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Rote Lippen soll man küssen

06.06.2009 | 18:02 |  von Michael Prüller (Die Presse)

Werden Jugendliche, die allergisch auf Schwule reagieren, auf einmal tolerant, wenn man ihnen zwei Männer beim Küssen zeigt?

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In Wiener Schulen und Jugendeinrichtungen sollen jetzt 3000 Plakate aufgehängt werden, die „irrationale Ängste vor gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen“ abbauen sollen, wie der Initiator der Aktion erklärt. Dahinter stehe die Grundhaltung, dass es Homo- und Heterosexuellen um dieselben Gefühle und Wünsche gehe: Geborgenheit, Liebe und Zuneigung. So weit ist das ganz in Ordnung. Nach wie vor gibt es – gerade im Jugendlichenalter – Stigmatisierung und die quälende lange Angst vor einem Outing.

Die Plakate zeigen küssende Pärchen: einmal zwei Männer, einmal zwei Frauen, einmal gemischt. Dazu der Slogan: „Liebe verdient Respekt!“ Aber warum eigentlich? Warum verdient Liebe Respekt? Wenn zum Beispiel Herrn Bumsti das Verlangen überfällt, meine Frau zu küssen, kann ich ihm zwar Anerkennung für seinen guten Geschmack zollen, aber wieso verdient das, was er da empfindet, meinen Respekt? Oder ist mit Liebe hier was anderes gemeint – aber dann ist sie auch nicht das Problem. Die Liebe stört niemanden. Wenn ein junger Mensch was gegen Homosexuelle hat, dann ist es ja nicht die Liebe, die ihm Unbehagen bereitet, sondern der Sex, die Vorstellung enger körperlicher Intimität mit dem eigenen Geschlecht.

Und nun frage ich Sie: Wenn da ein Jugendlicher von schwulem Sex so verunsichert wird, dass er das typische Ventil verunsicherter Jugendlicher bedient und mit dummen Sprüchen Dampf ablässt – wie wird so ein Jugendlicher reagieren, wenn man ihm z.B. zwei küssende Männer vor die Nase hält und dazu sagt: „Respektiere das!“? Eben. Irrationale Ängste (wenn die überhaupt existieren) werden dadurch wohl kaum aufgelöst. Der Ansatz müsste ein ganz anderer sein. Nicht das, was die beiden auf dem Plakat tun, verdient Respekt, auch nicht ihre dahinterliegende Gefühlswelt. Aber die beiden Menschen selbst verdienen Respekt. Das wäre auch das, was ich gern meinen Kindern vermitteln würde: Es muss dir nicht sympathisch sein, was einer tut, was einer will oder wie jemand lebt – aber egal, was du dabei fühlst, du solltest ihm als Menschen deine Achtung nicht versagen. Ich denke auch, dass das den meisten Jugendlichen vermittelbar ist.


Diese Freiheit des Urteils in Kombination mit der Pflicht zum respektvollen Verhalten ist den meisten Aktivisten allerdings zu wenig. Darum werden die Jugendlichen eher von Tiefenpsychologie-Amateuren zu hören bekommen, warum sie schwulem Sex gegenüber nur auf eine einzige (zustimmend positive) Weise empfinden dürfen und alles andere schlecht ist. Und darauf werden sie reagieren, wie sie eben auf alles reagieren, was als verordnetes Denkmuster daherkommt, egal ob von den Eltern, Lehrern oder Sozialarbeitern: mit dummen Sprüchen. 3000 Plakate – ziemlich umsonst.

michael.prueller@diepresse.com diepresse.com/cultureclash

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2009)

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5 Kommentare
Steininger
10.06.2009 15:18
0 0

Irgendwie muß man die Botschaft allerdings rüber bringen.

Wie wollen sie Respekt auf eine niederschwellige Art transportieren? Auf einem Plakat.
Man kann gegen vieles sein. Aber die Österreicher sind immer gegen alles.

Arethas
10.06.2009 13:57
0 0

3000 Plakate – ziemlich umsonst

Vergeblich schon, aber umsonst? Irgendwer wird schon dran verdienen, wie unten bereits richtig angemerkt.

democrates
09.06.2009 18:06
0 0

Typischer Bereicherungskonflikt


Wenn in einem Glaubensysten Hass auf und Töten der Homosexuellen göttliche Glaubenspflicht ist, so ist diese Indoktrinierung niemals aufhebbar.

Wieder einmal so ein überflüssiges, von glaubensystemewissenlosen oder aber, wenn einkalkuliert, dann gewissenlosen Politikern verursachtes Importproblem.

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Leider "argumentiert" die Schwulen/Lesben Scene gerne mit...

perfiden Unterstellungen (unter Hinweis auf irgendeine "Tiefenpsychologie"). In einer Demokratie dürfen wir verschieden sein und verschieden empfinden. Ich habe kein Problem damit, wenn Homosexuelle mich Heterosexuellen als krank, eklig oder was immer empfinden oder bezeichnen, so lange sie mich nicht zwangstherapieren wollen und mich so sein lassen, wie ich bin. So sollte es auch umgekehrt gehalten werden. Mir vorschreiben zu wollen, wie ich zu empfinden habe, geht entschieden zu weit. Einem hinterhältigen Gesinnungsterror will ich keinen Vorschub geleistet wissen.

Gast: GeierSturzflug
09.06.2009 13:22
0 0

Die sind doch nicht umsonst Dummerle

wer druckt die Plakate, was kostet jedes Plakat? Wer druckt die Plakate der Wiener SPÖ? Sind bald Wahlen? Na eben! Die richtigen Fragen muß MANN stellen.

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