Lebensversicherung: Garantiert weniger Zinsen

25.07.2012 | 18:17 |   (Die Presse)

Der Garantiezins wird wohl von derzeit zwei auf 1,75 Prozent herabgesetzt. Der Begriff verliert noch mehr an Bedeutung, die Produkte werfen immer weniger Zinsen ab.

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Wien/Ker. Er ist einer der Lieblingsbegriffe der Versicherungsbranche: der sogenannte Garantiezins. Das bedeutet: Wenn man eine Lebensversicherung abschließt, bekommt man einen garantierten Zinssatz ausbezahlt. Derzeit liegt dieser bei zwei Prozent in Österreich.

Welch verwirrender Begriff dieser Garantiezins ist, zeigt ein Beispiel: Ein 30-jähriger Angestellter schließt eine Lebensversicherung (Er- und Ableben) auf 20 Jahre ab. Er zahlt monatlich 100 Euro ein, also 24.000 Euro während der Laufzeit. Ihm steht ein jährlicher Garantiezins von zwei Prozent zu. Tatsächlich erhält der Kunde aus diesem garantierten Zins am Ende 25.250 Euro. Das entspricht aber nicht zwei Prozent jährlich, sondern nur 0,5Prozent.

 

Spesen werden abgezogen

Die Lösung des Rätsels: Bevor die Versicherung das Geld der Kunden anlegt, zieht sie etwa noch Spesen und eine Risikoprämie ab. Erst was danach übrig bleibt, wird mit den „garantierten“ zwei Prozent verzinst. Die noch schlechtere Nachricht: Schon bald wird es für neue Lebensversicherungen einen noch niedrigeren Garantiezins geben. Dieser Zinssatz wird von der Finanzmarktaufsicht (FMA) nach einer gewissen Formel bestimmt. Der Wert ergibt sich aus einem gleitenden Durchschnitt der Sekundärmarktrendite (SMR) minus Abschlag.

Die jährliche SMR (bezogen auf heimische Bundesanleihen) hat in den vergangenen Monaten deutlich abgenommen. Im Jahr 2011 lag der Wert noch bei 2,63 Prozent, im Juni dieses Jahres bei nur noch 1,48Prozent. Die Folge? Es sei davon auszugehen, dass sich ein Garantiezins von 1,75Prozent ergeben werde, heißt es aus der Generali Versicherung auf Anfrage der „Presse“. Die Pressevertreter der FMA zeigen sich dagegen noch kryptisch. Bisher habe man noch keinen entsprechenden Verordnungsentwurf (zur Reduktion des „Garantiezinssatzes“, Anm.) ausgesandt. Dagegen erwartet aber auch Uniqa-Vorstand Peter Eichler „einen Wert von 1,75 Prozent“. Das heißt für Neukunden: Der Garantiezins wird bald effektiv noch weniger als 0,5 Prozent jährlich für sie einbringen. Sie können höchstens noch auf eine hohe Gewinnbeteiligung hoffen. Denn die Gesamtverzinsung bei der Lebensversicherung besteht aus dem Garantiezins und darüber hinaus aus der Gewinnbeteiligung. Letztere hängt vom Veranlagungserfolg der Assekuranz ab. Aber da schaut es auch nicht prächtig aus.

(c) DiePresse

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Problem Niedrigzinsen

Das niedrige Zinsniveau macht Versicherungen mächtig zu schaffen. Sichere Staatsanleihen werfen geringe Renditen ab und höher verzinste bergen dafür ein deutlich höheres Risiko, vor allem in der aktuellen Staatsschuldenkrise. Sorgen machen sich die Assekuranzen zudem über das neue europäische Aufsichtssystem SolvencyII, das ab 2014 vollständig umgesetzt sein soll. Die Versicherungen müssen sich mit mehr Kapital ausstatten– also mehr Geld binden, das dann wiederum für eine bessere Verzinsung abgeht.

Auf die Versicherungsgesellschaften kommen damit schwierigere Zeiten zu. Sie müssen schließlich so viel erwirtschaften, um die Garantiezinssätze der alten Verträge gewährleisten zu können. Bis zum Juli 2000 gab es für damalige Neukunden noch einen garantierten Zins von vier Prozent. Dieser Garantiezins ist nämlich für die gesamte Laufzeit des Produktes garantiert. Bisher beteuern die Vertreter der Versicherungsbranche, mit der Erfüllung der bestehenden Verpflichtungen keine Probleme zu haben.

 

Gesamtertrag sinkt

Fakt ist aber auch, dass die Verzinsung bei den Lebensversicherungen in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen hat. Beispiel Allianz: Im Jahr 2002 gab es noch eine Gesamtverzinsung von fünf Prozent, im Vorjahr nur mehr von 3,5Prozent. Heuer wird sie nur mehr bei 3,25 Prozent liegen. Aber Achtung: Das ist auch hier nicht die jährliche Nettorendite. Die Verzinsung, die die Versicherungen kundgeben, bezieht sich nicht auf die gesamte Prämie des Kunden, sondern wieder nur auf den Sparanteil (also jenen Teil, der nach Abzug der Kosten und Steuern angelegt wird). Real werden dem Kunden laut Erhebungen nur zwischen 1,5 und zwei Prozent übrig bleiben.

Was Sie beachten sollten bei... Lebensversicherungen

Tipp1

Garantiezins. Der Garantiezins beträgt beim Abschluss einer Lebensversicherung derzeit zwei Prozent jährlich. Dieser Wert bezieht sich nur auf den Betrag, den die Versicherung tatsächlich anlegt (also nachdem die Kosten abgezogen wurden). Real bleiben dem Kunden dann nur rund 0,5Prozent übrig. Durch die Gewinnbeteiligung kann es mehr sein, die ist aber nicht garantiert.

Tipp2

Reduktion. Der Garantiezins (wobei die Bezeichnung so nicht ganz richtig ist) hängt von der Sekundärmarktrendite (SMR) bezogen auf heimische Bundesanleihen ab. Die SMR ist zuletzt stark gesunken. Daher ist anzunehmen, dass der Garantiezinssatz von zwei auf 1,75Prozent reduziert wird– für Verträge, die ab dem nächsten Jahr abgeschlossen werden.

Tipp3

Gewinnbeteiligung. Für die Inhaber von Lebensversicherungen gibt es über den Garantiezins hinaus noch eine Gewinnbeteiligung, abhängig vom Anlageerfolg der Versicherung. In Zukunft wird es aber deutlich schwieriger werden, ordentliche Erträge für die Kunden zu erwirtschaften. Denn die Zinsen sind niedrig und können meist mit der Inflation nicht Schritt halten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2012)

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20 Kommentare

Finanzielle Repression

Das ist der Weg, den die Planwirtschafter eingeschlagen haben.

Man nimmt den meist seriösen Sparern und Gläubigern und gibt den meist leichtsinnigen Schuldenern

Gast: faw2
26.07.2012 11:21
0

Lebensversicherung als Zusatzpension

War das nicht diese tolle Idee des tollen KHG?

Gast: Na und?
26.07.2012 09:06
4

Staatlich garantierte Enteignung: Privatpension + Lebensversicherung

Immer, wenn wo der Staat die Griffel drin hat, sollte man als Privater die eigenen davon lassen!!!

Da wird mit etwas gelockt, das bald ins Gegenteil umgedreht wird.

Man kann es auch Betrug nennen!

Re: Staatlich garantierte Enteignung: Privatpension + Lebensversicherung

Sehr richtig.

Ich handhabe das schon immer so: Finger weg, wo der Staat etwas fördert !!!

lebensversicherungen sind das duemmste

durch den kaufkraftverlust verliert man als sparer, jedes jahr

warum wird nichts von..

.. der steuerbegünstigung der anleger berichtet?
nur der vollständigkeit halber..

Gast: Bänkster
25.07.2012 23:10
3

Lebensversicherung = Wertvernichter

ich habe vor ein paar Jahren meine LV gekündigt, die ich mir von einem "Freund" (tatsächlich ein kleiner Bänkster und Billigkeiler vom LVs) aufschwatzen habe lassen.

Den Erlös habe ich in goldene Wiener Philharmoniker getauscht - die werden auch noch in 20 Jahren so aussehen wie sie aussehen und einen Wert haben - und sehr wahrscheinlich viel mehr 1350 € (= 1 Wr Ph.), den man bei eine LV mit "Garantiezins" anlegt.

Der einzige, der beim Abschluß einer LV noch profitiert ist der Versicherungs-Verkäufer.

Nur noch totale Ignoranten/Realitätsverweigerer schließen heute noch eine LV zwecks Altersvorsorge ab!

Re: Lebensversicherung = Wertvernichter

Besonders schlimm trifft es jene Leichtgläubigen mit einem endfälligen FW- Kredit, der eine Lebensversicherung als Tilgungsträger hat.

Da haben die Bänkster ordentlich abkassiert.

Antworten Gast: gruftibua
26.07.2012 07:31
0

Re: Lebensversicherung = Wertvernichter

Habe das Gleiche vor ca.8 Jahren mit den Bausparverträgen meiner Kinder gemacht.

Als diese aufgelöst wurden hatten sie jeder jeweis € 8.000. Die wurden in Philharmoniker angelegt und sind heute jeweils 20.000 wert. Wäre das Geld auf Sparbüchern liegen geblieben, wären es wahrscheinlich gerade einmal 10.000,--

Re: Re: Lebensversicherung = Wertvernichter

Gold ist eine alternative (stabile) Währung, die eine exzellente Alternative zum Euro darstellt.

Lange Zeit haben mir die Leute immer erklärt, dass Gold nur gegenüber dem schwachen Dollar steigt, aber das ist eben nicht so. Gold steigt gegenüber allen Fiat-Money Währungen. Wie wir jetzt sehen sogar gegenüber dem CHF!

Bzw. man muss es umgekehrt sehen. Gold ist der Fels in der Brandung, während die Währungen permanent abwerten.

Re: Lebensversicherung = Wertvernichter

ja, du hast recht!

Ich denke schon darüber nach all meine LVs zu kündigen.

So wie es aussieht, geht der Trend in Richtung Verlustgeschäft und ich bin sicher, dass eines Tages ein roter oder grüner Kommunist meint, alle Menschen, die eine private Vorsorge haben, bekommen keine Pension, da sie ja ohnehin privat vorgesorgt haben.

Re: Ich denke schon darüber nach all meine LVs zu kündigen.

Noch ist es nicht zu spät auf reale Vermögenswerte wie z.B. Gold umzusteigen, denn der Abwertungsprozess der Währungen ist vermutlich erst in der Anfangsphase.

Re: Ich denke schon darüber nach all meine LVs zu kündigen.

Die Wahrscheinlichkeit in Österreich ist hoch, sehr hoch!

Antworten Gast: Bänkster
25.07.2012 23:15
1

Re: Ich denke schon darüber nach all meine LVs zu kündigen.

Verkaufe deine LV und kaufe dafür anonym GOLD als Altersvorsorge.

In diesem Fall, kann der Staat nicht argumentieren, dass du bereits eine Altersvorsorge oder Vermögen hast.

Anonym gekauftes Gold schtützt auch vor zukünftiger Besteuerung von Vermögen.

Antworten Gast: UKW
25.07.2012 22:56
4

Re: Ich denke schon darüber nach all meine LVs zu kündigen.

Wenn Sie bei einer LV vorzeitig aussteigen, kann es leicht passieren, dass Sie sogar nur die Hälfte der Einzahlung zurückbekommen. Je nachdem wie lange sie bereits läuft, ob fondsgebunden oder klassisch etc. Lassen Sie sich mal den Rückkaufswert ausrechnen. Sie werden staunen. Geben Sie Ihrem Versicherungskeiler ein Busserl als Dank, dass er Sie da hineintheatert hat.

Re: Re: Ich denke schon darüber nach all meine LVs zu kündigen.

Das Problem bei diesen Lebensversicherungen ist, dass zu Beginn gleich die fürstliche Provision des Versicherungskeilers zu bezahlen ist und man dann sehr viele Jahre gebunden ist.

Aber das Geld für den Keiler ist ohnehin weg, EGAL ob man drinnen bleibt oder nicht. SO müssen sie das betrachten.

Die große Frage ist, können sie eine Anlageform finden, die mehr einbringt, als Anleihen und ein kleiner Aktienanteil. Ich denke, dass die Anleihen in einer großen Blase stecken. Wenn diese platzt, dann Gute Nacht mit den Lebensversicherungen !!!

Also besser noch rechtzeitig raus und das Restkapital sichern. Z.B. einen Teil des Kapitals in Gold eintauschen.


Antworten Antworten Gast: Und wenn
26.07.2012 03:18
0

er sie nicht kündigt,

ist die ganze Kohle weg, je nachdem, wie lange sie noch laufen müsste!

Re: Ich denke schon darüber nach all meine LVs zu kündigen.

das kommt sicher genauso wie der Tod.

Gast: Der Notenbank
25.07.2012 19:49
1

sei Dank,

sie macht Systeme krank!

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