Steuern: Ab April schlägt der Fiskus zu

15.03.2012 | 18:26 |  BEATE LAMMER (Die Presse)

Zwei Wochen bleiben noch, bis Immobilien- und Wertpapierbesitzer stärker zur Kassa gebeten werden. Einige fahren künftig aber besser als vorher. Was sich ändert und was man noch tun kann.

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Wien. Der April bringt einige Änderungen: Wer ein Haus verkaufen will, muss künftig auch dann Steuern für den Verkaufsgewinn zahlen, wenn er die Immobilie länger als zehn Jahre im Privatbesitz hatte (nur Hauptwohnsitze sind ausgenommen). Wenn jemand Wertpapiere verkauft, behält die Depotbank künftig 25 Prozent des Kursgewinns ein und führt diesen an den Fiskus ab (es sei denn, man hat die Wertpapiere schon lange). Im Detail ändert sich Folgendes:


Aktien: Wer ab 1.Jänner 2011 Aktien erworben hat und diese noch im März des laufenden Jahres verkauft, muss die Kursgewinne in der Einkommensteuererklärung angeben und mit bis zu 50 Prozent versteuern. Verkauft man die Papiere danach, behält die Depotbank automatisch 25 Prozent des Gewinns ein (sie sollte aber auch den Verlustausgleich vornehmen). Aktien, die man vor 2011 erworben hat, kann man hingegen jederzeit steuerfrei veräußern.

Grundsätzlich kann man Aktiengewinne mit Aktienverlusten steuerlich ausgleichen: Wer also Gewinne und Verluste in gleicher Höhe erzielt, zahlt keine Steuern. Dafür müssen Gewinne und Verluste aber im gleichen Jahr anfallen. Für 2012 gilt außerdem: Gewinne, die von Jänner bis März anfallen, kann man mit Verlusten ausgleichen, die ebenfalls in diesem Zeitraum anfallen. In beiden Fällen muss es sich um Aktien handeln, die noch in der Spekulationsfrist sind (also ab 1.Jänner 2011 erworben wurden).

Kursverluste, die zwischen April und Dezember anfallen, kann man nicht nur mit Gewinnen aus ebendiesem Zeitraum ausgleichen, sondern ab April auch mit Dividenden oder Anleihenzinsen. Das sollte man bei der Wahl des Verkaufszeitpunkts berücksichtigen, rät der Steuerberater Helmut Moritz.

Meist zahle es sich aus, mit dem Aktienverkauf zu warten, da der Steuersatz ab April normalerweise niedriger sei als bei der Einkommensteuer, stellt der Experte fest. Im März noch schnell Gewinne zu realisieren zahlt sich höchstens dann aus, wenn man von Jänner bis März auch Verluste realisiert hat, die man steuerlich verwerten kann.


Anleihen:Derzeit gilt: Wer Anleihen länger als ein Jahr hat, kann sie steuerfrei verkaufen. Hat er sie kürzer, muss er Kursgewinne mit bis zu 50 Prozent versteuern. Ab April hängt es davon ab, wann die Anleihen gekauft wurden: Papiere, die man vor dem 1.Oktober 2011 erstanden und länger als ein Jahr gehalten hat, kann man jederzeit steuerfrei veräußern. Hat man die Anleihen nach dem 1.Oktober erworben, muss man bei Kursgewinnen 25 Prozent abführen. Bei ab April 2012 erworbenen Anleihen fällt künftig die neue Wertpapiersteuer von ebenfalls 25 Prozent an.

Wer alte Anleihen hat, die er bereits steuerfrei veräußern könnte, tut unter Umständen gut daran, das noch im März zu tun und die Papiere im April zurückzukaufen– insbesondere dann, wenn der Kurs höher ist als der Nominalwert, rät Moritz. Denn wenn die Anleihe derzeit bei 110 steht und später zu 100 getilgt wird, wäre der Verlust nicht verwertbar. „Wenn sie aber steuerfrei verkauft wird und im neuen System wieder zu 110 gekauft wird, entsteht bei der Tilgung ein Verlust, der mit Zinsen, Dividenden und anderen Veräußerungsgewinnen ausgleichsfähig wäre“, rechnet der Experte vor.

Moritz rät zudem, Anleihen künftig erst nach der Zahlung des Kupons zu erwerben. Denn der Kupon wird sofort versteuert. Durch die höheren Anschaffungskosten entsteht aber später ein Verlust, der erst dann ausgeglichen werden kann.


Immobilien: Noch bis Ende März gilt: Wer eine Immobilie länger als zehn Jahre im Privatbesitz hatte, kann sie steuerfrei veräußern. Wer ab April verkauft, muss den Verkaufsgewinn versteuern. Ausgenommen sind lediglich Hauptwohnsitze (wenn man von Beginn weg mindestens zwei Jahre lang oder in den zehn Jahren vor dem Verkauf mindestens fünf Jahre selbst in der Wohnung gewohnt hat) und selbst errichtete Immobilien (sofern diese nicht vermietet wurden). Alle anderen müssen bei einem Verkauf zahlen: Hat man die Immobilie nach dem 1.April 2002 erworben, zahlt man 25 Prozent des Verkaufsgewinns. Hat man sie schon länger, werden 3,5 Prozent des gesamten Verkaufspreises fällig. Handelt es sich um ein Grundstück, das nach 1987 von Grünland zu Bauland umgewidmet wurde, zahlt man 15 Prozent des Verkaufserlöses.

Das bedeutet aber auch: Wer die Immobilie kürzer als zehn Jahre hat, müsste bei einem Verkauf im März bis zu 50 Prozent Einkommensteuer abführen. Ab April fallen nur noch 25 Prozent an. Abwarten zahlt sich in diesem Fall aus.

 

Grundstücke rasch verkaufen

Hat man die Immobilie schon länger, rechnet es sich meist, den Verkauf im März abzuschließen (ausschlaggebend ist der Abschluss des Kaufvertrags)– sofern man ohnehin verkaufen wollte, meint Karin Fuhrmann von TPA Horwath.

Es an einen Familienangehörigen zwischenzuverkaufen, um den Gewinn zu realisieren, solange das noch steuerfrei möglich ist, zahle sich meist nicht aus. Allein die Grunderwerbssteuer und die Eintragungsgebühren, die der Käufer zahlen muss, sind höher als die 3,5 Prozent Steuern, die man spart. Anders verhält es sich bei umgewidmeten Grundstücken, bei denen 15 Prozent Steuern anfallen. Hier könnte sich ein Zwischenverkauf rechnen. Steht ein Gebäude auf dem umgewidmeten Grundstück, fällt der Nutzen geringer aus.

Was Sie beachten sollten ... bis Ende März

Tipp 1

Immobilien verkaufen. Wer seine Immobilie ohnehin verkaufen will, tut gut daran, das noch im März zu tun. Das Haus an einen Familienangehörigen zu verkaufen, um den Gewinn noch rasch zu realisieren, solange das steuerfrei möglich ist, ist hingegen zumeist keine gute Idee: Die Gebühren, die dabei anfallen, sind häufig höher als die Steuern.

Tipp 2

Grundstücke. Bei Grundstücken, die nach 1987 von Grünland zu Bauland umgewidmet wurden, kann sich ein Zwischenverkauf im März rechnen: Hat man das Grundstück länger als zehn Jahre, kann man den Gewinn dann noch steuerfrei einstreifen. Die Gebühren, die bei der Transaktion anfallen, sind meist geringer als die Vermögenszuwachssteuer.

Tipp 3

Zuwarten. Bei Immobilien, die man kürzer als zehn Jahre im Privatvermögen hat, zahlt es sich meist aus, mit dem Verkauf bis April zu warten. Denn ab diesem Zeitpunkt muss man den Gewinn mit 25 Prozent versteuern, vorher wäre der Einkommensteuersatz (bis zu 50 Prozent) fällig. Gleiches gilt auch für Aktien, die man seit 2011 gekauft hat.

Tipp 4

Anleihen verkaufen. Wer Anleihen hat, deren Kurs zum gegenwärtigen Zeitpunkt über dem Nominalwert liegt, tut unter Umständen gut daran, diese jetzt zu verkaufen und im April zurückzukaufen. Ist man schon außerhalb der Spekulationsfrist, muss man den Gewinn nicht versteuern. Den Verlust bei der Tilgung kann man aber mit den Zinsen ausgleichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2012)

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36 Kommentare
 
12

Enteignung

Sie werden Euch enteignen ob Sie Pensionsbezieher, Edelmetallbesitzer, Aktienbesitzer,Grundstücke oder Bargeld besitzen etc.
Wehrt Euch gegen die Vorgangsweise dieser Lumpen.

Re: Enteignung

die meisten leute werden schon so dauerenteignet (50% einkommenssteuer, 20 % mwst), dass es ihnen gar nicht mehr auffaellt wenn die butter 50 euro kostet und der liter milch 100 euro - naja, kann man halt nix machen, dafuer gibts dann vom staat wieder zuschuesse ...

die meisten sind absolute schlaf-schafe, die 0 mitbekommen

seit jahren liegt die tatsaechliche inflation unter den zinsen, die man zb fuer ein sparbuch bekommt - was ist die haupt anlageform der oesterreicher? sparbuch!

da bekommen die schafe gar nicht mit, wie sie staendig kaufkraft verlieren!

Gast: Immospekulantenbeobachter
16.03.2012 13:25
3

Der Ex-Kultusmann freut sich

Fuer ihn werden die Steuern naemlich niedriger.

Fremdwährungskredite

Schweizer Franken: Ignorieren Sie Ihre Bank

Es gibt keinerlei Handlungsbedarf für eine Konvertierung in den Euro:

http://www.format.at/articles/1211/692/322187/schweizer-franken-ignorieren-sie-ihre-bank

futures

und wie werden die steuern bei futures oder devisenspekulation berechnet?

Antworten Gast: HugoDschungeltier
16.03.2012 12:10
0

Re: futures

unverändert über die Einkommenssteuererklärung

Re: Re: futures

das macht aber keinen sinn. warum sollte der futureskäufer, optionsschein, zertifikatekäufer, usw... benachteiligt sein?

Re: Re: Re: futures

besteuerung mach generell keinen sinn, weil besteuerung - diebstahl

Gast: gast089
16.03.2012 10:47
0

kein problem

alles kein problem die 3,5 % werden halt beim verkauf dem käufer draufgeschlagen

Re: kein problem

die 3,5% werden von vom gesamtverkaufspreis berechnet, nicht vom gewinn.

Welcher Private wird diese Immobiliensteuer wirklich zahlen?

Das was am Kaufvertrag steht und das was wirklich bezahlt wird kann unter Privaten ganz was anderes sein.
Einigen kann man sich immer.

Leute, zahlt so wenig Steuern wie möglich!
Jeder weitere Euro den wir in dieses korrupte System spenden verzögert den unvermeidlichen Untergang nur.

Re: Welcher Private wird diese Immobiliensteuer wirklich zahlen?

ganz richtig!
fuer jeden stein, den einem diese kommunisten in den weg werfen gibt es einen weg herum ...
in der mentalitaet, dieser umverteilungsfanatiker ist dieser leitsatz: eigentum ist diebstahl vom volk

ich sage, steuern = diebstahl vom volk!

wenn ich ein haus kaufe um 200k, es verkaufe um 200k und mir jemand noch 50 unzen gold gibt oder cash - dann ist es das gute recht zwischen anbieter und nachfrager, eine zahlung zu vereinbaren, mit denen beide einverstanden sind

Gast: thom
16.03.2012 09:45
2

ein Paradies für Spekulanten

Mußten große Immobilienspekulanten bisher
50 Prozent Steuern zahlen, halbiert sich nun die Belastung. Nehmen wir an, der Spekulant M. verkauft eine Immobilie die er vor 3 Jahren um 1 Mrd Euro erstanden hat, nun um 1,2 Mrd, so musste er bisher 100 Millionen Euro Spekulationssteuer zahlen. Jetzt erspart er sich dank Faymann 50 Millionen Euro.......Dafür werden die Wochenendhausbesitzer an Schotterteichen und im Waldviertel beim Verkauf ordentlich zur Kasse gebeten !
Bravo !

Re: ein Paradies für Spekulanten

stimmt so nicht,
denn immospekulanten in dieser größenordung hatten immer eine stiftung oder gesmbh dazwischengeschalten und somit immer maximal die 25% bezahlt.

Re: Re: ein Paradies für Spekulanten

oder auf dem rechnung steht der gleiche verkaufspreis wie der einkaufspreis (oder ein symbolischer gewinn von x euro) - was wirklich gezahlt wird scheint nirgends auf

merke: freiheit sucht sich immer einen weg, egal welche regulierungen es gibt. der markt ist staerker als der staat

in den vereinigten staaten zahlt man 15% auf dividenden

sobald naechstes jahr ein republikaner im haus ist, zahlt man vermutllich 0% auf dividenden und gewinne beim verkauf

es waere eventuell ueberlegenswert, sein depot nach u.s.a. zu verlagern

Antworten Gast: Jeff H.
16.03.2012 12:49
0

Re: in den vereinigten staaten zahlt man 15% auf dividenden

Wahnsinnig schlau, sie Hinterwäldler.

Man ist dort steuerpflichtig, wo man gemeldet ist.

Re: Re: in den vereinigten staaten zahlt man 15% auf dividenden

das stimmt mit der steuerpflicht. der hauptwohnsitz zaehlt, offiziell ...

fakt ist jedoch, dass oesterreichische banken die steuer automatisch abziehen, amerikanische banken nicht.

fakt ist auch, dass die amerikaner rund um den globus die banken zwingen, die konten fuer u.s. buerger offenzulegen weil diese sind weltweit steuerpflichtig - diese banken reporten dann an das irs. habe allerdings noch von keinem fall gehoert, wo u.s. banken an auslaendische steuerbehoerden reporten wuerden ...

Antworten Gast: Hallman
16.03.2012 12:48
0

Blöd nur

dass Sie dennoch in Österreich steuerpflichtig sind.

Antworten Gast: Halbwissen
16.03.2012 09:25
1

Re: in den vereinigten staaten zahlt man 15% auf dividenden

Aber es zählt der Hauptwohnsitz, oder !

Antworten Gast: JohnThursday
16.03.2012 08:44
0

Re: in den vereinigten staaten zahlt man 15% auf dividenden

Wusste gar nicht, dass Obama Republikaner ist?

Re: in den vereinigten staaten zahlt man 15% auf dividenden

"es waere eventuell ueberlegenswert, sein depot nach u.s.a. zu verlagern "

den einzig wahren ort für das depot hat kostolany definiert: lege deine wertpapiere unter den kopfpolster und kümmere dich die nächsten 10 jahre nicht darum!

Re: Re: in den vereinigten staaten zahlt man 15% auf dividenden

kostolany hatte aber nicht mit dem irrsinn einer zentralbank gerechnet, die durch unverantwortliche geldmengenausweitung blasen verursacht

vor 10 jahren war dow bei 14,000 heute bei 13,000

Ab April schlägt der Fiskus zu ...

schlagen wir zurück!

Gast: Auswanderer
15.03.2012 20:27
24

Auswandern

So eine Unglaublichkeit!

Und selbstverständlich wird hier kaum die Inflation berücksichtigt!

Wenn das Haus real keinen Wertzuwachs verzeichnet, der Wert aber aufgrund der Abwertung der Papierwährung ansteigt, dann muss man hier noch Steurn zahlen. Reine Abzocke des Mittelstandes durch die Sozis! Ich bin Gott lob nach meinem Medizinstudium in die USA ausgewandert! (---- und das kann ich allen anderen talentierten jungen Menschen raten!! Nur durch gezieltes Abwandern von jungen Talenten kann man das System zum Zusammenbruch und damit zur Veränderung zwingen!!)

Antworten Gast: Steuerzahler2000
16.03.2012 12:47
0

Zuerst gratis ein teures Medizinstudium genießen

und dann nichts zahlen wollen. Ich bin wirklich kein Sozi, aber Leuten wie Ihnen gehören ordentlich Steuern aufgebrummt.

 
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