Lohnsteuer: Dem Fiskus kein Geld schenken

17.03.2013 | 18:06 |  CHRISTINE KARY (Die Presse)

Noch immer nützen viele Lohnsteuerpflichtige die Arbeitnehmerveranlagung nicht. Dabei kann man durchaus ein paar hundert Euro vom Finanzamt zurückbekommen.

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Wien. Österreichs Arbeitnehmer und Pensionisten sind großzügige Steuerzahler. Noch immer machen viele keine Arbeitnehmerveranlagung und schenken dem Fiskus viel Geld. Wie viel genau, ist nicht bekannt, die Größenordnung könnte bei 150 Millionen Euro liegen, vielleicht auch darüber.

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Im Vorjahr wurden zwar immerhin 3,7 Millionen Arbeitnehmerveranlagungen durchgeführt – 3,5 Millionen für 2011, der Rest für frühere Jahre (bis zu fünf Jahre zurück ist das möglich) – und über 1,3 Milliarden Euro zurückgezahlt. Nach Schätzungen des Finanzministeriums wurden damit aber die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft: „Rund 500.000 bis eine Million Lohnsteuerpflichtige nutzen die Arbeitnehmerveranlagung noch nicht“, sagt Gunter Mayr, Sektionschef für Steuerpolitik und Steuerrecht. So viele könnten die Veranlagung noch via FinanzOnline einreichen oder das Formular L1 des Finanzamts ausfüllen.

 

Für viele rentiert es sich

Auszahlen würde es sich wahrscheinlich. Laut Mayr betragen die Gutschriften im Schnitt 300 bis 500 Euro, wenn es auch im Einzelfall große Abweichungen geben kann, nach oben wie nach unten.

Zwei Beispiele zum Vergleich: Wer zwei Kinder hat, kann, wenn für beide Betreuungskosten anfallen, bis zu 4600 Euro – ohne Selbstbehalt – als außergewöhnliche Belastung geltend machen, um so viel kann sich die Steuerbemessungsgrundlage verringern. Prämien für freiwillige Personenversicherungen fallen dagegen in die „Topfsonderausgaben“. Dafür gibt es einen Höchstbetrag von 2920 Euro, nur ein Viertel der Ausgaben kann abgesetzt werden und auch das nur bis zu einem Jahreseinkommen von 36.400 Euro. Für höhere Einkommen gilt eine Einschleifregelung, ab 60.000 Euro bleibt nur mehr der allgemeine Freibetrag von 60 Euro.

Kinderbetreuungskosten sind nur dann absetzbar, wenn die Betreuungsperson pädagogisch qualifiziert ist. Aber: „Das erfasst auch Tagesmütter, eventuell sogar Babysitter“, so Mayr. Personen ab 16 Jahren müssen einen 16-stündigen, ab 21 Jahren einen achtstündigen Kurs absolvieren, um die Qualifikation zu erwerben. Auch Familienangehörige kommen unter dieser Voraussetzung in Betracht, wenn sie nicht im selben Haushalt wohnen. Selbst Musikunterricht durch eine pädagogisch qualifizierte Person kann anerkannt werden, auch ein Computerkurs, ja sogar Fußballtraining – jedoch nicht reine Nachhilfe.

Für Familien gibt es auch Kinderfreibeträge sowie Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbeträge. „Dabei wird vielfach vergessen, dass als Steuerungsinstrument nicht nur die eigene Arbeitnehmerveranlagung dient, sondern eventuell auch die des Ehepartners oder Lebensgefährten“, erklärt Andreas Maier, geschäftsführender Gesellschafter der SOT-Süd Ost Treuhand Klagenfurt. Der Alleinverdienerabsetzbetrag steht einem Steuerpflichtigen zu, wenn dessen Partner maximale Einkünfte von 6000 Euro jährlich erzielt. „In Grenzfällen kann es sich auszahlen, für den Partner eine Arbeitnehmerveranlagung zu machen, um – etwa durch die Geltendmachung von Werbungskosten – nachzuweisen, dass die Einkünfte unter der Zuverdienstgrenze liegen“, so Maier. Bei einer Partnerschaft mit zwei Kindern beträgt der Alleinverdienerabsetzbetrag 669 Euro, außerdem erhöht sich in diesem Fall der Höchstbetrag der abzugsfähigen Sonderausgaben.

 

Pflegekosten absetzen

Abgesetzt werden kann auch Pflegeaufwand, zum Beispiel die Kosten einer 24-Stunden-Betreuung. Wer Pflegegeld bezieht, kann die Pflegekosten sogar ohne Selbstbehalt geltend machen, so Wolfgang Piribauer, Steuerberater bei TPA Horwath. Zu beachten ist aber, dass man den Betrag des Pflegegeldes abziehen muss. Wer das brav tut, sollte sich aber den Steuerbescheid genau anschauen, empfiehlt er: Denn oft zieht das Finanzamt – in der Annahme, dass der Steuerpflichtige darauf vergessen hat – diesen Betrag ebenfalls ab. Man kann dann gegen den Bescheid berufen, dafür hat man einen Monat Zeit. Absetzbar ist nicht nur das Entgelt für die Pflegeperson, sondern auch pauschal 196,20 Euro pro Monat für Kost und Quartier.

Krankheitskosten können ebenfalls abgesetzt werden, darunter fallen auch Brillen, Kontaktlinsen oder Zahnarztkosten. Weil hier ein einkommensabhängiger Selbstbehalt gilt, ist es steuerlich günstig, wenn viel im selben Kalenderjahr zusammenkommt. „In solchen Jahren lohnt es sich auch, Kleinkram zu sammeln“, sagt Piribauer, selbst Rezeptgebühren kann man dann mit einrechnen. Auf FinanzOnline kann man berechnen, ob sich eine Geltendmachung rentiert. Bei Kosten unter 1500 Euro ist das allerdings kaum der Fall.

Auch Kosten für Wohnraumbeschaffung sind absetzbar und ebenso berufliche „Werbungskosten“. Unter Letztere fallen Ausgaben für Fortbildung, aber auch ein privater Computer, den man beruflich nutzt. 40 Prozent der Kosten muss man für private Nutzung abziehen, den Rest kann man auf drei Jahre verteilt abschreiben.

Tipps

Timing. Es bringt nichts, die Arbeitnehmerveranlagung schon im Jänner zu machen. Denn der Arbeitgeber hat bis Ende Februar Zeit, den elektronischen Jahreslohnzettel ans Finanzamt zu schicken. Erst dann kann die Veranlagung durchgeführt werden.

Nicht auf Beilagen vergessen. Besonders bei der Geltendmachung von Freibeträgen für Kinder passiert das leicht – hier muss die Beilage L1k ausgefüllt werden, in der Angaben zu den Kindern zu machen sind. Beim Alleinverdienerabsetzbetrag die Zahl der Kinder anzugeben, reicht nicht.

Spenden absetzen. Möglich ist das jetzt auch für Umweltschutz, Tierheime und freiwillige Feuerwehren. Das BMF führt eine Liste begünstigter Einrichtungen (www.bmf.gv.at). Die Feuerwehren sind darauf allerdings nicht erfasst.

Kirchenbeitrag. Ab dem Veranlagungsjahr 2012 sind bis zu 400Euro absetzbar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2013)

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23 Kommentare

Super gerecht

bin seit drei Jahren in IV Pension. habe zwischen 2500 und 3500 arztkosten und therapiekosten und konnte kein Jahr etwas davon absetzen. Super oder?

Des Rätsels Lösung:

Wer keine Einkommenssteuer bezahlt, der kann auch nichts zurückbekommen ...

Re: Des Rätsels Lösung:

Falsch!

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Lohnt sich...

...zumindesten ein wenig. Hab mir das ganze auf der Arbeiterkammerseite angesehen und komm auf rund 100-150 € die ich zurückfordern kann.

http://wien.arbeiterkammer.at/steuer/steuersparen.htm

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kommt mir vor ...

... wie ne bezahlte Anzeige.

Steuerausgleich nach Tod

Als letztes Jahr mein Vater verstorben ist, hat der Nachlassverwalter über eine Steuerberaterin den Steuerausgleich beantragt. Was ist das für eine seltsame Logik, wer in der Mitte des Jahres stirbt der profitiert am meisten davon, kann aber die Kohle eigentlich nicht mehr ausgeben. Irgendwie sinnlos das Ganze, der Staat könnte was sparen wenn der Bemessungszeitraum mit dem Tod endet.

2 3

Vor allen bei Pensionistenpaaren, die von einer Rente leben müssen, hat die Finanzministerin einen großen Teil der Abschreibmöglichkeiten gestrichen

Aber das interessiert leider kaum jemanden in unseren Medien und der Politik. Dazu kommt, dass unsere kleinen Rücklagen auf der Bank immer weniger wert werden und nun von der "Verzyperung" bedroht sind. Die Pensionisten bezogene Inlationsrate liegt bei knapp fünf Prozent. Nur spenden sollen wir immer recht viel.
Deshalb wähle ich im Herbst - freilich ohne viel Hoffnung - Stronach.

KEST-Rückholung nur für Pensionisten nicht für Kinder

übrigens, die KEST vom Kindersparbuch zurückholen geht nicht, jedoch dürfen Pensionisten sich die KEST im Rahmen des Lohnsteuerausgleiches/Einkommenssteuer bei entsprechendem geringen Einkommen (ca. 14.000 im Jahr) zurückholen. Bis 730 Euro/Jahr darf man abgabenfrei dazuverdienen.

Kinder haben keine Wählerstimme

Re: KEST-Rückholung nur für Pensionisten nicht für Kinder

11.000€ für eine Person, aber schon mit den Zinsen samt KESt.
Allerdings, wer so eine niedrige Pension hat ist Ausgleichszulagenbezieher. Und dort sind Zinsen abzuziehen. Wer als "Mindestpensionist" die KESt zurück will, muss besonders blöd sein, weil sich dann die Pension verringert.

"man durchaus ein paar hundert Euro vom Finanzamt zurückbekommen" - Man kann auch durchaus ein paar hundert Euro dem Finanzamt zurückzahlen. Ja, liebe Freunde, auch diese Option besteht.

Man kann den Antrag zurückziehen

@ mr. vain_

Falls es bei einer freiwilligen Arbeitnehmerveranlagung (und nur von dieser ist hier die Rede) zu einer Nachzahlung kommen sollte kann man seinen Antrag zurückziehen.

Und es kommt ganz sicher zu keiner Steuernachzahlung.

mr. vain_ Haben Sie das nicht gewußt ?


Re: Man kann den Antrag zurückziehen

Nö, hab' ich nicht gewusst. Ich bekam bis jetzt immer Geld zurück und empfahl daraufhin meinen Arbeitskollegen doch auch einen Lohnsteuerausgleich abzugeben. Jo, und mehr brauchte ich nicht mehr. Einer meiner Kollegen "musste" knapp 50 Euro nachzahlen und ein anderer bekam rund 1400 Euro (!) - da meldete sich aber später das Finanzamt, dass er die Summe zurückzahlen müsse. Seitdem halte ich mich mit gut gemeinten Ratschlägen etwas bedeckt. ;-))

ist leider falsch!

Im Falle einer drohenden Nachzahlung kann man den Antrag formlos zurückziehen und die Sache ist damit erledigt - es gibt keine nachzahlungspflicht ggü. dem Finanzamt!!!
(u.a. auch weil der Arbeitgeber in so einem Fall Steuer vorleistungen in falscher Höhe geleistet hätte ...)

Re:

Werter Mr. vain, sofern man kein Fall einer Pflichtveranlagung ist (bspw. zwei oder mehrere Arbeitgeber, zu Unrecht geltend gemachter Freibetrag etc) kann man im Fall einer drohenden Rückzahlung den Antrag problemlos zurückziehen. Wurde allerdings zu Unrecht die Lohnsteuer verkürzt, ist eine Rückzahlung jedoch unvermeidlich.

Re: Re:

Interessant. Meine Arbeitskollegen haben immer brav "nachbezahlt"

2 0

Re: Re: Re:

Dann unterliegen Ihre Arbeitskollegen entweder der Pflichtveranlagung oder sind einfach nur dumm.

Re: Re: Re: Re:

ein amtswegiges Verfahren ist immer moglich.

Ach so, dass sind diejenigen die behaupten 50% Steuer zu zahlen ...

... obwohl durch es durch die 2/12-Begünstigung unmöglich ist, über rd. 43% zu kommen.
Solchen Aufschneidern einfach nichts glauben ...

Re: Ach so, dass sind diejenigen die behaupten 50% Steuer zu zahlen ...

43% vom Bruttogehalt, welches ohnehin schon um den arbeitgeberbeitrag reduziert wurde.

3000 brutto 800 Euro arbeitgeberbeitrag = 3800

davon bekommen sie, nach Abzug von sozialversicherung und Steuer ca 1850 Euro

Re: Ach so, dass sind diejenigen die behaupten 50% Steuer zu zahlen ...

Falsch, man kann 43% sehr wohl übersteigen, man müsste nur etwas Verknüpft denken.

Wann setzt sich endlich die AK, die Gewerkschaft und letzendlich die SPÖ für die Verringerung der Lohnnebenkosten ein?

Das was man über die Arbeitnehmerveranlagung retour bekommt ist nicht einmal die Hälfte der Lohnnebenkosten für ein Monat.

Der Arbeitnehmer und der Arbeitgeberbeitrag müssen systematisch gesenkt werden. In dem man sich vornimmt jedes Jahr diese Beiträge um 3% zu senken könnte die Regierung jetz schon die Ärmel hochkrempeln und nach ausgabenseitigen Einsparungspotentiale suchen.

Bei der Einnahmenseite sind alle kreativ. Über die Ausgabenseite spricht man nur vor den Wahlen.

Mit dem obigen Vorschlag hätten die Arbeitnehmer mehr Geld am Konto ohne die Arbeitgeber zusätzlich zu belasten UND alle Arbeitgeber würden zusätzlich entlastet werden.

Das täte unserer Wirtschaft gut.

Re: Wann setzt sich endlich die AK, die Gewerkschaft und letzendlich die SPÖ für die Verringerung der Lohnnebenkosten ein?

weil die AK automatisch prozentuell an ihrem Bruttogehalt beteiligt ist.

6 0

Re: Wann setzt sich endlich die AK, die Gewerkschaft und letzendlich die SPÖ für die Verringerung der Lohnnebenkosten ein?

Die Begünstigten wollen nicht verzichten.

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