Kredite: Die Probleme mit dem Tilgungsträger

02.02.2012 | 18:25 |   (Die Presse)

Wer einen Fremdwährungskredit hat, hat häufig auch ein Tilgungsproblem. Die Tilgungsträger in Form von Lebensversicherungen oder Fonds entwickeln sich schlechter als geplant. Was ist zu tun?

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Wien/Ker. Eines hat die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) richtig erkannt. Mit den vielen Fremdwährungskrediten gibt es ein Problem. Und zwar ein Tilgungsproblem. Wenn man nämlich einen endfälligen Kredit hat, dann tilgt man diesen nicht während der Laufzeit. Man zahlt stattdessen in einen Tilgungsträger (meist Lebensversicherung oder Fonds) ein. Dieser soll am Laufzeitende zumindest so viel wert sein, um den aushaftenden Kredit zu decken. Derzeit schaut es schlecht aus. Die OeNB legte in ihrem Stabilitätsbericht offen, dass es zur Jahresmitte 2011 eine Deckungslücke von 5,4 Mrd. Euro gab. Soll heißen, die Tilgungsträger entwickeln sich nicht so, wie es vorgesehen war. Das hat zwei Gründe:

Erstens entwickeln sich die Tilgungsträger schlechter als prognostiziert. Beispiel Fonds: Jene Schuldner, die ihren Fremdwährungskredit mit einem Aktien- oder Mischfonds tilgen wollen (oder wollten), sind im Dilemma. Die Kapitalmärkte hat es in den vergangenen Jahren ordentlich durchgerüttelt. Viele Fonds haben gewaltige Verluste erlitten. Beispiel Lebensversicherungen: Die Versicherer haben große Probleme, für ihre Kunden ordentliche Erträge zu erwirtschaften, da das Zinsniveau sehr niedrig ist.

 

Nebenkosten schmälern Rendite

Das Problem ist aber hier in den meisten Fällen nicht so groß wie bei Aktienfonds. Für Lebensversicherungen gibt es eine Mindestverzinsung. Wer eine Lebensversicherung bis zum Jahr 2000 abschloss, bekommt eine garantierte jährliche Verzinsung von vier Prozent. Verträge danach sind mit nur fixen 2,25 Prozent ausgestattet. Wobei das freilich nicht heißt, dass die Kunden wirklich vier bzw. 2,25 Prozent bekommen. Die Assekuranzen ziehen hohe Kosten ab und legen das Geld der Kunden erst dann an. Erst aus diesem „Sparanteil“ wird der Garantiezins bemessen. Wie viel an Kosten und Gebühren abgezogen wird, wollen die Versicherungen nicht preisgeben.

Aber nicht nur die Tilgungsträger laufen schlecht. Auch die Kreditschuld der Franken-Kredit-Nehmer hat sich erhöht, weil der Euro an Wert verloren hat. Ein Kunde, der sich im Jahr 2000 im Schweizer Franken zu einem Gegenwert von 150.000 Euro und zu einem Kurs von 1,6 Franken je Euro verschuldete, sitzt heute auf Schulden im Wert von rund 200.000 Euro. Ein gewaltiger (Buch-)Währungsverlust. Dass hier der Tilgungsträger weit unter dem Plansoll liegt, ist klar. Wenn die Situation auch am Ende der Laufzeit des Kredits so angespannt ist, droht dem Kreditnehmer großes Ungemach.

Was ist bei den Tilgungsträgern nun zu machen? Wer (noch immer) einen Aktienfonds als Tilgungsträger hat, wird diesen unter Umständen wechseln müssen. Nicht nur, weil die Performance zuletzt wohl schlecht war. In der Zukunft werden für Kursgewinne Steuern eingehoben. Das wird die Fondsbranche schwer belasten, glauben viele Experten. Bei Lebensversicherungen heißt es oft von Vermögensberatern: Beiträge erhöhen, abwarten und auf einen besseren Kurs hoffen. Dazu ein Beispiel der Erste Bank: Ein Kunde hat Mitte Jänner 2004 einen Franken-Kredit im Gegenwert von 150.000 Euro aufgenommen. Der Tilgungsträger ist eine Lebensversicherung. Die monatliche Prämie macht 385 Euro aus. Der aktuelle (Rückkauf-)Wert beträgt 32.400 Euro. Zu Beginn hatte die Versicherung versprochen, dass die Polizze nach 25 Jahren 180.000 Euro wert sein würde. Diese Prognose wurde aufgrund des schlechten Umfeldes auf 155.000 Euro heruntergeschraubt. Wenn der Euro weiter schwach bleibt (also bei 1,2 Franken), haftet der Franken-Kredit mit rund 195.000 Euro aus. Die Deckungslücke macht rund 40.000 Euro aus. Um diese Lücke zu schließen, muss der Kunde statt derzeit rund 550 Euro (Tilgungsträger plus Zinsaufwand) ab nun 740 Euro monatlich einzahlen. Erholt sich jedoch der Euro zum Franken, ist das Problem weitaus weniger problematisch. Das kann aber keiner garantieren.

 

Konvertieren kann teuer sein

Was kann der Kunde sonst noch tun? Ein Szenario: Der Kunde hat Geld zur Verfügung, beispielsweise 30.000 Euro. Soll er dieses Geld in den Tilgungsträger „buttern“? Oder gleich damit anfangen, den Kredit vorzeitig teilweise zu tilgen?

Ersteres hängt stark vom Tilgungsträger ab. Unnötig Geld in einen kaputten Tilgungsträger sickern zu lassen, wäre Unsinn. Den Banken wäre am liebsten, die Kunden würden den Franken- bzw. Yen-Kredit in ein Euro-Darlehen umwandeln, den Tilgungsträger auflösen und die restliche Kreditschuld normal abstatten. Für die Banken hat das einen gewaltigen Vorteil. Sie müssen derzeit für Fremdwährungskredite mehr Kapital hinterlegen, wenn sich der Währungskurs verschlechtert.

Für die Kunden hat eine Konvertierung aber eine gewaltige Schattenseite: Die Kursverluste werden realisiert. Im vorherigen Franken-Beispiel macht dieser Verlust immerhin 50.000 Euro aus. Im Euro muss der Kunde dann deutlich höhere Zinsen zahlen, da das Zinsniveau der europäischen Gemeinschaftswährung höher ist als jenes des Schweizer Franken.

 

Teiltilgung bei günstigem Kurs

Eine Teiltilgung (also wenn man Geld beiseite hat und in der fremden, niedriger zu verzinsenden Währung bleiben will) wäre vielen Banken auch recht. Aber auch hier gibt es einiges zu beachten für die Kunden. Ist der Euro zur Fremdwährung wenig wert, ist auch die Tilgungsrate weniger wert. Wenn man aktuell den aushaftenden Franken-Kredit im Wert von 200.000 Euro mit 30.000 Euro (zu einem Euro-Franken-Kurs von 1,2) teilweise tilgt, reduziert sich die Kreditschuld auf rund 170.000 Euro. Wenn man erwartet, dass der Euro auf 1,25 Franken steigt, sollte man mit der Teiltilgung noch abwarten. Bei diesem Kurs reduziert sich die Kreditschuld gleich auf 162.000 Euro. Das ist immerhin ein Unterschied von 8000 Euro.

Was Sie beachten sollten bei... Fremdwährungskrediten

Tipp1

Geld sparen. Geld sollten die Kreditnehmer eigentlich zur Verfügung haben– zumindest im Vergleich mit Euroschuldnern. Jene, die ihren Kredit Anfang 2000 im Franken aufnahmen, haben sich bisher (im Vergleich zu einem Euro-Kredit) viel an Zinsen erspart. Bei einem 100.000-Euro-Kredit in Franken macht die Zinsersparnis immerhin 16.700 Euro aus.

Tipp2

Beiträge erhöhen. Wer eine Lebensversicherung als Tilgungsträger hat, könnte die monatlichen Beiträge erhöhen. Dabei kann es sich um mehrere hundert Euro handeln (siehe Artikel). Doch besteht die Gefahr, dass man nur unnötig Geld verschüttet. Schließlich wird den Lebensversicherungen keine rosige Zukunft vorausgesagt.

Tipp3

Teiltilgung.Stattdessen können die Kunden die Kredite teilweise tilgen. Dabei ist der Währungskurs zu beachten. Die Tilgungsraten muss man zuerst in Franken beziehungsweise Yen umtauschen. Da der Euro derzeit billig ist, bekommt man nur wenige Franken oder Yen. Daher sind auch die Tilgungsraten weniger wert. Man sollte einen günstigen Zeitpunkt abwarten.

Tipp4

Umwandeln. Den Banken wäre es am liebsten, die Kunden würden den Tilgungsträger zur Teiltilgung verwenden und den ausständigen Kredit in Euro umwandeln. Dadurch ist man zumindest vor weiteren Verlusten durch einen schwachen Tilgungsträger oder einen schwachen Euro gefeit. Von einer etwaigen Erholung hat man aber auch nichts.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2012)

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13 Kommentare
Gast: Pipi Langstrumpf
03.02.2012 16:00
1

Milchmädchenrechnungen

2 x 3 macht 4
Widdewiddewitt und Drei macht Neune !!
Ich mach' mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt ....

Der obige Artikel hat etwa selbiges Niveau...

Tja,

wer spekuliert, muss auch Verluste tragen können.

Politiker (vor allem die Roten) sind ja bekanntlich der Meinung, dass alle Spekulanten nur Gewinner sind ?

Übrigens müssen diese Kreditnehmer historisch betrachtet nur sehr niedrige Zinssätze bezahlen. Die sind also ohnehin seit vielen Jahren sehr gut bedient. Wenn sie vielleicht wieder mehr zahlen müssen, so ist das gegenüber den Gläubigern nur gerecht, denn die Geldentwertung ist enorm hoch.

Gast: trader1
03.02.2012 09:22
0

nebenbei .

war für jeden, der von finanzmathematik eine ahnung hat, schon vor 20 Jahren zu sehen ...
komisch . da sitzen doch lauter hochbezahlte leute in der aufsicht .. die das nicht gesehen haben ...
ach so ja .. sind ja alles ehemalige ministersekretäre, die maximal jus studiert haben :-):-)

Re: nebenbei .

Das sind diejenigen, die dabei mitkassieren. Warum sollten die vor solchen Dingen warnen?

Wenn das so einfach wäre...

Klingt ja alles recht nett, ist aber meist nicht machbar.
Wenn sich jemand so hoch verschuldet, dann meist, um eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen.
Damit sich das mit einem Durchschnittseinkommen von 3000 EUR netto bei zwei Vollzeitverdienern ausgeht, muss sehr knapp kalkuliert werden. Ein Puffer ist da meist nicht drin, also nix mit einfach Rate für den Tilgungsträger erhöhen oder nebenbei einfach mal so Geld ansparen.
Ich kenne das von so vielen Leuten, die sich hoffnungslos verschuldet haben und bei denen sich das jetzt alles hinten und vorne nicht mehr ausgeht.

Da hätten auch die Banken ein wenig strenger sein sollen und einfach so hohe Kredite nicht vergeben dürfen.

Re: Wenn das so einfach wäre...

ich wuerde sagen, die information ist eine holschuld der konsumenten, keine bringschuld der banken


Antworten Gast: Halbwissen
03.02.2012 10:17
0

Re: Wenn das so einfach wäre...

Wieso sollten die Banken strenger sein ?

Sie werden doch von den Vollzeitverdienern mit 3000 Euro welche nicht mehr wissen wie sie den Kredit bedienen sollen gerettet.

Re: Wenn das so einfach wäre...

Warum verschuldeten sich diese Leute?

Weil sie keine Eigenverantwortung mehr kennen und jede Werbung (Regierungspropaganda) für die Wahrheit halten.

Dieses (sozialistische) System hat fast lebensunfähige Almosenempfänger produziert. Wenn alles schief läuft, halten sie wieder beim Staat die Hand auf.

Re: Re: Wenn das so einfach wäre...

eigenverantw..was? lol :-)

Der Gesetzgeber ist gefordert !

Zitat aus dem Artikel: "Wieviel an Kosten und Gebühren abgezogen wird, wollen die Versicherungen nicht preisgeben".
Da sind nicht alle Versicherungen über einen Kamm zu scheren, manche legen fast alles offen.
Es sollte klar sein: wieviel von der Prämie geht (über welchen Zeitraum) in welchen Topf.
Wie viel wird bezahlt, und wie lange, für die Risiko-Abdeckung. Wenn sich das nicht angeben lässt, zB Sterbetafel mal so und mal so, so sollte angegeben werden, an welche Bezugsgröße (zB Sterbetafel) sich die Versicherung hält. - Wie viel, und über welchen Zeitraum verteilt, wird abgezweigt für die Provision. In welche Wertpapiere wird veranlagt. Zu welchem Kurs werden Wertpapiere gekauft, zu welchem verkauft, wie groß ist die Spanne. Oder ist die Spanne null, weil eh schon die Versicherung verdient hat. Verdient die Verwaltung der Versicherung, oder verdient auch noch zusätzlich die Verwaltung einer Fondsgesellschaft. Wie sind die Devisenkurse beim Kauf oder beim Verkauf von Papieren. Verkauft muss ja meistens am Ende der Versicherungsperiode werden. Wie viel verdient die Versicherungsgesellschaft, und bedient sie sich gleich aus den Prämien der ersten Jahre ( mit einem negativen Zinseszinseffekt für den Versicherungsnehmer) oder bedient sie sich aliquot über alle Jahre. (Auch die Abzweigung von Verwaltungskosten aus den Prämien der allerletzten Jahre sind nicht okay, denn sie können nie wieder verdient werden. Tip: Prämienzahldauer kürzer als Versicherungsdauer - sofern jung.)

Re: Der Gesetzgeber ist gefordert !


Bevor sie das alles rausfinden möchten, würde ich meinen, man verzichtet total auf solche Produkte, bei dem diese Versicherungen risikolos immer gewinnen.

Wenn Sie Aktien oder Anleihen kaufen möchten, dann tun sie das doch. Sie können das selbst mindestens so gut wie diese Versicherungen und es kommt VIEL billiger. Dazu gibt es genügend Studien.

Gast: Halbwissen
02.02.2012 22:00
2

das lustige ( oder traurige ) ist

Wenn keiner dem Druck nachgegeben hätte, hätten sich trotzdem alle das Haus leisten können. Dann wären die Grundstücke etc. genau um diesen Betrag billiger.

Re: das lustige ( oder traurige ) ist

Sehr richtig, so sehe ich das auch.
Aber dann hätten Banken und Versicherungen keine goldene Nase daran verdienen können und Politiker hätten weniger Versorgerposten. Außerdem wäre der Bürger mündiger und freier. Welcher Politiker möchte das haben?

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