 

Wo würden Sie nie investieren?

In Sachen, die ich nicht gut kenne, in denen ich nur Passagier bin. Ich bin gern Pilot. [ Michèle Pauty]

ZUR PERSON

Rainer Schönfelder (*1977) ist ein ehemaliger Skifahrer. In der Saison 2003/2004 gewann er den Slalomweltcup, danach zwei Bronzemedaillen bei den Olympischen Spielen von Turin. Der gebürtige Kärntner trat als Sänger und in TV-Shows auf und wurde 2013 Dancing Star. Schon 2010 gründete er die Investitionsfirma You will like it Group. Anfang 2016 eröffnete er mit Ex-Skiprofi Hermann Maier das erste Hotel der Kette Adeo Alpin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2016)

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