Besser versichert mit Tresoren

10.02.2012 | 18:38 |  ALEXANDER WEBER (Die Presse)

Tresorhersteller werben gern mit Versicherungssummen, die ihre Schränke bringen sollen. In der Praxis zeigt sich, dass sich nur wenige Assekuranzen daran halten.

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Wien. Die Haushaltsversicherung ist eines der beliebtesten Versicherungsprodukte in Österreich. Sie versichert den kompletten Inhalt einer Wohnung gegen Schäden, die etwa durch das Austreten von Leitungswasser, Feuer oder Stürme entstehen. Daneben schützt sie aber auch vor Verlusten und Beschädigungen durch einen Einbruch. Gerade dieser Punkt ist nicht zu vernachlässigen: Im Jahr 2011 gab es österreichweit zwar 0,8 Prozent weniger Einbrüche als im Vorjahr, allerdings wurde damit immer noch 15.600-mal in Wohnungen und Häuser eingebrochen.

Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen in bewohnte Einfamilienhäuser und Wohnungen lag im Vorjahr bei ernüchternden 8,5 Prozent. Sein Hab und Gut einmal wiederzusehen, ist im Ernstfall also nicht besonders realistisch. Daher sollte man sich genau anschauen, was von der Versicherung ersetzt wird.

 

Besser versichert mit Safe

Wertsachen wie Schmuck und Bargeld sind in der Regel nicht voll versichert. Wenn überhaupt, ist dies meist nur gegen einen happigen Prämienaufschlag möglich. Bargeld und Sparbücher sind bei der Wiener Städtischen zum Beispiel bis 4500 Euro versichert. Schmuck, Briefmarken- und Münzsammlungen, Edelsteine, Perlen und Edelmetalle sind bis 25.000 Euro versichert. Das aber nur, wenn sie in einem Möbelstück untergebracht sind. Liegen sie frei herum, reduziert sich diese Summe auf 2500 Euro.

Wer viele wertvolle Gegenstände und Bargeld zu Hause lagert, sollte sich die Anschaffung eines Tresors überlegen. Lagern Wertgegenstände zu Hause in einem Safe, erhöht sich die Versicherungssumme nämlich signifikant. Bei der Wiener Städtischen, um beim Beispiel zu bleiben, erhöht sich der Schutz gleich auf 45.000 Euro.

Wer sich nach einem geeigneten Tresor für zu Hause umsieht, wird feststellen, dass es verschiedene Sicherheitsstufen gibt. Um dem Wildwuchs der Zertifizierungen und Plaketten vorzubeugen, haben sich die österreichischen Hersteller vor einigen Jahren entschlossen, das deutsche System zu übernehmen. Seitdem werden Sicherheitsschränke in die Sicherheitsstufen EN 0 bis EN 4 unterteilt. Sie unterscheiden sich vor allem in der Stärke der Wände und der Anzahl der Riegel, mit denen die Tür schließt.

Zumindest in Deutschland korrespondiert jede dieser Sicherheitsstufen mit einer maximalen Summe, die von den Assekuranzen versichert wird. Bei Stufe 0 sind es 40.000 Euro, bei Stufe eins 65.000 Euro. Bei Stufe vier erreicht man einen Versicherungsschutz von maximal 400.000 Euro. Auch in Österreich wird von den Herstellern und Händlern mit diesen Zahlen geworben. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass fast jede Versicherung unterschiedliche Versicherungssummen für die unterschiedlichen Sicherheitsstufen festlegt. Der Versicherungsverband erklärt auf Anfrage der „Presse“, es gebe schon länger keine Kooperation mit dem Verband der Österreichischen Sicherheitsunternehmen (VSÖ) mehr. Dort war am Freitag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

 

Klassifizierung dennoch wichtig

Trotz allem spielen die Sicherheitsstufen der Tresore eine Rolle. Denn selbst wenn sich die Versicherungen nicht an die einmal ausgehandelten Versicherungssummen halten, unterscheiden sie selbst nach den EN-Stufen. Die Uniqa versichert Wertgegenstände in einem Schrank der Stufe EN 3 zum Beispiel mit bis zu 80.000 Euro, bei leichteren Geldschränken sind es nur 30.000 Euro. Die Wiener Städtische versichert Gegenstände in einem EN-0-Schrank mit 45.000 Euro, in einem EN-2-Schrank sind es schon 150.000 Euro. Es gibt auch Versicherungen, die sich nach wie vor an die Tafel des VSÖ halten. Dazu gehört etwa die Zürich-Versicherung.

Von Wertschränken ohne Zertifizierung raten Sicherheitsexperten der European Security Systems Association ab: „Wer einen Billigsafe nutzt, liefert dem Einbrecher seine Wertsachen als Komplettpaket“, heißt es dort.

Was Sie beachten sollten bei... Tresoren

Tipp 1

Versicherungssumme. Tresorhersteller werben gern mit Zahlen, die den dank ihrer Schränke erhöhten Versicherungsschutz zeigen sollen. Dieser hat mit der Praxis aber oft wenig zu tun. Wer sich einen Tresor zulegt, sollte vorher also dringend die Konditionen seiner Haushaltsversicherung prüfen oder eine neue nach seinem Bedarf aussuchen.

Tipp 2

Kosten. Ein besonders gängiges Modell ist laut Händlern ein Tresor der Sicherheitsstufe EN 1 mit einer Höhe von etwa 50 bis 60 Zentimetern. Ein solcher Schrank kostet je nach Hersteller etwa 300 bis 800 Euro oder mehr. Von Billigtresoren ist abzuraten, da sie weder großen Schutz vor Einbrechern bieten noch den Versicherungsschutz erhöhen.

Tipp 3

Schließmechanismus. Im Wesentlichen gibt es drei verschiedene Schließmechanismen: das Schloss mit Schlüssel, ein mechanisches Zahlenschloss und ein Elektronikschloss (mit Code). Dieses kann nach persönlichen Präferenzen ausgewählt werden, denn alle Mechanismen müssen sicherheitstechnischen Standards entsprechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)

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