Versichern gegen Währungsverluste

07.06.2012 | 18:23 |   (Die Presse)

Anleger, die im US-Dollar investiert sind, tragen ein Währungsrisiko. Dagegen kann man sich mit Optionen absichern. In der Praxis sind solche Instrumente aber nicht günstig.

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Wien/Ker. Der Wert des Euro ist derzeit im Sinkflug. Für einen Euro gibt es nur noch rund 1,25 Dollar. Um sieben Prozent weniger als noch im März. Eine Gruppe von Markteilnehmern wird dieser Umstand jedoch freuen. Nämlich jene Anleger, die in US-Wertpapieren investiert sind. Die US-Börse ist nach Frankfurt immerhin die zweitwichtigste Auslandsbörse für heimische Privatanleger. Die konnten sich in den vergangenen Wochen über Währungsgewinne freuen.

Was heißt das in Zahlen? Der US-Index Standard and Poor's 500 legte seit Jahresbeginn nominell (also in US-Dollar) geringfügig um rund 0,5 Prozent zu. Die Anleger mit einem Eurokonto freuten sich aber nicht über ein Plus von 0,5 Prozent, sondern von fast vier Prozent. Die Währungsgewinne sind also nicht zu unterschätzen.

Aber: Wenn man länger in US-Aktien investiert bleibt, kann sich das Blatt schnell wenden, weil der Dollar gegenüber dem Euro an Wert verlieren kann. Der Euro-Dollar-Währungsmarkt ist riesig. Langfristige, seriöse Prognosen für den Euro-Dollar-Wert sind daher nicht möglich. Kurzum: Aus den Währungsgewinnen können rasch Währungsverluste werden.

Das kann man theoretisch verhindern. Und zwar mit Absicherungsinstrumenten, die derzeit billig zu haben sein sollten, weil der Euro-Dollar-Kurs günstig liegt.

Absicherungen mit Optionen

Die Rede ist von Optionsscheinen, sogenannten Euro-Dollar-Calls. Sind solche Scheine für private Anleger aber überhaupt eine Überlegung wert? Wann rechnen sich diese Optionen?

Ein Beispiel: Der Anleger hat ein Depot mit US-Aktien im Wert von 20.000 Dollar und ist optimistisch, dass sich der US-Aktienmarkt gut entwickelt. Dieses Depot ist derzeit rund 16.000 Euro wert. Der Anleger besorgt sich nun Optionsscheine, etwa von der deutschen DZ Bank (ISIN: DE000DZ36LT7). Mit diesen Scheinen kann der Anleger das Depot zum heutigen Euro-Dollar-Kurs von 1,25 bis März 2013 absichern.

Gratis sind diese Optionsscheine freilich nicht, der Anleger muss eine sogenannte Optionsprämie bezahlen. Die Absicherung für das ganze Depot kostet den Experten der Erste Bank zufolge dann knapp 800 Euro. Ob sich die Währungsabsicherung auszahlt, liegt dann am künftigen Euro-Dollar-Kurs.
Szenario 1: Der Euro kostet im März 2013 weniger als heute, also weniger als 1,25 Dollar. Der US-Dollar hat somit gegenüber der Gemeinschaftswährung an Wert gewonnen. Das ist schlecht für Optionsscheine, die sind dann nämlich am Ende der Laufzeit wertlos. Die 800 Euro, die der Anleger für die Scheine bezahlen musste, sind weg. Die Absicherung war unnötig.
Szenario 2: Der Dollar fällt und verliert zum Euro bis zum März 2013 an Wert. Für einen Euro muss man 1,4 Dollar hinlegen. Für die Optionsscheine ist das gut, die gewinnen dabei an Wert. Der Anleger bekommt mit diesen Scheinen rund 1700 Euro heraus. Wenn man die Kosten abzieht, bleibt ein Plus von rund 900 Euro.

Aber: Sein Aktiendepot hat durch den Währungsabfall um fast 1700 Euro an Wert verloren (im Vergleich zum Ausgangswert des Depots). Mit den Optionen macht der Anleger den Währungsverlust nicht wett, sondern federt ihn bloß etwas ab. Dazu kommt, dass der Anleger auch eine Steuer für Derivate zahlen muss, die sich auf einen Gesamtwert von rund 200 Euro beläuft.

Aber Achtung: Die Währungsabsicherung bezieht sich nur auf die 20.000 Dollar des Depots. Sollte das Aktiendepot in der Zwischenzeit an Wert gewonnen haben, ist der zusätzliche Kursgewinn durch die Absicherung nicht gedeckt.

Fazit: Eine Währungsabsicherung ist eine teure und für private Anleger wenig praktikable Angelegenheit. Experten raten daher, beide Spekulationsgeschäfte (Aktien bzw. Derivate auf Währungen) getrennt zu behandeln. Also entweder auf einen starken Euro oder auf US-Aktien zu spekulieren und das Währungsrisiko in Kauf zu nehmen.

Was Sie beachten sollten bei... Währungsoptionen

Tipp 1

Währungsverluste. Der Euro-Dollar-Währungsmarkt ist riesig und sehr schnelllebig. Wenn der Dollar zum Euro an Wert verliert, erleiden Euro-Anleger, die in US-Wertpapieren investiert sind, Währungsverluste. In der Theorie kann man solche Währungsverluste auffangen, nämlich mit Optionsscheinen, sogenannten Euro-Dollar-Call.

Tipp 2

Kosten. Gratis sind solche Optionsscheine aber nicht. Der Anleger muss dafür nämlich eine Optionsprämie an die herausgebende Bank zahlen. Damit sich diese Währungsabsicherung auch wirklich auszahlt (also der Ertrag deutlich höher ist als die zu zahlende Optionsprämie), müsste der US-Dollar gegenüber dem Euro schon sehr stark an Wert verlieren.

Tipp 3

Fazit. Zur Absicherung eines Aktiendepots sind Optionsscheine für private Anleger ein teures Instrument und auch wenig praktikabel. Wer aber wirklich auf eine positive Kursentwicklung des US-Aktienmarkts vertraut, dem bleibt am Ende kaum etwas anderes übrig, als das Währungsrisiko auch in Kauf zu nehmen – ohne teure Absicherung durch Derivate.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2012)

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1 Kommentare

Ganz so einfach ist die Sache leider nicht

Optionsscheine sind Hebelprodukte. Und der Hebel ändert sich abhängig von der Marktlage.

Man kann beim Optionsscheinkauf unmöglich vorhersagen, bei welchem Kurs des Objektes der Begierde man wieviel bekommt.

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