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Europa ist im Verschwinden begriffen

28.07.2012 | 17:16 |  von Walter Laqueur (Die Presse)

Vor fünf Jahren warnte ich vor dem Niedergang – heute ist er Realität. Schuld ist nicht die Finanzkrise, sondern die Apathie des Kontinents.

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Während diese Zeilen geschrieben werden, findet in Brüssel ein Treffen der europäischen Ministerpräsidenten und Finanzminister statt, eine Konferenz von vielen, die da waren und noch sein werden. Diesmal herrscht ein vorsichtiger Optimismus: Vielleicht ist das Schlimmste bereits vorbei, vielleicht ist es gar nicht notwendig, die einschneidenden Änderungen vorzunehmen, die radikalen Reformen und Kürzungen, die so viel Unzufriedenheit hervorgerufen haben.

Möglicherweise ist dieser Optimismus gerechtfertigt, wahrscheinlich noch nicht – wer kann es sagen? Doch diese wechselnden Stimmungen berühren nicht die eigentlichen Kernpunkte. Es geht im Grunde um die politische Zukunft Europas. Wird die gegenwärtige Krise einen stärkeren Zusammenschluss der Länder des alten Kontinents bewirken oder wird ein schwaches und überaltertes Europa daran zerbrechen? Wird es nicht nur eine gemeinsame Wirtschaftspolitik geben, sondern auch eine gemeinsame Außen- und Verteidigungspolitik?

Die Völker Europas haben bisher wenig Begeisterung gezeigt, was die Aufgabe ihrer angestammten Souveränität betrifft; die Europäische Union war im Wesentlichen eine Angelegenheit der Eliten. Eine europäische Nationalhymne gibt es zwar inzwischen, aber wann hat man sie zum letzten Mal gehört? Europa, Europa über alles klingt merkwürdig, genauso wie Allons enfants de l'Europe oder Europe rule the waves. Wird sich das in der nahen Zukunft ändern? Wo werden die Grenzen Europas sein, werden Russland und die Türkei dazugehören? Oder wird sich Europa in Richtung einer Zollunion bewegen wie Lateinamerika heute – oder Deutschland vor 1871?


Die ewige Krise. Es ist wohl nicht der beste Zeitpunkt, um über den Zustand Europas zu schreiben, wenn es von so vielen Krisen geschüttelt wird und seine Zukunft wie die anderer Kontinente unsicher ist. Wird es in fünf Jahren noch in seiner gegenwärtigen Form existieren?

Ich habe vor langer Zeit gelernt, dass eine Krise gewöhnlich die Zeitspanne zwischen zwei anderen Krisen umfasst, aber die gegenwärtige scheint erheblich gravierender als diejenige zu sein, die Europa nach dem Zweiten Weltkrieg durchgemacht hat. Meine Erinnerungen an Europa reichen zurück bis in die Kindheit und Schulzeit in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Ich verließ Europa knapp ein Jahr vor Ausbruch des Krieges und hatte bis dahin nur einen kleinen Teil des Kontinents kennengelernt.

Seither habe ich mich in den meisten europäischen Staaten aufgehalten, und Europa ist mein Hauptstudiengebiet geworden– nun ist die Zeit für eine Bilanz gekommen. Den Versuch dazu habe ich schon vor fünf Jahren in einem Buch mit dem Titel Die letzten Tage von Europa unternommen. Die darin zum Ausdruck gebrachten Ansichten wurden zum Teil ziemlich skeptisch aufgenommen, denn es handelte sich um eher unzeitgemäße Betrachtungen, und das Buch kam sicherlich zu früh.

Fünf Jahre können nicht mehr als eine Minute in der Geschichte sein, aber auch eine sehr, sehr lange Zeit. Als das Buch herauskam, herrschte die allgemeine Ansicht, dass Europa und speziell die Europäische Union nicht zu schlecht dastanden. Die EU hatte schließlich eine gemeinsame Währung bekommen. Der Rezensent in „The Economist“, meiner „Bibel“ unter den Wochenzeitschriften, legte mir „unzulässig apokalyptische Schlussfolgerungen“ zur Last. Doch nun sehe ich, dass ein erst kürzlich erschienener Leitartikel über die Zukunft Europas im selben Journal mit „Blick in den Abgrund“ betitelt ist. Damals habe ich nicht in den Abgrund geblickt, was ich auch jetzt nicht tue; ich sagte lediglich voraus, dass Europa sich möglicherweise in ein Museum oder einen kulturellen Vergnügungspark für wohlhabende Touristen aus Ostasien verwandeln könnte – keine besonders heroische oder tragische Aussicht, die sich aber nicht mit meiner Vorstellung von einem Abgrund oder der Apokalypse deckt.


Das Problem geht tiefer. Es stimmt, dass ich damals bei der Behandlung der zahlreichen Probleme mehr Gewicht auf langfristige Herausforderungen wie die Demografie gelegt habe, wohingegen in jüngster Zeit aufgrund der globalen Rezession und speziell der europäischen Schuldenkrise die unmittelbaren Gefahren in den Vordergrund gerückt sind. Das ist ganz natürlich, da der Zusammenbruch von Banken, steigende Arbeitslosigkeit und Sparhaushalte unmittelbare Gefahren darstellen, die alle betreffen, wohingegen sich langfristige Bedrohungen beiseiteschieben lassen – es besteht immer die Chance, dass sie nicht eintreten werden.

Der Unglaube, der vor fünf Jahren mein Buch begleitete, verstörte mich. Selbst damals waren die Anzeichen für den Niedergang so augenfällig – wie konnten sie bezweifelt und ignoriert werden? Schon mehrfach war auf sie hingewiesen worden.

Wir stehen vor drängenderen Problemen: Der Niedergang Europas scheint offensichtlich, was die vorhersehbare Zukunft betrifft, aber es muss kein Zusammenbruch sein. Was lässt sich tun, um eine weiche Landung und vielleicht sogar eine Erholung zu einem zukünftigen Zeitpunkt zu bewerkstelligen? Inzwischen sind die derzeitigen Probleme der Europäischen Union vordringlicher geworden als die etwas ferner liegenden demografischen Fragen. Wird Europa sich eher für die Vereinigten Staaten von Europa als für die gegenwärtige Kompromisslösung entscheiden? Oder bleiben die Aussichten für eine effektive Union trübe, und jedes Land wird sich allein seinen jeweiligen Schwierigkeiten stellen? Wie viel Macht wird diese neue, mehr zentralisierte und gestärkte Union haben? Wird die Verlagerung der Souveränität von den Nationalstaaten auf die EU auch die Außen- und Verteidigungspolitik einschließen?

Das sind meiner Ansicht nach die Themen, die behandelt werden müssen. Der Euro und die Eurozone mögen in den nächsten Jahren gerettet werden, aber das muss nicht unbedingt Stabilität bedeuten, denn die nächste oder übernächste Krise könnte immer noch den Zusammenbruch herbeiführen. Doch wenn es zu einer Spaltung Europas kommt, müsste das nicht unbedingt das Ende eines geeinten Europas bedeuten, denn nach einer angemessenen Verschnaufpause würde wahrscheinlich eine neue Initiative gestartet werden. Das Gleiche gilt für den Fall, dass die Eurozone eher früher als später verschwindet.


Europäische Apathie. Wenn die Finanzmärkte bei den kommenden Entwicklungen eine negative Rolle spielen sollten, ist ihr Überleben in der gegenwärtigen Form zweifelhaft. Es gibt eine beinahe unbegrenzte Zahl von Möglichkeiten, doch es scheint mir so zu sein, dass die entscheidenden Punkte nicht die hinsichtlich der Wirtschaft und Finanzen des Kontinents getroffenen technischen Entscheidungen sein werden, sondern die tiefgreifenderen politischen und psychologischen Faktoren – werden Nationalismus oder Postnationalismus, Dynamik oder Erschöpfung in Europa die Oberhand gewinnen? Es gibt Trends, die sich mit einem gewissen Grad an Wahrscheinlichkeit vorhersagen lassen, aber es gibt auch die Imponderabilien, die sich nicht messen oder abwägen, geschweige denn vorhersagen lassen, weil sie plötzlichen Veränderungen unterworfen sind. Und offenbar werden die Imponderabilien entscheidender sein.

Das Europa, das ich kenne und über das ich vor fünf Jahren geschrieben habe, ist im Verschwinden begriffen. Was wird an seine Stelle treten? Die Bedeutung Europas in der Welt hat abgenommen, aber es hat womöglich noch eine Zukunft, wenngleich offensichtlich eine bescheidene, etwas zwischen einer Regionalmacht und einem in der Tat wertvollen Museum. Einstweilen stimme ich trotz allem eher Alfred Lord Tennyson zu, der in Locksley Hall schrieb: „Lieber fünfzig Jahre Europa als eine Periode Cathay“ [Cathay: China, besonders Nordchina; veraltet].

An Europas Vergangenheit ist vieles bewundernswert, sogar in seinem derzeitigen Schwächezustand. Aber ich bin mir nicht mehr so sicher, in welchem Umfang Tennysons Empfindungen von einer Mehrheit der Europäer geteilt werden, in welchem Maß noch der feste Glaube an die europäische Identität, das europäische Modell und die europäischen Werte besteht – und ob vor allem der Wille besteht, sie zu verteidigen. Stattdessen herrscht der tröstliche Gedanke vor, dass andere Teile der Welt sich auch im Niedergang zu befinden scheinen. Die gegenwärtige Krise ist nicht vorrangig eine Schuldenkrise, mehr im Vordergrund stehen – mögen „europäische Werte“ auch noch so oft angerufen werden – Willensschwäche, Trägheit, Ermüdung und Selbstzweifel sowie mangelndes Selbstvertrauen, was auf die psychologische Diagnose eines schwachen Ego hinausläuft. Europa nahm, so wie andere Mächte früher, während einiger Jahrhunderte eine Vorrangstellung in der Welt ein; damit ist es nun vorbei. Aufstieg und Niedergang hat es immer in der Geschichte gegeben. Supermächte haben im Unterschied zu Universitätsprofessoren kein Amt auf Lebenszeit. Ursachen kollektiver Erschöpfung sind vielfältig. Aufstieg und Niedergang sind auch seit alters studiert und kommentiert worden. Zu Anfang der Neuzeit hat Giambattista Vico in seinem berühmten und einflussreichen „Scienza Nuova“ behauptet, die Geschichte verlaufe in wiederkehrenden Zyklen – aufgeteilt in ein göttliches, ein heroisches und ein menschliches Stadium.

Dass Europa in einem postheroischen Zustand ist, versteht sich von selbst, aber wer kann schon mit Überzeugung sagen, welches Stadium Europa nun erreicht hat und welches das nächste sein wird? Womöglich hat Robert Cooper recht. Er hat seit langer Zeit immer wieder Ratschläge zur EU-Außenpolitik gegeben. Seiner Ansicht nach ist Europa postmodern, glaubt an friedliche gegenseitige Abhängigkeit und moderne Kooperation, wohingegen die Politik der anderen (im besten Fall) in Ideen traditioneller Einflussbereiche und einem Gleichgewicht der Mächte verwurzelt ist. Doch wie wird die Postmoderne in einer vormodernen oder modernen Welt überleben, in der allzu oft das Chaos herrscht, nicht die Gesetze des Internationalen Strafgerichtshofs, sondern die des Dschungels? Die Postmodernen werden nach zwei verschiedenen Regelkatalogen handeln müssen, nach einem, der den Umgang miteinander regelt, und einem („die raueren Methoden einer früheren Zeit“), wenn es um die „Rüpel“ geht, die noch nicht den avancierten Zustand der Postmoderne erreicht haben. Das klingt vernünftig, aber ist es auch praktikabel?


Unterschiedliche Maßstäbe. „Liberaler Imperialismus“ ist ein unnötig provokanter Begriff, der auch nicht für eine realistische Politik steht, denn die Entsendung einiger tausend Menschen für begrenzte Zeit in ein fernes Land mit dem Befehl, nicht zu schießen, was auch immer geschieht, stellt keinen wirklichen Imperialismus dar. Es verwundert nicht, dass Coopers Thesen diejenigen irritiert haben, die bereit sind, bei Klerikalfaschismus, Diktaturen und sogar Völkermord ein Auge zuzudrücken, vorausgesetzt, dies tritt außerhalb Europas und der Vereinigten Staaten auf. Doch die wahre Schwäche dieser Politik liegt anderswo: Ein Verhalten nach zwei unterschiedlichen Katalogen von Regeln und Standardforderungen stellt nicht nur eine Diskriminierung dar, sondern erfordert auch eine Entschiedenheit, die heutzutage in Europa zu fehlen scheint.

Europa als machtvoller Mitwirkender wäre höchst willkommen, aber wie ist an diese Rolle zu kommen? Will Europa in seiner Apathie überhaupt eine solche Rolle? Nach Schopenhauer ist es leicht zu wollen, aber „wollen wollen“ ist nahezu unmöglich. Die Pharmakologen haben für Menschen etliche nützliche Stärkungsmittel und Medikamente gegen individuelle Depressionen entwickelt; vielleicht werden sie eines Tages eine Behandlung für die Depressionen von Nationen und Generationen und zur Erzeugung politischen Willens entdecken. Der Tag ist noch nicht gekommen – und Depression ist nur ein Teil des europäischen Leidens.

zum Autor

Walter Laqueur,
1921 in Breslau geboren, floh mit 17Jahren vor den Nazis nach Jerusalem, 1950 emigrierte er in die USA. 1964–1993 war er als Direktor der Wiener Library in London und im Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington tätig. Der Historiker gilt als Begründer der Terrorismusforschung und Experte für Fragen zum Nahostkonflikt, zur Sowjetunion und zu Europa. Der vorliegende Text ist ein Auszug aus seinem aktuellen Buch „Europa nach dem Fall“ (Herbig Verlag). Herbig

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2012)

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13 Kommentare

Schuld

ist die Verluderung der Moral, der Neolberlismus mit seinem "Ego" über ALLES, und der europaweite Verfall der Sozialdemokratie!

Ein schwacher Aufguss von Oswald Spenglers Hauptwerk!

Genau die gleiche Beurteilung der Zukunft Europas, aber viel besser begründet, hatte der deutsche Kulturphilosoph Oswald Spengler schon vor 100 Jahren!
Wenn Laqueur jetzt die Ideen, die Oswald Spengler in seinem Hauptwerk "Der Untergang des Abendlandes" dargelegt hat, in einem Buch mit dem fast identischen Titel "Die letzten Tage von Europa"einfach abkupfert ohne Spengler zu erwähnen, so ist das peinlich und ärgerlich!

Mindestens genau so peinlich und ärgerlich ist die fehlende Allgemeinbildung der "Presse"-Redaktion, die so etwas veröffentlicht, als ob es neu wäre!

Gast: Callisto
02.08.2012 21:38
1 0

Es wird Krieg geben in Europa.

Wann mag ich nicht einzuschätzern aber es wird ein Krieg zwischen Einheimischen und Zuwanderern sein.
Die Euro, EU und Wirtschaftsmisere der Südländer beschleunigt diesen Prozeß durch die Vernichtung des Geldes der einzelnen schon zu sehr belastenden Bürger und auch durch das Kürzen der Sozialtransfers an die Zuwanderer.
Sollte ich mich irren soll es mir sehr recht sein - aber daran glaube ich nicht.

Antworten Gast: Salatkopf
07.08.2012 16:18
1 0

Re: Es wird Krieg geben in Europa.

Ganz ihrer Meinung es gibt einfach zu viele Ausländer auf der Welt! ;)

Aber jetzt mal im Ernst Den Krieg kriegen wir dann wenn wir Europa in Nord und Süd teilen. Mauern waren noch nie eine Lösung. Außerdem ist es nicht alleine die Misere der "Süd"länder sondern auch die Unwilligkeit der "Nord"länder etwas ändern zu wollen. Wie die Drei Affen sitzen wir da und sehen hören und sagen nichts und bilden uns ein wenn wir noch mehr Geld ins Finanzsystem stecken (und da ist es völlig egal ob Griechisches, Italienisches, Spanisches oder Deutsches) werden alle Probleme verschwinden

Re: Re: Es wird Krieg geben in Europa.

es ist eben mit Sicherheit kein griechisches, italenisches oder spanisches Geld das den Bürgern abgepresst werden soll und genau deswegen wird diese künstliche europäische Union erfallen. Europa wird es überleben ...

Wenn es Europa gelingt sich des Brüsseler Molochs zu entledigen,

wird es hoffentlich in seiner Vielfalt wieder auferstehen.
Eine gemeinsame Wirtschaft (nicht zentralistisch geleitet) und ein gesunder Wettbewerb der Länder untereinander wird das ,was Europa schon immer ausmachte,nämlich Talent, Innovation und Kreativität wieder hervorbringen.
Europa hat die Menschen dazu, aber erst muss dieses räuberische,alles gleichmachende und erstickende EU-Gebilde verschwinden !!

Gast: Be-obachter
30.07.2012 18:52
3 1

was

soll sich wieder trennen.

Eine Zumutung ist der griechische Eigensinn, soviel an finanziellen Zuwendungen zu verlangen, bis der edle Spender selbst in den Bankrott getrieben ist.

Auf solcher Basis kann keine Gemeinsamkeit entstehen!

Europa und Schopenhauer

Auch wenn das Zitat "Man kann tun was man will, aber nicht wollen was man will" von Einstein stammt, der damit Schopenhauers Philosophie umschrieben hat - es passt tastächlich ganz gut auf den derzeitigen apathischen Zustand von Europa.

Die verschiedenen europäischen Nationalstaaten "wollen" ihre engstirnigen Ideologien nicht aufgeben. Das kann man aus intellektueller Sicht kritisieren, es ändert aber wenig daran, dass ein "Europa der Elite" ohne Unterstützung der Bevölkerung nicht funktionieren kann. Erzwingen kann man die Zustimmung nicht, sie muss sich selbstständig entwickeln. Die Politiker können ihre Völker nur bilden und aufklären, Europa "wollen" müssen diese aber selbst.

Das wollen wollen

ist die Wurzel des europäischen postmodernen Untergangs. Wollen Weltmacht sein und Moralapostel - wollen Wirtschaftsmacht sein und Klimaträumer - geht nicht.

2 1

ein Grundproblem - drei Möglichkeiten

Grundproblem: Partizipation in polit. Gemeinschaften braucht Exklusion. Die einzige Organisationsform, die das unter den Bedingungen der Massengesellschaft bewerkstelligen konnte war bis dato der Nationalstaat.

Wenn wir ein demokratisches Europa wollen, brauchen wir einen europäischen Nationalstaat. Dafür wiederum braucht es ein europäisches Narrativ mittels dem sich eine gemeinsame Identität herstellen lässt, die sich partiell aus der Vergangenheit speist, aber stark genug dafür ist, eine Zukunftsvision zu entwickeln. Diese muss aber exklusiv sein, wir müssen auch sagen, wer kein Europäer ist.

Zweite Möglichkeit ist, die aktuelle Entwicklung (einer unter vermeintlichem Zeitdruck erfolgenden Entdemokratisierung) setzt sich fort und es gibt ein universalist. Europa weitgehend ohne Partizipation. Es ist verblüffend, wenn man sich die aktuelle Union ansieht, weist sie erstaunlich viele Charakteristika eines Imperiums auf (Osterhammel 2011, S.616ff.)

Dritte Möglichkeit ist eine Rückführung der Europäischen Einigung auf vor Maastricht, ein Europa der Vaterländer. Das ist immer besser als nichts und könnte beim Grundanliegen, Kriege in Europa zu verhindern, durch regelmäßige Kommunikation und Interessensausgleich gute Dienste leisten, aber das wird zuerst einmal ökonomische Folgen (einbrechender Handel, "20er Jahre light") haben und globaler Player wird Europa so nicht mehr.

Ich neige zu Variante 1, aber dann bräuchten wir ziemlich schnell eine Art europäischen Andrew Jackson

Gast: EKO
29.07.2012 22:18
2 1

Mit Geduld und Nachdruck werden wir es schaffen

Sie schreiben: "... aber wer kann schon mit Überzeugung sagen, welches Stadium Europa nun erreicht hat und welches das nächste sein wird?"
Sie können das offenbar, denn ihre Kernaussage das Europa im Verschwinden begriffen ist deutet darauf hin. Sie sind ohne Zweifel eine hochgebildete, intelligente und an Lebenserfahrung reiche Persönlichkeit, und als Historiker können sie sicherlich besser als mancher anderer abschätzen, wie lange ein Wandel dieser Dimension benötigt. (wie lange hat es gedauert bis die USA als stabile und geeinte Demokratieenstanden war?)
Vielleicht werden sie es nicht mehr erleben, aber ich bin überzeugt, dass diese Umwandlung gelingen wird.
Wir stehen gerade am Anfang.

Sie verwechseln

die EU mit Europa.
Die EU ist in der Tat im Niedergang, und es ist auch nicht schade drum: Selbsternannte Eliten bereichern sich und enteignen Bürger für eine dumme politische Idee.
Europa wird auch das überstehen, da mach ich mir keine Sorgen.

Gast: Kuya
29.07.2012 00:04
6 9

wieder ein Miesmacher ohne Vision

. . . mit den Kriegen hat Europa seine Hegemonie verspielt, was dem Kapitalismus im sozialen Europa Tür und Tor öffnete und daran scheitert Europa und scheitert der Euro.
Politisch reicht die NATO.
Was den vielen kleinen, souveränen Kulturländern fehlt, ist ein gemeinsamer Markt, der am globalen Markt gleiche soziale Voraussetzungen bedingt.

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