E-Control-Vorstand Walter Boltz begrüßt das "Grünstrom"-Angebot des Diskonters Hofer und hofft, dass es "ein paar Nachahmer" geben wird. Die Initiative der Handelskette sei eine "tolle Sache", weil sie den Strommarkt belebe und zeige, dass ein solches Produkt einfach im Supermarkt gekauft werden könne. Boltz hält es für möglich, dass noch einige weitere Einzelhändler auf diese Idee kommen.
Das Hofer-Angebot hat den Tarifrechner der E-Control diese Woche noch stärker zum Glühen gebracht. Wurden am Wochenende noch mehr als 10.000 Aufrufe der Homepage des Regulators am Freitag als neuer Tagesrekord vermeldet, kletterte die Zahl diesen Montag auf über 20.000 und lag auch am Dienstag noch bei 13.000, sagte Boltz am Mittwochabend vor Journalisten.
Raschere Wechsel möglich
Auf die heimischen Energiekonsumenten kommen 2013 eine Fülle von Neuerungen und Verbesserungen zu, berichtete Boltz. So erhalten Strom- und Gaskunden mehr Rechte, mehr Information und einen besseren Service. Grund dafür ist das 2009 beschlossene 3. EU-Energiepaket. Dass es in der EU aber bereits 2014 einen einheitlichen Energie-Binnenmarkt "in voller Schönheit" gibt, glaubt der Vorstand des heimischen Regulators nicht.
Ein Wechsel des Strom- und Gaslieferanten ist heuer rascher und noch einfacher möglich. Die Wechselfrist darf nur mehr maximal drei statt sechs Wochen betragen. Ab Mitte 2013 können Verbraucher an jedem beliebigen Tag den Lieferanten wechseln, derzeit nur an einem Monatsersten.
Engere Zeitfenster für Termine
Netzbetreibern sind nun engere Zeitfenster von höchstens zwei Stunden für vereinbarte Termine mit Kunden vorgeschrieben, eine Ankündigung, man komme zwischen 8 und 16 Uhr sei also nicht mehr möglich. Zudem werde die Servicequalität der einzelnen Netzbetreiber künftig durch die E-Control publik gemacht, damit die Konsumenten die Performance vergleichen können.
Von den Ökostrom-Kosten, die durchaus bei 30, 40 oder 50 Euro anzusiedeln seien, können sich Haushalte mit geringem Einkommen seit 1. Juli 2012 teilweise befreien lassen, erinnerte Boltz. Darüber seien zwar bisher 265.000 von der Rundfunkgebühr Befreite informiert worden, doch hätten bisher erst 92.000 (35 Prozent) einen Antrag gestellt. Da "Strom-Abschalten nur der letzte Schritt" sein dürfe, muss es jetzt eine mindest zweimalige Mahnung (eine davon eingeschrieben) sowie jeweils zweiwöchige Nachfristen geben, ehe ein solch drastischer Schritt gesetzt werden darf. Genaue Zahlen über Abschaltungen in Österreich hat auch die E-Control nicht, da stehen noch - auf Länderebene - Gesetzesbeschlüsse aus.
Gaspreise könnten sinken
Im Gasbereich werden laut Boltz die Konsumenten von dem mit Anfang Jänner 2013 gestarteten neuen Gasmarktmodell profitieren. Die E-Control erwartet dadurch eine Belebung des Wettbewerbs und auch zusätzliche Anbieter à la Goldgas oder Montana. Für die rund 1,2 Mio. heimischen Gaskunden könnten die Preise um zehn bis 15 Prozent sinken, meinte Boltz. Anreize für neue Anbieter gebe es durch die Erleichterung, dass Lieferanten nicht mehr stundengenau das von ihren Kunden benötigte Gas einspeisen müssen - womit sich kleine Anbieter eigene Speicher ersparen.
Der Weg zu einem vollständigen EU-Energiebinnenmarkt sei noch "weiterhin steinig", meinte Boltz, "denn nach wie vor überwiegen in der EU die nationalen Interessen." Jeder Mitgliedsstaat wolle seine eigenen Bereiche schützen - und der europäische Blickwinkel gerate dadurch zu oft in den Hintergrund.
Boltz: Energiewende in Deutschland überhastet
So sei die prioritäre Einspeisung von Erneuerbarer Energie zu hinterfragen. Und auch "die durch die überhastete deutsche Energiewende in Nachbarländern verursachten Probleme" gehörten "offen angesprochen". Möglicherweise werde es aber erst die nächste EU-Kommission schaffen, ernsthaft Überlegungen anzustellen, wie es in Europa noch eine Zukunft für die energieintensive Industrie geben könne und wie lange man noch imstande sei, sich einen "teuren Alleingang" zu leisten.
Ziemlich ähnlich hatte Anfang Dezember Siemens-Konzernchef Peter Löscher bei einem Vortrag in Wien das regional aufgesplittete Stückwerk bei der Energiewende in Europa kritisiert und einen "gemeinsamen Weg" urgiert. Bei der Weiterentwicklung der Energie-Infrastruktur gehe es um nationale Schwerpunkte, aber mit einem klaren europäischen Blickwinkel - denn schließlich sei Energie auch ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, hatte der Siemens-Chef gewarnt.
(APA)
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