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Rendezvous!

26.01.2013 | 20:30 |  von Michael Prüller (Die Presse)

Rendezvous! Was Seitensprungpäpste, frustrierende Liebeserfahrungen und kalte Kamine über die Fallstricke intellektueller Weltblindheit aussagen können.

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Bruno Schwebel, aus jüdisch-sozialdemokratischer Familie, hat ein berührendes Buch über seine Kindheit in Wien und Neulengbach geschrieben und die Flucht vor den Nazis nach Mexiko. Darin schildert er, wie lustig es war, einen mit ihnen wohnenden österreichischen Intellektuellen beim Feuermachen zu beobachten: Er schichtete einen Holzhaufen im Ofen auf, legte Papier darauf, und ganz oben kam dann das Zündholz hin. Auf die Idee, dass Feuer eher von unten nach oben brennt, ist der Intellektuelle nicht gekommen.

Ist es vielleicht genau das, was viele Intellektuelle von den Weisen unterscheidet – dass sie die Welt, wie sie ist, eben nicht erfassen können? Und sich daher eine andere basteln, deren Beschreibung dann so gescheit klingt, dass sie sogar Menschen fasziniert, die es eigentlich besser wüssten? Das notwendige Antidot sind Leute, die hinter ihnen aufräumen und die Welt wieder auf die Füße stellen. Ich bin daran vor Kurzem erinnert worden, als ich auf der Website der Frauenzeitschrift „Amica“ einen Artikel über den Trend des Casual-Datings las, also über zwanglose Rendezvous, die über das Internet mit Unbekannten vereinbart werden.

Dabei hat mich nicht nur der so passende Name des dort als „Seitensprungpapst“ zitierten Noel Bidermann amüsiert (so wie ja heute auch nichts mehr wild ist an einer „wilden Ehe“). Sondern ich fand auch folgende Passage, in der es darum geht, dass sich auch bei Online-Kontakten offenbar die „Sehnsucht nach emotionaler Nähe“ nicht immer ausschalten lässt. Dazu hat das Magazin sogar eine Expertin interviewt: „Viele Frauen neigen dazu, Sex mit der Aussicht auf Liebe und Beziehung zu verbinden“, weiß Sexualberaterin B.P. „So mancher Mann wiederum hat die Erfahrung gemacht, dass sich viele Frauen sexuell mehr öffnen, wenn er ihnen Hoffnungen auf ,mehr‘ macht, und wendet das sozusagen automatisch an“, erklärt die Expertin weiter. In diesem Fall führe das vermeintlich erotische Abenteuer zu Liebesfrust. Na sowas aber auch!

Wir sind offenbar so weit, dass Experten uns wieder sagen müssen, dass es im Sommer wärmer ist als im Winter und am Tag heller als in der Nacht. Mir bestätigt das meine schon lang gehegte Vermutung, dass gerade das Feld der zwischenmenschlichen Beziehungen seit Jahrzehnten eine der liebsten Spielwiesen der Intellektuellen der oben beschriebenen Sorte ist. Der Tenor heutiger Sexualerziehung: „Es ist gut, alles auszuprobieren (solange es mit Kondom passiert)!“ ist ja tatsächlich ungefähr so realitätsnahe wie eine Empfehlung, das Kaminfeuer von oben nach unten brennen zu lassen.
Der Autor war stv. Chefredakteur der „Presse“ und ist nun Kommunikationschef der Erzdiözese Wien.

meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2013)

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9 Kommentare
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„Der Tenor heutiger Sexualerziehung: „Es ist gut, alles auszuprobieren (solange es mit Kondom passiert)!“ ist ja tatsächlich ungefähr so realitätsnahe wie eine Empfehlung, das Kaminfeuer von oben nach unten brennen zu lassen.“


Es geht beim Ausleben der Sexualität nicht darum, ob es gut ist, alles auszuprobieren, sondern darum VERANTWORTUNGSVOLL mit Sexualität umzugehen!

VERANTWORTUNGSVOLL bedeutet, dass sich zwei Menschen ausmachen, wie sie ihre Sexualität leben wollen.

VERANTWORTUNGSVOLL bedeutet auch, Kondome zu verwenden, um sich und andere zu schützen.

Im Übrigen finde ich es „mutig“, dass sich ein Vertreter der Kirche noch traut nach all dem, was über die Missbrauchsfälle publik geworden ist, die Menschen über Sexualerziehung belehren zu wollen :o(



Re: „Der Tenor heutiger Sexualerziehung: „Es ist gut, alles auszuprobieren (solange es mit Kondom passiert)!“ ist ja tatsächlich ungefähr so realitätsnahe wie eine Empfehlung, das Kaminfeuer von oben nach unten brennen zu lassen.“


P.S. @ VERANTWORTUNG

VERANTWORTUNG bedeutet für die Kirche:

25.000 Euro (!) für jahrelangen Missbrauch mit Verletztungsfolgen und seelischen Schmerzen

http://diepresse.com/home/panorama/religion/576747/index.do

Berufung selbst in den raren Fällen, als ein österreichisches Gericht keine Verjährung von Missbräuchen festgestellt hat:

http://derstandard.at/1358304474033/Keine-Verjaehrung-in-Mehrerau-Missbrauchsfaellen


Re: Re: „Der Tenor heutiger Sexualerziehung: „Es ist gut, alles auszuprobieren (solange es mit Kondom passiert)!“ ist ja tatsächlich ungefähr so realitätsnahe wie eine Empfehlung, das Kaminfeuer von oben nach unten brennen zu lassen.“

Dazu ist aber auszuführen, dass diese BEträge trotz Verjährung bezahlt wurden. Insofern nimmt die Kirche hier die Sache bis zu einem gewissen Punkt doch ernst, und € 25.000 sind .- was Schmerzengeld angeht- schon sehr hoch bemessen für öst. Verhältnisse.

Die Berufung in einem Zivilverfahren ist grundsätzlich nichts schlechtes, wobei man klarstellen sollte, dass es nicht "die Kirche" ist, die berufen hat, sondern ein Kloster (mithin eine eigene Rechtsperson).

Re: Re: Re: „Der Tenor heutiger Sexualerziehung: „Es ist gut, alles auszuprobieren (solange es mit Kondom passiert)!“ ist ja tatsächlich ungefähr so realitätsnahe wie eine Empfehlung, das Kaminfeuer von oben nach unten brennen zu lassen.“


Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen: 25.000 Euro (!) für jahrelangen Missbrauch (!!) mit Verletztungsfolgen (!!!) und seelischen Schmerzen (!!!!). Das ist „hoch bemessen“??? Das ist der Kirche der Mord an einer Kinderseele wert???

Und dann einer der raren Fälle, wo ein österreichisches Gericht keine Verjährung festgestellt hat, weil die Beweise so erdrückend sind, und Sie meinen dazu, dass so eine Berufung nichts Schlechtes ist?

Ist das römisch-katholisch? Ist das christlich?


„Bruno Schwebel, aus jüdisch-sozialdemokratischer Familie, hat ein berührendes Buch über seine Kindheit in Wien und Neulengbach geschrieben und die Flucht vor den Nazis nach Mexiko.“


Sehr geehrter Herr Pressesprecher der ED Wien, lieber Herr Prüller,

es ist Ihnen positiv anzurechnen, dass sie ein Buch über die Flucht vor Nazis als „berührend“ bezeichnen, denn das ist keine Selbverständlichkeit in der heutigen Kirche in Österreich!

Vor einiger Zeit gab es Berichte über die Ermittlungen des Verfassungsschutzes gegen Priester (auch der ED-Wien) wegen Verhetzung und Wiederbetätigung.

http://www.spiegel.tv/?t=1108.473#/filme/magazin-25112012/


Erst nachdem die Ermittlungen gegen die Priester publik wurden, wurde die gegenständliche Homepage „kreuz.net“ nach 8-jährigem Bestehen (!) vom Netz genommen.

Mich würde wirklich interessieren, welche Konsequenzen es gegeben hat, da sogar der Wiener Kardinal seit langem Vermutungen zu den Personen, die in der Kirche dahinterstehen hatte.

http://diepresse.com/home/panorama/religion/1315256/kreuznet_Verfassungsschutz-ermittelt-wegen-Verhetzung-

Der Standard (Die Presse schrieb nicht darüber) berichtet:

„Auch in Österreich hat sich der Verfassungsschutz mit der Internetseite befasst. Die gesammelten Erkenntnisse seien so schwerwiegend, dass derzeit die Staatsanwaltschaft Wien den Fall prüft, erfuhr die Kathpress von den zuständigen Stellen.“

Zudem ist eine Nachfolgeseite wiederholt im Netz ist, unverblühmt mit einem Impressum, das schnurstraks ins Wiener Milieu führt.

http://derstandard.at/1358303863483/Kreuznet-Ableger-mit-oesterreichischer-Kennung-erneut-online

Braucht es wirklich die Polizei, oder gibt es irgendwelche Konsequenzen innerhalb der Kirche?

Mich interessiert wirklich, wie Sie das sehen! Danke im Voraus für Ihre Antwort!



Re: Prüller antwortet nicht

und das ist gut so. Er hat nämlich Stil.

Sorry

May be it's LOVE! Egal wie man anheizt. Sie Auskenner!

Re: Sorry

Das Thema: "...einen Artikel über den Trend des Casual-Datings las..."

Maybe it's love?

Es könnte Liebe daraus werden - es beginnt aber im Fall eines Casual Datings selten so und ist auch üblicherweise nicht die Intention.

Ich danke meiner Schwesterzeitung, dass sie dem Propagandachef der Erzdiözese Wien ein Forum für seine Arbeit läßt, was bei Qualitätszeitungen, die nicht im Eigentum der Kirche sind, nicht der Fall ist.


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