Nur zu deinem Besten!

02.02.2013 | 18:12 |  Michael Prüller (Die Presse)

Aus aktuellem Anlass: Was sind Eltern, die ihre Kinder anzeigen, wenn sie etwas ausgefressen haben? Gesetzestreue Musterbürger? Oder einfach nur überfordert?

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Zu Beginn der Semesterferien präsentiere ich Ihnen eine Eltern-Kind-Frage, die sich gut für eine Sonntagsfrühstücksdiskussion eignet. Ausgangspunkt ist eine Meldung vom Jänner: Eine 16-Jährige hat gemeinsam mit ihrer 15-jährigen Freundin in der kalifornischen Stadt Rocklin (Motto: „A Family Community“) einen Weg gefunden, die zu Hause geltende Internetschlusszeit von 22 Uhr zu durchbrechen. Sie hat den Eltern Schlafmittel in den Milchshake gemixt.

Die Eltern haben sich am nächsten Tag verkatert gedacht, dass da etwas nicht stimmt, einen Drogentest gekauft: Der fiel positiv aus. Und jetzt kommt der bemerkenswerte Teil der Geschichte: Die Eltern sind daraufhin mit ihrer Tochter zur Polizei gegangen und haben sie angezeigt. Die Mädchen warten nun im Jugendgefängnis auf ihren Prozess.

Ich finde die Eltern verhaltensauffällig. Aber vielleicht ist in der amerikanischen Kindererziehung die Polizei ein selbstverständlicher Freund und Helfer. In einem Blog berichtet etwa eine Mutter, sie habe schon zweimal aus pädagogischen Gründen die Polizei gerufen: einmal, als ihr Ältester mit Feuer gespielt hat (mit acht), und einmal, als er absolut nicht auf sie hören wollte und Kleinigkeiten geklaut hat (mit zehn).

Was tut man wirklich, und warum, wenn man die Kinder bei einem Vergehen erwischt? Bei den Londoner Unruhen im August 2011 hat etwa eine Mutter in den Nachrichten gesehen, wie ihre 18-jährige Tochter, bisher nie straffällig, ein Polizeiauto mit Ziegelsteinen bewarf. Auch diese Mutter ging zur Polizei. Der bekannte Psychologe Richard Wiseman hat daraufhin in einer Blitzumfrage gefragt: Würden Sie Ihr eigenes 18-jähriges Kind anzeigen, hätte es während der Unruhen eine Flasche Mineralwasser geklaut? 86 Prozent sagten Nein. „Schockiert?“, fragt Wiseman auf seiner Website. Und: „Wie können Menschen es rechtfertigen, ihre kriminellen Kinder nicht der Obrigkeit auszuhändigen?“

Mir fällt eine ganze Reihe von Rechtfertigungen ein. Aber vor allem das autobiografische Lied „Zeugnistag“ von Reinhard Mey. Der kleine Reinhard traut sich nicht, sein miserables Zeugnis den Eltern zu zeigen und fälscht ihre Unterschrift. Das fällt auf, der Rektor holt „schnaubend“ den „stummen und geknickten“ Mey aus der Klasse und bestellt die Eltern her. Doch der Vater bestätigt die Echtheit der Unterschrift, und die Mutter sagt, ihre sei nur deswegen so zittrig, weil sie vorher zwei schwere Taschen getragen habe. Ob das rechtens war, wisse er nicht, singt Mey. Aber: „Wie gut tut es zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt, ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!“

Der Autor war stv. Chefredakteur der „Presse“ und ist nun Kommunikationschef der Erzdiözese Wien.

meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2013)

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6 Kommentare

Nur zu deinem Besten

Sie gehen davon aus, dass zumindest in der sogenannten westlichen Welt für alle "Recht" Gleiche bedeutet . "In Pennsylvania there is no relative privilege. If you refuse to testify in court, the court can hold you in contempt and put you in jail." Auf dem Europäischen Kontinent herrscht dagegen die Meinung vor, dass enge Angehörige nicht zu einer Aussage gezwungen werden können. Das gilt aber nicht weltweit. Die Leute
verhalten sich eben überall entsprechend ihrem eigenen Rechsverständnis.

nichts neues unter der sonne ...

anhängerinnen einer universalistischen moral werfen den relativistinnen vor, nur ihren eigenen freundinnen zu helfen - anhängerinnen einer relativistischen moral werden den universalistinnen vor, nicht einmal ihren eigenen freunden zu helfen.

„Wie gut tut es zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt, ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!“


Sehr geehrter Herr Pressesprecher der ED Wien, lieber Herr Prüller,

Vor einiger Zeit gab es Berichte über die Ermittlungen des Verfassungsschutzes gegen Priester (auch der ED-Wien) wegen Verhetzung und Wiederbetätigung.

http://www.spiegel.tv/?t=1108.473#/filme/magazin-25112012/

Erst nachdem die Ermittlungen gegen die Priester publik wurden, wurde die gegenständliche Homepage „kreuz.net“ nach 8-jährigem Bestehen (!) vom Netz genommen.

Sogar der Wiener Kardinal hatte seit langem Vermutungen zu den Personen, die in der Kirche dahinterstehen.

http://diepresse.com/home/panorama/religion/1315256/kreuznet_Verfassungsschutz-ermittelt-wegen-Verhetzung-

Der Standard berichtete:

„…Die gesammelten Erkenntnisse seien so schwerwiegend, dass derzeit die Staatsanwaltschaft Wien den Fall prüft, erfuhr die Kathpress…“

http://derstandard.at/1358303863483/Kreuznet-Ableger-mit-oesterreichischer-Kennung-erneut-online

Ja, es tut gut zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt, ganz gleich, was du auch ausgefressen hast.

Aber dazu braucht es auch KLARHEIT, was gut und was böse ist und es braucht KONSEQUENZEN um eine Wiederholung zu Verhindern!

Ich VERMISSE die KLARHEIT und ich VERMISSE die KONSEQUENZEN der Kirche gegenüber den Priestern und ihrem Gedankengut der Wiederbetätigung und der Verhetzung!

Braucht es wirklich die Polizei die für KLARHEIT und KONSEQUENZEN innerhalb der Kirche sorgt?

Mich interessiert wirklich, wie Sie das sehen! Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort!


Re: Prüller antwortet noch immer nicht


und das ist noch immer gut so.

Re: „Wie gut tut es zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt, ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!“



http://derstandard.at/1358305722940



Re: eine gute Bekannte ist unlängst 80 jährig an Alzheimer gestorben


die hat immer wieder dasselbe dahergeredet

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