Die Versicherung für teure Schätze

24.10.2012 | 09:20 |  ALEXANDER WEBER (Die Presse)

Wer über eine Sammlung teurer Kunst verfügt, stößt mit einer Haushaltsversicherung schnell an seine Grenzen. Spezielle Kunstversicherungen decken um einiges mehr ab.

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Wien. Die gemeine Haushaltsversicherung zählt zu Recht zu den verbreitetsten Versicherungsprodukten in Österreich. So gut wie der gesamte Hausrat wird mit ihr gegen Wasserschäden, Einbruch, Vandalismus und diverse Naturkatastrophen abgesichert. Den meisten Menschen werden die Deckungssummen auch ausreichen. Üblich sind Summen von etwa 1000 Euro pro Quadratmeter. Die Einrichtung einer 100 Quadratmeter großen Wohnung wäre demnach bis zu einem Betrag von 100.000 Euro versichert.

Wer über teure Gemälde oder andere wertvolle Gegenstände wie Skulpturen, Designermöbel oder auch Pelze verfügt, sollte einiges beachten. So gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, mit seinem Versicherer eine höhere Deckungssumme zu vereinbaren, was bei kleineren Sammlungen oder einzelnen teuren Gegenständen ausreichen sollte. „2000 Euro pro Quadratmeter sind aber bei den meisten Standardverträgen die Höchstgrenze“, sagt Florian Smrha vom Vergleichsportal Durchblicker.at.

Kunsthistoriker schätzen Wert

Wer sich für diese Variante entscheidet, sollte die Objekte jedenfalls gut dokumentieren und Schätzungen über deren Wert getrennt von ihnen aufbewahren, etwa im Bankschließfach. So können Streitigkeiten im Schadensfall reduziert werden. Denn bei normalen Haushaltsversicherungen werden in der Regel keine Kunsthistoriker oder andere Sachverständige beauftragt, die den Wert einer Einrichtung bestimmen.

Anders ist das bei speziellen Kunstversicherungen, die in Österreich etwa die Wiener Städtische, die Uniqa und das auf Kunstversicherungen spezialisierte Maklerhaus Barta&Partner anbieten. Hier wird der Wert der zu versichernden Gegenstände im Vorhinein festgestellt und mit dem Kunden vereinbart. „Im Vorfeld bedeutet das mehr Arbeit, dafür kommt es im Schadensfall zu keinen Streitigkeiten“, sagt Philip Machat von Barta & Partner.

Ein weiterer Unterschied zur Haushaltsversicherung ist, dass bei einer Kunstversicherung weit mehr Risken abgedeckt sind. So werden bei herkömmlichen Haushaltsversicherungen spezielle Fälle aufgeführt, bei denen die Versicherung zahlt. Bei Kunstversicherungen funktioniert das genau andersherum: Hier sind grundsätzlich alle Risken abgedeckt, außer jene, die explizit ausgenommen sind. Dazu gehören Extremereignisse wie Kriege, aber auch Allmählichkeitsschäden. Ein Kunstwerk, das allein wegen seines Alters kaputtgeht, wird von der Versicherung also nicht ersetzt. Versichert ist man dafür, wenn zum Beispiel die Haushälterin mit dem Besen ein Bild von der Wand holt oder wenn ein Brand im Haus gegenüber für Rauchschäden sorgt.

Weniger Prämie mit Alarmanlage

Wer teure Gegenstände besitzt, sollte trotz Versicherung für einen geeigneten Schutz sorgen. „Voraussetzung für den Versicherungsschutz sind zumindest gute mechanische Sicherheitsvorkehrungen“, sagt Petra Eibel, Leiterin des Bereichs Kunstversicherung bei der Uniqa Versicherung. Bei hohen Versicherungswerten setzt die Uniqa auch eine Alarmanlage voraus. Sind solche Vorkehrungen keine Voraussetzung, helfen sie doch, die Prämien zu reduzieren.

Bei Barta & Partner sind Versicherungen für eine Gemäldesammlung, die 500.000 Euro wert ist, ab 1000 Euro netto im Jahr zu haben. Je nach Art der Objekte fallen die Prämien etwas höher aus. Wertvolle Glasskulpturen sind etwa teurer zu versichern.

Was Sie beachten sollten bei... Kunstversicherungen

Tipp1

Grenzen kennen. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte man unbedingt die Grenzen seiner Haushaltsversicherung kennen. In der Regel ist die Einrichtung bis zu einem Wert von 1000 Euro pro Quadratmeter versichert. Höhere Summen können individuell vereinbart werden. Bargeld und andere Wertgegenstände sind meist nur bis zu einer niedrigeren Grenze versichert.

Tipp2

Umfangreicher Schutz. Kunstversicherungen übernehmen Schäden, die von der herkömmlichen Haushaltsversicherung nicht abgedeckt werden, zum Beispiel wenn ein teures Objekt durch Unachtsamkeit zu Bruch geht. Daneben können auch Außer-Haus-Versicherungen abgeschlossen werden, die etwa für teure Kleidung gelten. Auch Kunsttransporte können so versichert werden.

Tipp3

Prämien. Laut dem auf Kunstversicherungen spezialisierten Maklerhaus Barta & Partner lässt sich eine Gemäldesammlung, die eine halbe Million Euro wert ist, ab 1000 Euro (plus elf Prozent Versicherungssteuer) im Jahr versichern. Eine Versicherung für eine Sammlung von doppelt so hohem Wert ist ab 1500 Euro im Jahr zu haben. Die Prämie fällt umso niedriger aus, je besser die Sicherheitsvorkehrungen sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2012)

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