Alle Jahre wieder kommt die Auseinandersetzung um das Weihnachtsfest, heuer in Deutschland. Katholiken und Protestanten protestieren gegen den Media-Markt-Slogan „Weihnachten wird unterm Baum entschieden (jetzt Geschenke kaufen!)“. „So werden die religiösen Gefühle der Menschen mit Füßen getreten“, meint etwa der Münchener Weihbischof Bischof (heißt wirklich so). Bambergs Erzbischof Schick sieht „die Frohe Botschaft von Weihnachten mit dieser Werbekampagne ad absurdum geführt“.
Na ja! Auch wenn die Absage an den Konsumismus Hand und Fuß hat, kommt mir die rhetorische Keule überdimensioniert vor. Da muss eine Handelskette schon präziser treten, um meine religiösen Gefühle zu erwischen. Aber vor allem: Media-Markt hat irgendwie recht, zumindest was die Mehrheit betrifft. So hat die Hamburger BAT-Stiftung die Deutschen befragt: Mit Weihnachten verbinden 78Prozent den Tannenbaum, 71Prozent Geschenke, 41Prozent die Geburt Jesu Christi, 33Prozent einen Kirchgang. Zwar sehen 53Prozent Weihnachten als christliches Fest, aber ob es glückt, entscheidet sich dann doch eher unterm Baum. Selbst in frommen Familien ist es harte Arbeit, Weihnachten so zu feiern, dass die Hoffnung auf eine „Xbox“ nicht alles überlagert.
Die Menschwerdung Gottes, die die Christen zu Weihnachten feiern, ist ein in der Religionsgeschichte einzigartiges Thema einer ungemein zärtlichen Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Klar, dass Christen darunter leiden, wenn diese in der Tat frohe Botschaft verdunstet. Aber das ist weithin längst geschehen, und es hat wenig Sinn, eine nun mehrheitlich glaubensferne, „ent-innerlichte“ Gesellschaft dafür zu rügen, dass sie ihren Frohsinn am 24.Dezember aus den Äußerlichkeiten generiert. Und Geschenke können tatsächlich ziemlich viel Freude machen.
Loriot, der heuer besondere Weihnachten feiern wird, hat schon vor 33Jahren in einem berühmten Sketch beschrieben, wie es ist: „Mutti: ,Erst holen wir die Geschenke rein, dann sagt Dicki sein Gedicht auf und wir packen die Geschenke aus, dann machen wir erst mal Ordnung, dabei können wir fernsehen, und dann wird's gemütlich.‘ Opa: ,Und wann kriege ich mein Geschenk?‘“
Aber trotzdem ist der Media-Markt eben doch blöd: Wenn das Herz von Weihnachten ganz fehlt, ist die Schlacht verloren, egal, was unterm Baum liegt. Auch schon vor 33Jahren fiel mir beim Bundesheer auf, wie viel einfacher es zu Weihnachten war, Soldaten zu finden, die in der Kaserne Wache schieben, als zu Silvester. Weihnachten wird nicht durch Werbeslogans entschieden. Die zeigen nur auf, wie's steht.
Der Autor war stv. Chefredakteur der „Presse“ und ist nun Kommunikationschef der Erzdiözese Wien.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2011)















