21.11.2009 20:31 | Meine Presse Merkliste0

Weltspitze in Krähwinkel?

>> BRIEF DES TAGES (Die Presse)

Für eine Reform der Lehrerausbildung wäre der Zeitpunkt jetzt ideal.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Österreichs Bildungswesen müsse „Weltspitze“ werden, so das ambitionierte Ziel der neuen Regierung. Forschungsergebnisse zeigen, dass eindeutig eine Korrelation zwischen der Qualität der Lehrkräfte und den Lernergebnissen der SchülerInnen besteht. Die Ausbildung der Lehrkräfte muss also auf höchstem Niveau erfolgen.

Doch da spießt es sich. Denn derzeit werden AHS- und BHS-LehrerInnen an den Universitäten, PflichtschullehrerInnen an den Pädagogischen Hochschulen (PH) auf ihren Beruf vorbereitet, die einen im roten, die anderen im schwarzen Einflussbereich. „Folgerichtig“ möchte Bildungsministerin Schmied die Zuständigkeit für die PHs nicht abgeben. Obwohl sie selbst ebenso wie die EU-Kommission die gemeinsame Ausbildung aller PädagogInnen gefordert hat. Natürlich: An den derzeitigen Problemen des Bildungssystems ist nicht Ministerin Schmied schuld, sondern eine jahrzehntelange Blockadepolitik. Die Weigerung zur Abgabe von Kompetenzen zeigt aber, dass auch die Ministerin nicht daran denkt, diese Blockadepolitik aufzugeben.

Dabei gibt es brennende Probleme: Laut Umfrage fühlen sich unter 940 LehrerInnen aller Schultypen acht von zehn überfordert: 57 Prozent brauchen nach eigener Einschätzung „unbedingt“ Unterstützung, weitere 23 % „überwiegend“. Die Befragten kritisierten, dass sie auf ihre Aufgaben nicht ausreichend vorbereitet worden seien. Es gäbe also dringenden Handlungsbedarf.

Für eine Reform der Ausbildung wäre der Zeitpunkt ideal: In den kommenden 15 Jahren steht ein Generationenwechsel an. Es fehlen laut Unterrichtsministerium an allen Schultypen 50.800 LehrerInnen. Nach Jahren des „Lehrerbashings“ in der Ära Gehrer hätte Ministerin Schmied nun die Möglichkeit, den Beruf attraktiver zu machen. Die Probleme sind bekannt: niedrige Einstiegsgehälter, schlechtes Image, mangelhafte Ausbildung. Und was geschieht? Kompetenzgerangel zwischen den Ministerien statt konsequente Schritte in Richtung gemeinsamer Ausbildung aller PädagogInnen auf universitärem Niveau!

Wir werden uns entscheiden müssen: Weltspitze oder Krähwinkel!

NR-Abg. Dr. Harald Walser

Bildungssprecher im Grünen Parlamentsklub, AHS-Direktor (freigestellt)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Top-News