Integration erleichtern

10.11.2012 | 18:26 |   (Die Presse)

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

»Der Staat als Pädagoge« – Leitartikel von Ulrike Weiser, 4.11.

Es muss darum gehen, Integration zu erleichtern, denn unsere Gesellschaft vergreist und die Industrie braucht Fachkräfte. Doch hier ergibt sich schon ein Problem: Die Menschen, die vor Hunger, Krieg und Unterdrückung zu uns fliehen, sind meist nicht die Wunschausländer. Ich plädiere für ein liberales Asylrecht aus humanitären Gründen. Zugleich ist es sinnvoll, gezielt Leute anzuwerben. Ob sie dann die Staatsbürgerschaft wollen bzw. bekommen sollten, ist eine andere Sache. Oft würde ein befristeter Aufenthalt genügen. Wir dürfen den Staaten der Dritten Welt ja nicht ihre Elite nehmen. Mit ein paar Jahren Berufserfahrung in Europa können die Betreffenden dann ihrer alten Heimat von Nutzen sein. Wer sich aber um Integration bemüht, sollte bei der Verleihung der Staatsbürgerschaft bevorzugt werden.
Christian Fuchs, 91468 Gutenstetten

„Die Große Chance: Die Show der Entschuldigung“ – von Thomas Kramar, 4.11.

„Bauernopfer“ Heinzl

Es drängt sich schon ein wenig der Verdacht auf, dass diese Sido-versus-Heinzl-Causa durch und durch inszeniert ist. Und zwar von Anfang an. Ein dramaturgischer Höhepunkt quasi. Den „Bösen“ hat man Sido ja noch abgenommen, schlussendlich mögen wir „den Deutschen als Böses“ ja auch sehr gern hier in Österreich, das verleiht uns Gemeinschaftsgefühl. Die Rolle des Geläuterten liegt Sido nicht so gut – das Schauspielern muss er noch üben...

Seine Fangemeinschaft ist sicher nicht geschrumpft dadurch. Und der ORF kann sich ins Fäustchen lächeln – ob das Seherplus von zehn Prozent auch ohne diese Zwischen-Action möglich gewesen wäre, kann man bezweifeln. Fragt sich nur, wie das „Bauernopfer“ Heinzl aus dieser Win-win-Aktion aussteigen wird. Nicht, dass ich Mitleid hätte mit ihm. Aber bekommt er wieder Asyl bei den Privaten?
Mag. Karin Schmaranzer, 1070 Wien

„Diese Deutschen“ –von Dietmar Krug, 4.11.

Bierbichlers „Mittelreich“

Als Österreicher, welcher viele Jahre in Ihrer ursprünglichen Heimat lebte, lese ich Ihre Kolumne meist mit großem Vergnügen. Wenn Sie allerdings den „Bullen von Tölz“ mit „Braunschlag“ vergleichen, möchte ich Ihnen (obwohl ich beide Sendungen nicht kenne) aufgrund Ihrer Beschreibung doch empfehlen, „Braunschlag“ mit „Mittelreich“ von Bierbichler zu vergleichen.

Was dieser Autor an Absonderlichkeiten und Perversion in ein kleines bayerisches Dorf hineinfantasierte, das machte jedem Problembezirk einer Metropole Ehre. Wie da in Bauernstuben über Politik, Sexualität und Wirtschaft diskutiert wird, da kommt keine intellektuelle Gesprächsrunde aus dem TV mit. Zwar ist Bierbichler genauso unglaubhaft, wie Sie den Autor von „Braunschlag“ schildern, aber es gibt eben so etwas auch in Bayern – und Sie brauchen hier nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen...
Rainer Ruby, 8524 Bad Gams

Interview mit Eva Glawischnig,
von Ulrike Weiser, 4.11.

Weiblicher Chauvinismus

Eva Glawischnig meint sinngemäß, dass Frauen die besseren Politiker sind, weil ihnen angeblich das Korruptionsgen fehlt. Man(n) stelle sich das einmal umgekehrt vor, und ein männlicher Politiker würde so über weibliche Politik urteilen. Den feministischen Empörungsfuror kann man sich vorstellen. Mich wundert nicht, dass die Grünen zu einem überwiegenden Teil von Frauen gewählt werden. Diesen weiblichen Chauvinismus finden viele Männer einfach nur abstoßend.
Armin Pillhofer, 1140 Wien

»Hungern für die Chefideologen« –
SuperMarkt von Franz Schellhorn, 4.11.

Das Problem: Afrikas Eliten

Herzlichen Dank für den herzhaften Kommentar. Leider werden Sie sich damit nicht viele Freunde machen. Nach 17 Jahren in Afrika bin auch ich davon überzeugt, dass die Menschen verantwortlich sind. In Regionen, in denen es viel Korruption gibt, versickern die Mittel ohne positiven Effekt.

Das große Entwicklungsproblem liegt in der Gesellschaftsstruktur mit sogenannten Eliten, die sich nicht um die normalen Bürger kümmern. Afrikas Eliten nehmen den Hunger nur in wenigen Ländern ernst. Leider geben Länder wie z.B. Kenia, Äthiopien, Südsudan weit mehr Geld für Waffen aus als für die Ernährungssicherung der eigenen Bevölkerung. Die Investitionen in die ländliche Entwicklung, mit Bildung und Fortbildung, Trinkwasser, Landwirtschaft, Gesundheit und Familienplanung müssen deutlich steigen.

Alle Warnsignale wie Hungerrevolten 2008 und 2012 in West-, Ost- und Zentralafrika ignorieren die Regierungen. Trotz steigender Ernährungsunsicherheit und sinkender landwirtschaftlicher Produktion gehen mit Ausnahme von Äthiopien, Ruanda, Madagaskar, Malawi und Senegal nur fünf Prozent des Staatsbudgets in die Landwirtschaft. In den vier genannten Ländern sind es zehn, in Äthiopien 15 Prozent.

Das ist so, weil die Landwirtschaft im Gegensatz zu Öl, Diamanten oder Gold nicht durch eine kleine Elite zu beherrschen ist. Dort, wo Menschen hungern, rufen die Regierungen nach Hilfe aus Europa oder Amerika, anstatt selbst Verantwortung zu übernehmen.
Volker Seitz, Botschafter a. D. und
Autor „Afrika wird armregiert“, Bonn

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Top-News

AnmeldenAnmelden