Wien. Einen „Kredit, der sich wie von selbst zurückzahlt“, verspricht der Anbieter Powerkredit.at auf seiner Internetseite. „Ohne Schufa, KSV oder ZEK.“ Will heißen: Ohne Bonitätsprüfung. Daneben prangt, nicht zu übersehen, das Logo der Arbeiterkammer Österreich. Diese ist nicht besonders glücklich darüber, mit Powerkredit in Verbindung gebracht zu werden. „Unser Logo soll Konsumenten suggerieren, dass das Angebot seriös ist. Wir gehen mit allen rechtlichen Mitteln gegen Powerkredit vor.“
Bei der Arbeiterkammer ist der vermeintliche Kreditanbieter kein unbeschriebenes Blatt, es gab bereits zahlreiche Beschwerden. Powerkredit ist einer von vielen Anbietern, die mit einer speziellen Masche ihren Kunden das Geld aus der Tasche ziehen. „Wer bei der Firma um einen Kredit ansucht, bekommt am Ende gar kein Darlehen, sondern eine Finanzsanierung“, sagt AK-Experte Ernst Hafrank. Zielgruppe sind jene, die bei ihrer Bank abgeblitzt sind. Ohne es zu merken, unterschreiben sie keinen Antrag auf Kreditvermittlung, sondern einen auf „Finanzsanierung“.
Die Leistung der Unternehmen wie „House of Finance“ oder „Easy Euro Credit“ besteht dann etwa darin, Gläubiger um Zahlungsaufschub zu bitten. „Das geschieht aber ohne Motivation und mit vorgefertigten Anschreiben“, so Hafrank. Am Ende würden die Probleme der bereits verschuldeten Kunden nur verstärkt. Kosten entstehen bei der Finanzsanierung nämlich an allen Ecken und Enden: Oft wird bereits für die erste Kontaktaufnahme Geld verlangt, dazu kommen horrende Kosten für die Zusendung von Unterlagen per Nachnahme.
Vermittler mit „Hinhaltetaktik“
Bei Powerkredit wehrt man sich: Man versuche überhaupt nicht, Kredite zu vergeben. „Welche Bank heißt denn Powerkredit?“, so ein Sprecher auf Anfrage. Es sei genau beschrieben, welche Dienstleistungen man anbiete. Das stimmt: Wer den Vertrag liest, erkennt, welche Art von Dienstleistung hinter den Angeboten steckt. „Die meisten machen das aber nicht“, sagt Hafrank.
Die Verbraucherschützer kennen auch Probleme mit Anbietern, die tatsächlich Kredite vermitteln. Auch hier sei der Großteil der Betroffenen schon bei seiner Hausbank abgeblitzt und hoffe, nun bei einem privaten Vermittler mehr Glück zu haben. Gelockt würden sie durch Zeitungsinserate, aber auch über Geschäftslokale und das Internet. Bei Kunden, bei denen kaum Aussicht darauf besteht, von der Bank ein Darlehen zu erhalten, werde eine Art „Hinhaltetaktik“ angewandt.
Das Gesetz sieht vor, dass ein Kreditvermittler die Provision (meist fünf Prozent der Kreditsumme) zurückzahlen muss, wenn die Vermittlung länger als vier Wochen dauert. Viele private Kreditvermittler, die die AK überprüft hat, hoffen, dass die Geduld des Kunden vorher reißt und er seinen Auftrag storniert. In diesem Fall hat er kein Anrecht auf die Provision.
Das zweite Schlupfloch ist etwas ausgefeilter. „Bei der Befragung des Kreditwerbers werden die Daten extra ungenau aufgenommen. So können die Kreditvermittler hinterher behaupten, der Kunde habe etwas vergessen“, berichtet Hafrank. Auch in diesem Fall erlischt das Recht auf eine Rückzahlung der Provision.
Doch nicht nur Menschen, die in Schwierigkeiten stecken, wenden sich an die Vermittler. Dabei ist es viel besser, sich selbst Angebote einzuholen. Erstens entfallen die Spesen für die Vermittlung. Zweitens sind die Konditionen bei anonymer Anfrage schlechter, als wenn sich ein Bankkunde persönlich um einen Kredit kümmert. [i–Stockphoto]
Tipp 1
Finanzsanierung. Viele Online-Anbieter versuchen, den Anschein zu erwecken, Kredite ohne Prüfung zu vergeben. Das ist aber nicht ihre Absicht. Angeboten wird Schuldenberatung, die sich v.a. durch hohe Kosten auszeichnet. Wer überschuldet ist, sollte sich an eine staatlich anerkannte Schuldnerberatung wenden, die kostenlose Beratung anbietet.
Tipp 2
Kreditvermittlung. Für Kunden mit durchschnittlicher Bonität zahlt sich ein Gang zum Kreditvermittler nicht aus. Erstens wird eine Provision von meist fünf Prozent der Kreditsumme fällig (mehr ist nicht erlaubt). Zweitens fallen die Konditionen der Banken meist schlechter aus, wenn ein Vermittler anfragt. Kunden sollten lieber selbst verschiedene Angebote bei den Instituten einholen.
Tipp 3
Vertragsklauseln. Ein Test der Arbeiterkammer hat ergeben, dass sich einige private Kreditvermittler nicht an die Spielregeln halten. So darf ein Vermittlungsvertrag nur vier Wochen lang gültig sein – oft gilt er in der Praxis aber länger. Außerdem wird die Kostengrenze von fünf Prozent der Kreditsumme oft überschritten, indem extra Gebühren (etwa für die Anfrage) berechnet werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)
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