Kredite: Die Probleme mit dem Tilgungsträger

Wer einen Fremdwährungskredit hat, hat häufig auch ein Tilgungsproblem. Die Tilgungsträger in Form von Lebensversicherungen oder Fonds entwickeln sich schlechter als geplant. Was ist zu tun?

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(c) Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - BilderBox.com)

Wien/Ker. Eines hat die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) richtig erkannt. Mit den vielen Fremdwährungskrediten gibt es ein Problem. Und zwar ein Tilgungsproblem. Wenn man nämlich einen endfälligen Kredit hat, dann tilgt man diesen nicht während der Laufzeit. Man zahlt stattdessen in einen Tilgungsträger (meist Lebensversicherung oder Fonds) ein. Dieser soll am Laufzeitende zumindest so viel wert sein, um den aushaftenden Kredit zu decken. Derzeit schaut es schlecht aus. Die OeNB legte in ihrem Stabilitätsbericht offen, dass es zur Jahresmitte 2011 eine Deckungslücke von 5,4 Mrd. Euro gab. Soll heißen, die Tilgungsträger entwickeln sich nicht so, wie es vorgesehen war. Das hat zwei Gründe:

Erstens entwickeln sich die Tilgungsträger schlechter als prognostiziert. Beispiel Fonds: Jene Schuldner, die ihren Fremdwährungskredit mit einem Aktien- oder Mischfonds tilgen wollen (oder wollten), sind im Dilemma. Die Kapitalmärkte hat es in den vergangenen Jahren ordentlich durchgerüttelt. Viele Fonds haben gewaltige Verluste erlitten. Beispiel Lebensversicherungen: Die Versicherer haben große Probleme, für ihre Kunden ordentliche Erträge zu erwirtschaften, da das Zinsniveau sehr niedrig ist.

 

Nebenkosten schmälern Rendite

Das Problem ist aber hier in den meisten Fällen nicht so groß wie bei Aktienfonds. Für Lebensversicherungen gibt es eine Mindestverzinsung. Wer eine Lebensversicherung bis zum Jahr 2000 abschloss, bekommt eine garantierte jährliche Verzinsung von vier Prozent. Verträge danach sind mit nur fixen 2,25 Prozent ausgestattet. Wobei das freilich nicht heißt, dass die Kunden wirklich vier bzw. 2,25 Prozent bekommen. Die Assekuranzen ziehen hohe Kosten ab und legen das Geld der Kunden erst dann an. Erst aus diesem „Sparanteil“ wird der Garantiezins bemessen. Wie viel an Kosten und Gebühren abgezogen wird, wollen die Versicherungen nicht preisgeben.

Aber nicht nur die Tilgungsträger laufen schlecht. Auch die Kreditschuld der Franken-Kredit-Nehmer hat sich erhöht, weil der Euro an Wert verloren hat. Ein Kunde, der sich im Jahr 2000 im Schweizer Franken zu einem Gegenwert von 150.000 Euro und zu einem Kurs von 1,6 Franken je Euro verschuldete, sitzt heute auf Schulden im Wert von rund 200.000 Euro. Ein gewaltiger (Buch-)Währungsverlust. Dass hier der Tilgungsträger weit unter dem Plansoll liegt, ist klar. Wenn die Situation auch am Ende der Laufzeit des Kredits so angespannt ist, droht dem Kreditnehmer großes Ungemach.

Was ist bei den Tilgungsträgern nun zu machen? Wer (noch immer) einen Aktienfonds als Tilgungsträger hat, wird diesen unter Umständen wechseln müssen. Nicht nur, weil die Performance zuletzt wohl schlecht war. In der Zukunft werden für Kursgewinne Steuern eingehoben. Das wird die Fondsbranche schwer belasten, glauben viele Experten. Bei Lebensversicherungen heißt es oft von Vermögensberatern: Beiträge erhöhen, abwarten und auf einen besseren Kurs hoffen. Dazu ein Beispiel der Erste Bank: Ein Kunde hat Mitte Jänner 2004 einen Franken-Kredit im Gegenwert von 150.000 Euro aufgenommen. Der Tilgungsträger ist eine Lebensversicherung. Die monatliche Prämie macht 385 Euro aus. Der aktuelle (Rückkauf-)Wert beträgt 32.400 Euro. Zu Beginn hatte die Versicherung versprochen, dass die Polizze nach 25 Jahren 180.000 Euro wert sein würde. Diese Prognose wurde aufgrund des schlechten Umfeldes auf 155.000 Euro heruntergeschraubt. Wenn der Euro weiter schwach bleibt (also bei 1,2 Franken), haftet der Franken-Kredit mit rund 195.000 Euro aus. Die Deckungslücke macht rund 40.000 Euro aus. Um diese Lücke zu schließen, muss der Kunde statt derzeit rund 550 Euro (Tilgungsträger plus Zinsaufwand) ab nun 740 Euro monatlich einzahlen. Erholt sich jedoch der Euro zum Franken, ist das Problem weitaus weniger problematisch. Das kann aber keiner garantieren.

 

Konvertieren kann teuer sein

Was kann der Kunde sonst noch tun? Ein Szenario: Der Kunde hat Geld zur Verfügung, beispielsweise 30.000 Euro. Soll er dieses Geld in den Tilgungsträger „buttern“? Oder gleich damit anfangen, den Kredit vorzeitig teilweise zu tilgen?

Ersteres hängt stark vom Tilgungsträger ab. Unnötig Geld in einen kaputten Tilgungsträger sickern zu lassen, wäre Unsinn. Den Banken wäre am liebsten, die Kunden würden den Franken- bzw. Yen-Kredit in ein Euro-Darlehen umwandeln, den Tilgungsträger auflösen und die restliche Kreditschuld normal abstatten. Für die Banken hat das einen gewaltigen Vorteil. Sie müssen derzeit für Fremdwährungskredite mehr Kapital hinterlegen, wenn sich der Währungskurs verschlechtert.

Für die Kunden hat eine Konvertierung aber eine gewaltige Schattenseite: Die Kursverluste werden realisiert. Im vorherigen Franken-Beispiel macht dieser Verlust immerhin 50.000 Euro aus. Im Euro muss der Kunde dann deutlich höhere Zinsen zahlen, da das Zinsniveau der europäischen Gemeinschaftswährung höher ist als jenes des Schweizer Franken.

 

Teiltilgung bei günstigem Kurs

Eine Teiltilgung (also wenn man Geld beiseite hat und in der fremden, niedriger zu verzinsenden Währung bleiben will) wäre vielen Banken auch recht. Aber auch hier gibt es einiges zu beachten für die Kunden. Ist der Euro zur Fremdwährung wenig wert, ist auch die Tilgungsrate weniger wert. Wenn man aktuell den aushaftenden Franken-Kredit im Wert von 200.000 Euro mit 30.000 Euro (zu einem Euro-Franken-Kurs von 1,2) teilweise tilgt, reduziert sich die Kreditschuld auf rund 170.000 Euro. Wenn man erwartet, dass der Euro auf 1,25 Franken steigt, sollte man mit der Teiltilgung noch abwarten. Bei diesem Kurs reduziert sich die Kreditschuld gleich auf 162.000 Euro. Das ist immerhin ein Unterschied von 8000 Euro.

Was Sie beachten sollten bei... Fremdwährungskrediten

Tipp1

Geld sparen. Geld sollten die Kreditnehmer eigentlich zur Verfügung haben– zumindest im Vergleich mit Euroschuldnern. Jene, die ihren Kredit Anfang 2000 im Franken aufnahmen, haben sich bisher (im Vergleich zu einem Euro-Kredit) viel an Zinsen erspart. Bei einem 100.000-Euro-Kredit in Franken macht die Zinsersparnis immerhin 16.700 Euro aus.

Tipp2

Beiträge erhöhen. Wer eine Lebensversicherung als Tilgungsträger hat, könnte die monatlichen Beiträge erhöhen. Dabei kann es sich um mehrere hundert Euro handeln (siehe Artikel). Doch besteht die Gefahr, dass man nur unnötig Geld verschüttet. Schließlich wird den Lebensversicherungen keine rosige Zukunft vorausgesagt.

Tipp3

Teiltilgung.Stattdessen können die Kunden die Kredite teilweise tilgen. Dabei ist der Währungskurs zu beachten. Die Tilgungsraten muss man zuerst in Franken beziehungsweise Yen umtauschen. Da der Euro derzeit billig ist, bekommt man nur wenige Franken oder Yen. Daher sind auch die Tilgungsraten weniger wert. Man sollte einen günstigen Zeitpunkt abwarten.

Tipp4

Umwandeln. Den Banken wäre es am liebsten, die Kunden würden den Tilgungsträger zur Teiltilgung verwenden und den ausständigen Kredit in Euro umwandeln. Dadurch ist man zumindest vor weiteren Verlusten durch einen schwachen Tilgungsträger oder einen schwachen Euro gefeit. Von einer etwaigen Erholung hat man aber auch nichts.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2012)

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