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Die Vereinigten Staaten gehören nach rechts

17.11.2012 | 18:09 |  von Leon de Winter (Die Presse)

Obama hat die USA auf einen heillosen Weg geführt, unter ihm werden sie eine uneinige Nation bleiben und ihre traditionellen Qualitäten riskieren. Gegenrede zur europäischen Obama-Begeisterung von einem, der vor den Präsidentschaftswahlen durch ein zutiefst gespaltenes Land reiste.

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Als ich im Februar mein Amerika-Projekt in Angriff nahm und der „Welt“ erklärte, was mich denn dazu bewegte (Leon de Winter reiste im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen durch die USA und berichtete in loser Folge in der „Welt“ über den Zustand des Landes), führte ich vor allem mein Bedürfnis an, der tiefen Uneinigkeit des amerikanischen Volkes auf den Grund zu gehen.

Ich machte mich mit Pessimismus an meine Gespräche. Auf der Reise durch die USA fällt auf, wie stark weite Bereiche der ländlichen Regionen dem Verfall preisgegeben sind.


Der tote Süden der USA wird wieder spanisch.
Ich besuchte einen Ort in Texas, wo die Hälfte der Geschäfte in der Main Street zugenagelt war und Efeu leere Fabrikshallen überwucherte. Die Atmosphäre hatte etwas von einer Geisterstadt, es roch nach Untergang. Ich sah kaum Menschen auf der Straße, und die wenigen, die ich sah, waren alt und ärmlich gekleidet.

Das Hotel, in dem ich abstieg, ließ noch etwas von einstigem Glanz erahnen, doch alles war abgenutzt, verschlissen, tot. Meine Familie und ich waren die einzigen Gäste, und wir verfluchten den Moment, da wir beschlossen hatten, in diesem Ort zu übernachten.

Andererseits sind da texanische Städte wie Austin und San Antonio, die vor Selbstbewusstsein strotzen. Überall konnte ich Anzeichen für die großen Veränderungen registrieren, die sich gegenwärtig vollziehen: Kleine Werk- und Produktionsstätten verschwinden, und immer mehr Menschen aus Mittel- und Südamerika kommen ins Land.

Im Laufe weniger Jahrzehnte wird sich der Süden der USA wieder zu einer indianisch-hispanischen Kultur hinentwickelt haben.


Obamas wahres Gesicht ist extrem links. Aber damit ist nicht alles erklärt, was sich derzeit in den Vereinigten Staaten abspielt. Das große Land hat nicht nur mehrere starke ethnische Identitäten – die protestantische angelsächsische Basis verliert an Kraft –, es hat im Grunde zwei Seelen.

Über die Ursachen dafür waren die Menschen, mit denen ich sprach, unterschiedlicher Meinung, aber alle sahen voller Ungeduld den Präsidentschaftswahlen entgegen. Und je näher der Wahltag rückte, desto mehr ließ ich mich vom Enthusiasmus der Romney-Kampagne anstecken.

Barack Obama hat Amerika meiner Ansicht nach auf einen heillosen Weg geführt. Ein Wirtschaftswachstum, das groß genug wäre, um die hohe Arbeitslosigkeit zu reduzieren, ist bisher ausgeblieben. In Nordafrika und im Nahen Osten zeichnen sich gerade dieser Tage chaotische Zustände ab. Billionen Dollar werden für Hilfsprogramme ausgegeben – die in erster Linie den Wählerkreisen Obamas zugutekommen.

Ich bin davon überzeugt, dass Barack Obama seine Politik nun, nach dem Wahlsieg, scharf links ausrichten und Amerika seine traditionellen Qualitäten nehmen will, weil er diese Qualitäten verwirft. Dass er diese Politik bisher nicht umsetzen konnte, liegt an den Institutionen, die die „founding fathers“ geschaffen haben. Sie begrenzen Obamas Macht. Doch er wird in den kommenden vier Jahren sein wahres Gesicht zeigen. Das einer extrem linken Politik.


Romneys Verteidigung gegen eine Hasskampagne. Obamas Kampagne hat sich mit allen Mitteln gegen Romney gerichtet und ihn auseinandergenommen. Romney sei ein Frauenhasser und ein weltfremder Reicher – Abermillionen Dollar wurden dafür ausgegeben, dem amerikanischen Volk diese Botschaft einzutrichtern. Es scheint eine wirksame Strategie gewesen zu sein.

Romney ist zwar weder ein Frauenhasser noch ein weltfremder Reicher, aber wenn man diese Behauptungen lange genug wiederholt, finden sich immer Menschen, die sie zu glauben beginnen.

Dass ein Wahlkampfteam einen politischen Kontrahenten ohne konkreten Anlass, ohne die geringste Rechtfertigung mit solchen Etiketten versehen kann, ist bestürzend. Aber das Obama-Team hat es getan, und Romney war permanent dazu genötigt, diesen Anschuldigungen zu widersprechen.

Im ersten Fernsehduell konnte er dem Volk zwar aus eigener Kraft beweisen, dass er ein moderner, liberaler Politiker ist, doch im Nachhinein muss man konzedieren, dass wohl einiges von dem, was die demokratische Hasskampagne bereits sechs Monate vor den Wahlen über ihn in die Welt zu setzen begann, an Romney hängen geblieben ist.

Frauen und junge Wähler, denen von der demokratischen Kampagne weisgemacht wurde, dass der religiöse Eiferer Romney die Abtreibung und die Empfängnisverhütung verbieten wolle, haben mehrheitlich für Obama gestimmt.

Ein großer Teil der amerikanischen Wählerschaft lässt sich also mit groben, primitiven Mitteln effektiv manipulieren. Makel zu erfinden, die man dem politischen Gegner bedenkenlos andichtet, ist für die amerikanische Linke offenbar ein legitimes Mittel, um die Macht im Staate zu erringen und zu behalten.


Die Freiheit des Einzelnen ist Geschichte. Das heutige Amerika besteht aus zwei Völkern, die Religion und Säkularismus trennen, kulturelle Ausdrucksformen, Geografie, Kleidung, Essgewohnheiten, Urlaubsziele – ja buchstäblich alles. Die Union wird durch die Verfassung zusammengehalten, und über die Reinerhaltung der Verfassung wacht der Oberste Gerichtshof. Dort werden in den kommenden Jahren einige Sitze frei, weil ein paar Richter in den Ruhestand gehen.

Obama erhält nun also die Chance, weitere aktivistische Richter für den Supreme Court zu ernennen, und damit sägt er an dem, was das zersplitterte Amerika noch verbindet.

Die Unterschiede zwischen den Bundesstaaten und den diversen Bevölkerungsgruppen sind inzwischen so groß – nachdem die Situation zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts schon nicht optimal war –, dass ernstliche Konflikte zu befürchten sind. Ein Heilmittel dafür wäre eine große Staatsmacht nach westeuropäischem Model, die die fünfzig semiautonomen Bundesstaaten in einen Versorgungsstaat einbettet.

Das würde die einzigartigen Konzepte von Freiheit und Verantwortung des Einzelnen bei einem Minimum an staatlicher Einflussnahme, wie sie in der Declaration of Independence und der Constitution verankert sind, aushöhlen.

Es drohte dann die Entstehung von so etwas Ähnlichem wie der Europäischen Union – ein in seiner Bewegungsfreiheit behinderter Kontinent, der mittels hoher Steuern gigantische Sozialprogramme durchführt, denen ihr eigener Erfolg zum Verhängnis wird.


Amerika gehört nach rechts.
Amerika wird unter Obama in den nächsten vier Jahren eine uneinige Nation bleiben. Obama hat die Chance erhalten, das Land nach links zu schieben, und da gehört Amerika nicht hin. Die amerikanische Regierung sollte sich auf ihre traditionellen Aufgaben besinnen, die einzelnen Bundesstaaten sollten ihre Eigenheiten behalten. Das aber entspricht nicht den Wünschen Obamas und offenbar auch nicht denen vieler Bürger.

Ist dies also das Ende Amerikas, wie wir es kennen? Ich werde in den kommenden Monaten nicht aufhören, dem nachzugehen. Schließlich hängt das Schicksal der freien Welt von den außergewöhnlichen Qualitäten dieser amerikanischen Union ab.

Der Text erschien erstmals am 13. November in der deutschen „Welt“.

Leon de Winter ist ebenso durch seine Romane („Leo Kaplan“; „Das Recht auf Rückkehr“ und Erzählungen wie durch Drehbücher, aber auch durch Essays und Interviews bekannt geworden. Der in den Niederlanden geborene De Winter lebt in Amsterdam und Los Angeles. Für sein literarisches Werk wurde der 58-Jährige mit zahlreichen Preisen geehrt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)

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11 Kommentare
4 5

Erfrischender Kontrast zur europäischen Obama-Manie

Freilich: de Winter macht sich mit seiner meines Erachtens sehr treffenden Einschätzung in Europa nicht beliebt, denn: ein Anhänger der Republikaner zu sein ist hierzulande ungefähr so populär wie für den Bau von Atomkraftwerken oder die Gewinnung von Schiefergas einzutreten.

fox news

der liebe herr de winter hat den kommentar 1:1 von fox news abgekupfert. gehört sich das für einen schriftsteller?

schon eine sehr peinliche seite für die presse. man muss nicht justament einen kontrapunkt setzen, wenn man nichts zu sagen hat. es gibt sicher viel bessere argumente gegen obama.

8 3

Herr de Winter ist ja ein ganz Lustiger

Statt den Fehler beim Gewinner zu suchen :-) sollten sich Romney & DeWinter bei den eigenen Reihen, der Tea Party, bedanken. So einfach ist das.

5 3

Schriftsteller, bleib bei deiner Belletristik

Vorab: Ich denke durchaus auch, dass die GOP in Europa teilweise viel zu negativ gesehen wird. Gerade ihrer traditionellen Skepsis gegenüber dem Staat kann ich viel abgewinnen. Außerdem denke ich, dass die Geschwindigkeit, mit der z.B. ein Paul Ryan in das rechte Eck abgeschoben wurde, diesem und seinen Positionen überhaupt nicht gerecht wird.

Aber das ist - bei aller Liebe - ein ausgesprochen wirrer Artikel, in dem auf stringente Argumentation (kausale Zusammenhänge aufgrund belegbarer Fakten) weitestgehend verzichtet wird.

Nur drei Beispiele:

Der ländliche Strukturwandel ist im Prinzip ein globales Phänomen und nun wirklich nicht Obamas Schuld.

Wer die Manipulation der Demokraten anprangert, hat offenbar noch nie Fox-News geschaut.

Was jetzt? Die Eigenheiten des Südens bewahren (zu der auch die hispanische Tradition zählt) oder sich vor den Hispanics fürchten?

So bleibt leider nur das diffuse Unbehagen eines offenbar recht egozentrischen Autors.

" Makel zu erfinden, die man dem politischen Gegner bedenkenlos andichtet, ist für die amerikanische Linke offenbar ein legitimes Mittel, um die Macht im Staate zu erringen und zu behalten."


was für makel hat man bei romney erfunden? er ist ganz klar für das verbot der abtreibung. er hat sich selber als "severly conservative" bezeichnet und einwanderern zur "self-deportation" geraten. er wollte steuern für die top1% senken und dafür sozialprogramme zusammenstreichen - zumindest hat er das bei den vorwahlen behauptet.

im übrigen: die republikaner haben in den wahlkämpfen der letzten 40 jahre nichts unversucht gelassen um ihre gegner zu dämonisieren. jetzt so zu tun als wäre dirty campaigning eine erfindung der dems ist echt haarsträuben und zeigt, dass der autor keine ahnung von der us-politik hat.

wohin amerika "gehört" entscheidet immer noch das amerikanische volk...



...und das volk hat klar und deutlich gespochen und sich für obama entschieden.

warum die usa "nach rechts" gehören und obama "extrem links" sein soll geht aus dem obigen nicht hervor. aber die vorurteile und biologistischen vorstellungen des autors sprechen eh für sich und machen klar wessen geistes kind der herr ist.

ps: verstößt der obige kommentar nicht gegen die forenregeln von diepresse online?

"ohne konkreten Anlass, ohne die geringste Rechtfertigung mit solchen Etiketten versehen kann"


herr de w. lebt offenbar in einem rechten parallel-universum. hat rom. sich über die 47% beklagt, die ihn angeblich sowieso nicht wählen würden weil sie keine einkommenststeuer zahlen und er sich daher um sie nicht weiter zu scheren braucht? was ist das, wenn nicht ein "weltfremder reicher", der die hälfte der einwohner des landes offen verachtet und ihnen politische urteilskraft abspricht, nur weil sie arm sind?


Zerrbild

Dieser Kommentar lässt nur zwei Schlussfolgerungen zu: entweder der Autor versucht krampfhaft einen Preis für Polit. Naivität zu ergattern, oder er versucht eine ewig gestrige Suppe wieder zu erwärmen.

PS/ Irgendwie erinnern mich diese Zeilen an Geert Wilders ...

Es ist bemerkenswert, wie sich ein europaischer Faschist frei aussert!

Er möchte ein nationlistisches Amerika haben. Er möchte, dass Amerika immer in weisser Hand bleibt und er möchte, dass die farbigen in Amerika nie regieren dürfen!
Eişn Hollaender steht zu Amerika. Warum versucht er nicht Holland von seinen maechtigen Nachbarn zu befreien? Wenn der Kampf in Holland verloren ist, sollten zumindest die Weissen ihn in Amerika gewinnen denkt der Autor....

1 7

nach zwei perioden bush

ist der religioese europaeische obama-eifer ja verstaendlich. wahr ist aber dass obama von seiner karriere her ein erfahrener profi-propagandist und manipulierer ist ('community organizer'), vor dessen machtpolitischer intelligenz man sich noch viel mehr fuerchten muss als vor groben und gradlinigen kloetzen wie g.w.bush. obama wird unterstuetzt durch eine kulturmarxistische pseudoelite, welche auf dem ruecken des steuerzahlers eine immer groesser wucherndere staatsmaschine mit zwaengsprogrammen zur gesellschaftsumgestaltung foerdert, was dem europaeischen untertan bekannt vorkommt und daher bejubelt wird.

Wow. De Winter tut so, als wäre ein persönlicher

Wahlkampf in den USA bisher immer ohne persönliche Untergriffe ausgekommen.
Wer kommt denn dauernd mit der Frage nach Obamas Religion oder Nationalität?
Etwa auch "die Linke" - was im Übrigen so "links" an Obama sei, das erzählt er uns nicht.
Wie alt die drastische Spaltung von links und rechts ist, dass sie nämlich in dieser aggressiven Form unter Bush junior begonnen hat, erzählt er uns auch nicht.
Ebenso wenig erklärt er uns, was denn an einer hispanisch-indianischen Bevölkerung prinzipiell so schlimm wäre.
Und die Krise, deretwegen so viel still steht, oder schließt - ist die nicht ebenfalls älter als Obamas 1. Amtsantritt?
Sicher, er hat nicht alles alles umdrehen können - aber ihn für alles verantwortlich zu machen ist schon ein wenig stark.
Im Übrigen waren es Aussagen von Romney selbst, die ihn als "abgehobenen Reichen" darstellen.

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