Strom- und Gaskunden sollen besseres Service erhalten

17.01.2013 | 18:32 |   (Die Presse)

Der Energieregulator begrüßt das Ökostromangebot beim Diskonter Hofer ausdrücklich und hofft auf Nachahmer, um den Wettbewerb zu beleben.

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Wien/Apa. Auf die heimischen Energiekonsumenten kommen 2013 viele Neuerungen und Verbesserungen zu. Laut Walter Boltz, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control, sollen sie mehr Rechte, mehr Informationen und ein besseres Service erhalten. Grund dafür ist das Dritte EU-Energiepaket, das 2009 vom EU-Parlament beschlossen wurde.

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Demnach ist ein Wechsel des Strom- und Gaslieferanten rascher und einfacher möglich. Die Wechselfrist darf nur mehr maximal drei statt bisher sechs Wochen betragen. Ab Mitte 2013 können Verbraucher außerdem an jedem beliebigen Tag den Lieferanten wechseln. Derzeit ist das nur an einem Monatsersten möglich.

Netzbetreibern sind zudem engere Zeitfenster für vereinbarte Termine mit Kunden vorgeschrieben. Eine Ankündigung, man komme zwischen acht und 16 Uhr, sei also nicht mehr möglich. In Hinkunft dürfen solche Zeitfenster nur mehr höchstens zwei Stunden betragen. Laut Boltz werde auch die Servicequalität der einzelnen Netzbetreiber künftig durch die E-Control publik gemacht, damit die Konsumenten die Performance vergleichen können.

Das „Grünstrom“-Angebot des Diskonters Hofer begrüßt Boltz und hofft, dass es „ein paar Nachahmer“ geben wird. Die Initiative der Handelskette sei „eine tolle Sache“, da sie den Strommarkt belebe und zeige, dass ein solches Produkt einfach im Supermarkt gekauft werden könne.

Das Hofer-Angebot hatte den Tarifrechner der E-Control diese Woche noch stärker zum Glühen gebracht. Wurden am Freitag mehr als 10.000 Aufrufe der Homepage des Regulators als neuer Tagesrekord vermeldet, kletterte die Zahl am Montag auf über 20.000. Am Dienstag wurden 13.000 Aufrufe registriert.

Von den Ökostromkosten, die pro Jahr zwischen 30 und 50€ betragen, können sich Haushalte mit geringem Einkommen seit 1.Juli 2012 teilweise befreien lassen, erinnerte Boltz. Darüber seien zwar bisher 265.000 von der Rundfunkgebühr Befreite informiert worden, doch hätten bisher erst 92.000 (also 35 Prozent) einen Antrag gestellt.

 

Niedrigere Preise für Gaskunden?

Im Gasbereich werden laut Boltz die Konsumenten von dem mit Anfang Jänner 2013 gestarteten neuen Gasmarktmodell profitieren. Die E-Control erwartet dadurch eine Belebung des Wettbewerbs und auch zusätzliche Anbieter à la Goldgas oder Montana. Für die rund 1,2 Millionen heimischen Gaskunden könnten die Preise um zehn bis 15 Prozent sinken, meint Boltz.

 

Nationale Interessen

Anreize für neue Anbieter gebe es durch die Erleichterung, dass Lieferanten nicht mehr stundengenau das von ihren Kunden benötigte Gas einspeisen müssen – womit sich kleine Anbieter eigene Speicher ersparen.

Der Weg zu einem vollständigen EU-Energiebinnenmarkt sei „weiterhin noch steinig“, meint Boltz. „Denn nach wie vor überwiegen in der EU die nationalen Interessen.“ Jeder Mitgliedstaat wolle seine eigenen Bereiche schützen – und der europäische Blickwinkel gerate dadurch zu oft in den Hintergrund.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2013)

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1 Kommentare

freier Markt

in einem freien Markt müssten solche Sachen nicht beschlossen und dem energiesektor per Gesetz nicht diktiert werden. der Kunde würde so oder so den besten Anbieter für sich wählen. ausserdem schon wieder etwas was von der EU kommt. in einem freien Markt bräuchten wir keine EU und die Hälfte der Politiker!

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