06.09.2010 10:49 | Meine Presse Merkliste0

Sehr geehrte Frau Jelinek!

22.05.2010 | 18:05 |  von Dominik und Ladislaus E. Batthyány (Die Presse)

Warum lässt Elfriede Jelinek in ihrem bei den Festwochen aufgeführten Stück »Rechnitz (Der Würgeengel)« Realität, Wahrheit und Dichtung verschwimmen? Ein gefährliches Spiel.

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In Ihrem Stück „Rechnitz (Der Würgeengel)“, das dieser Tage im Rahmen der Wiener Festwochen aufgeführt wird, nehmen Sie direkt Bezug auf ein geschichtliches Ereignis: die Ermordung von 180 jüdischen Zwangsarbeitern in Rechnitz im März 1945. Für viele Menschen ist Ihr Stück ein wichtiges literarisches Beispiel der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und mit dem Holocaust.

Tatsächlich scheint die Frau unseres Großonkels, Margit Batthyány, geb. Thyssen-Bornemisza, zwei Hauptverdächtige dieser Tat, den SS-Hauptscharführer und Gestapobeamten Franz Podezin und ihren damaligen Geliebten, den Gutsverwalter Hans Joachim Oldenburg, nach dem Krieg bewusst gedeckt zu haben.

Es geht uns in diesem Brief nicht darum, die Frau unseres Großonkels zu verteidigen. Dies wollen und können wir nicht tun. Wir fühlen uns jedoch als entfernte Verwandte – durch ihre Verstrickung in die Geschehnisse – besonders aufgefordert hinzusehen und womöglich das eine oder andere ins richtige Licht zu rücken.

Seit unserem Erfahren der Geschehnisse in den letzten Jahren sind wir zutiefst betroffen – so sehr dieses Wort selbst bereits abgenutzt und heute oft zu leicht dahergesagt wird. Und wir fragen uns: Wie konnte es dazu kommen? Was ist damals wirklich geschehen? Wie ist mit den ungeklärten Fragen zu Täter und Tathergang umzugehen? Und: Was wusste Margit Batthyány tatsächlich? Hätte sie, wenn sie wollte, die Ermordung verhindern können? Und noch viele andere Fragen stellen sich uns. Auf sie wissen wir keine Antworten. Dieses Massaker aber legt uns eine Wunde offen. Sie zeigt auf die tausenden Opfer des Südostwallbaus, auf die Todesmärsche von Ungarn nach Mauthausen. Wir hoffen, dass das Gedenken an diese Opfer immer mehr gepflegt wird und das Grab der Ermordeten von Rechnitz, das bis heute unentdeckt geblieben ist, eines Tages gefunden wird.


Fest steht, dass in der Nacht vom 24. auf 25. März 1945 mehr als 180 jüdisch-ungarische Zwangsarbeiter in Rechnitz umgebracht wurden. Auch feierten an jenem Abend in einem Wirtschaftsgebäude des von der SS requirierten Schlosses unserer Großtante Gestapo-Führer und einheimische Getreue des Nazi-Regimes ein „Gefolgschaftsfest“.

Der Historiker Walter Manoschek fasste im Vortrag „Rechnitz, März 1945– Taten und Täter“ (23.4.2009) im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des Elfriede-Jelinek-Forschungszentrums, bei dem wir selbst anwesend waren, die geschichtlichen Hintergründe folgendermaßen zusammen: „Am (...) 24.März wurden 600 ungarische Juden per Bahn von Köszeg ins burgenländische Burg transportiert. (...) Im Bahnhof Burg wurden etwa 200 der Deportierten ausgesondert und per Bahn nach Rechnitz umgeleitet. Sie waren zu schwach oder zu krank, um zu arbeiten oder den Marsch nach Mauthausen anzutreten. (...) Mit Sicherheit steht fest, dass der Bahnhofsvorstand von Rechnitz am frühen Nachmittag des 24.März 1945 von der Kreisleitung Oberwart den Auftrag erhielt, eine Zugsgarnitur nach Burg zu schicken, um etwa 200 arbeitsunfähige Juden nach Rechnitz zu transportieren. (...) Ob zu diesem Zeitpunkt bereits deren Ermordung geplant war, bleibt hingegen ungewiss.

Am frühen Abend begann das Gefolgschaftsfest im Schloss Batthyány. Es fand nicht im großen Festsaal des Schlosses, sondern in einem Raum der Gutsverwaltung im Erdgeschoß statt, in dem auch die Kanzlei des Stellungsbaus untergebracht war. Als Festgäste fand sich die lokale NS-Elite ein. Organisiert wurde das Fest vom Unterabschnittsleiter Josef Muralter. (...) Was von Beginn des Festes am Abend des 24. März bis zur Ermordung der Juden in den frühen Stunden des 25. März im Einzelnen vor sich gegangen ist, konnte das Gericht nicht zweifelsfrei klären. (...)

Faktum ist, dass Franz Podezin im Laufe des Abends einen Anruf erhalten hat. Daraufhin beauftragte er Hildegard Stadler, die als Kanzleikraft bei der Abschnittsleitung tätig war, etwa zehn bis 13 Festteilnehmer in ein Magazin zu führen, wo ihnen Podezin eröffnete, dass die am Bahnhof befindlichen Juden von ihnen erschossen werden würden. Podezin verteilte Munition, und die Männer verließen das Schloss in bereitstehenden Pkw. Welche Personen mit Podezin und Stadler im Magazin anwesend waren, ist nicht geklärt. (...)

Eine undurchsichtige Rolle spielte der Gutsverwalter Hans Joachim Oldenburg. Er war nach Zeugenaussagen am Nachmittag des 24. März mit Podezin am Bahnhof, um die Juden in Empfang zu nehmen. Ebenso dürfte er beim Gefolgschaftsfest anwesend und nach (widerrufenen) Zeugenaussagen auch bei der nächtlichen Erschießung dabei gewesen sein. (...) Die Verstrickung von Oldenburg lässt allerdings nicht automatisch darauf schließen, dass das Grafenpaar Batthyány in einem direkten Zusammenhang zu den Mordaktionen stand.“ – So weit, vereinfacht und verkürzt, die Wiedergabe einiger Fakten zur Mordnacht.


Wie wurde und wird heutemit diesem Wissen und Nichtwissen tatsächlich umgegangen? Wie wird darüber geschrieben?

Neben vielen seriösen, sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzenden Berichten finden sich auch Schlagzeilen wie: „180 Tote als Partyeinlage“, „Das Mordfest auf Schloss Batthyány“, „Gräfin bläst zur Menschenjagd“ oder „Thyssen-Gräfin ließ auf Nazi-Party 200 Juden erschießen“. „Es war unbestritten ein Massenmord“, sagt Winfried Garscha vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, „aber nicht aus einer Partylaune heraus. Überall wurden damals Marschunfähige umgebracht“ („Der Spiegel“, 22.10.2007).

Wir nehmen wahr, dass hier der eine oder andere Bericht – oftmals an den Fakten vorbei – zu einem Boulevardjournalismus geführt hat, der Gefahr läuft, das Verbrechen selbst zu missbrauchen. Und tatsächlich trägt der Fokus auf „Schloss“, „Fest“, „Gräfin“ zum Sensationswert dieses Geschehens bei. „Die Toten, denen so Furchtbares angetan wurde“, schreibt etwa Silvia Stammen in der „Zeit“ vom 6.12.2008, „sind auch jetzt wieder nur namenlose Objekte einer Berichterstattung, deren Newswert erheblich steigt angesichts der möglichen Beteiligung einer schießlüsternen Gräfin an den Verbrechen.“ Erfassen solche Schlagzeilen, erfasst ein solcher Blick auf das Geschehen, fragen wir, das Wesentliche? Ist eine gewissenhafte Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit dem Geschehenen und mit der Geschichte– die auch der Opfer würdig ist – so möglich?


Warum schreiben wir Ihnen dies, Frau Jelinek?

Wir schreiben Ihnen, da Ihr Stück „Rechnitz (Der Würgeengel)“ sich, in unserer Wahrnehmung, ebenso dieser Inszenierung und eines gewissen Sensationalismus bedient. Und wir wissen, dass jedes Wort von Ihnen als Nobelpreisträgerin sehr ernst genommen wird. In Ihrem Stück ist beispielsweise zu lesen: „Erst als sich die Frau Gräfin selber auch ein Gewehr nahm“, „Diese Männer werden zur Abwechslung einmal anders vernichtet. Die Frau Gräfin richtet das Richtige ordentlich an“, „die Frau Gräfin teilt ja schon die Waffen aus“, „Die Frau Gräfin trat mit ihrer Flinte vor ihn hin“, „Auch dass die Frau Gräfin sich die Haare der von ihr Erschossenen in ein Kissen hat stopfen lassen, ist ein Gerücht“, „die Frau Gräfin Margit, (...) den Fuß stemmt sie in seine Rippen, das darf sie, schließlich hat sie ihn ja auch geschossen, sie reißt ihm die Schulter aus dem Arm (...). Nicht durch Leibeskraft hat sie den Mann da erledigt, (...) sondern durch Feuerkraft (...)“ etc. Auf dem Umschlag der Veröffentlichung des Stückes „Rechnitz (Der Würgeengel)“ ist zu lesen: „In ,Rechnitz (Der Würgeengel)‘ feiert kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs eine elegante Gesellschaft ein Fest, in dessen Verlauf, aus einer Laune heraus, fast 200 jüdische Zwangsarbeiter erschossen werden – ein Verbrechen, das bis heute nicht aufgeklärt wurde.“– Kann ein solches Verbrechen, fragen wir, nur wahrgenommen werden, wenn es – verfälscht – als „Partylaune“ auf einem Schloss und mit einer Gräfin als Massenmörderin inszeniert wird? Wird nicht dadurch ein Mythos geschaffen, der das tatsächlich Geschehene, die Opfer und die Täter und die Ohnmacht, dass wir weniger wissen, als uns lieb ist, unter sich begräbt? „Was Jelinek bei aller – bewusst enervierenden – Geschwätzigkeit, Redundanz, Wortwitz- und Leerlaufrhetorik virtuos vorführt“, schrieb Christine Dössel in der „Süddeutschen Zeitung“ über „Rechnitz (Der Würgeengel)“ (30.11.2008), „sind die Abgründe unseres Sprechens, ist das beredte Verschweigen, das Darüberhinwegreden, die Kunstfertigkeit, sich die Wahrheit diskutierend und scheinbar reflektierend vom Leib zu halten.“

Warum haben wir das Gefühl, dass Ihr Stück genau das tut: dem Leser oder Zuschauer die Wahrheit vom Leib zu halten? Es macht uns nachdenklich, dass die Art und Weise, wie Sie hier ein geschichtliches Ereignis verarbeiten, Menschen, die sich ernsthaft mit diesem Massenmord auseinandersetzen möchten, womöglich auf eine falsche Fährte führen kann. Im Blick bleiben: ein Schloss, ein Fest, ein Massaker und eine „Gräfin“, die selbst beim Morden Hand anlegt.

Das Eintreten gegen Rassismus und für Menschenwürde hat doch auch zu tun mit dem Kampf gegen Mittel der Vereinfachungen, der Vorurteile und der Klischeebilder. Sollten wir nicht bei der Aufarbeitung der Geschichte ebensolche Mittel vermeiden? Das Verschwimmen von tatsächlichem Realitätsbezug, von Wahrheit und Dichtung ist ein gefährliches Spiel, das womöglich verführerisch eher zu mehr Nebel als zu mehr Klarheit führt. Ihr Stück macht gewiss auf etwas aufmerksam, es lenkt den Blick auf etwas Reales, Schreckliches. Das Wichtige aber– und die Fakten – verschwimmen vor den Augen. Das aber ist traurig und gefährlich. Bitte helfen Sie mit, nicht nur Aufmerksamkeit zu bewirken, sondern auch Klarheit.

Mit freundlichen Grüßen

Dominik Batthyány

Ladislaus E. Batthyány

Dominik Batthyáni (geboren 1971) und Ladislaus E. Batthyáni (geboren 1970) leben und arbeiten in Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2010)

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31 Kommentare
1 2
Gast: Opfer
27.05.2010 22:25
1 0

Was kümmern mich 200 Tote vor 60 Jahren?

Mir wurden heute Handy und Geldbörse gestohlen worden - wahrscheinlich von den üblichen Verdächtigen also Kulturbereicherern!
Das regt mich auf und nicht irgendwelche uralten Geschichten wo Indianer von den Cowboys getötet wurden.

Antworten Gast: klatscher
09.06.2010 07:21
0 0

Re: Was kümmern mich 200 Tote vor 60 Jahren?

bin auf Ihrer Seite! Dieses abgelutschte
Thema ist vollkommen uninteressant.

Re: Was kümmern mich 200 Tote vor 60 Jahren?

Was kümmert es Sie? Das kommt ganz drauf an. Was sind Sie denn selbst? Ein Cowboy oder ein Indianer?

Re: Re: Was kümmern mich 200 Tote vor 60 Jahren?

Und wie sieht es mit dem Sheriff aus, in dem Land, in dem Sie leben? Erlaubt er es den Cowboys, die Indianer zu töten und unbescholten zu bleiben?

Re: Re: Re: Was kümmern mich 200 Tote vor 60 Jahren?

So wird das nchts. Bitte räumen Sie Ihren Platz, 'opfer', damit ich das mit 'überhöhung' ausdiskutieren kann.

An: überhöhung

Ja, ich verbessere die Welt. "Spass" macht es mir unterm Strich nicht gerade, es ist es aber dennoch Wert.

Sie haben es für nötig empfunden, mir nicht weniger als 3 mal zu sagen, dass Ihr Punkt steht und mein Punkt fällt. In Wahrheit sieht es so aus: Sie glauben, dass Sie recht haben. Ich glaube dass ich recht habe.

Das heisst, das Einzige worüber wir uns einig sein können, ist, dass wir uns uneinig sind. Das ist es was steht, und sonst gar nicht. Oder kräht der Hahn jetzt noch ein viertes Mal?

Mein Diskussionsstil ist sicher kein Problem, sonst hätten Sie nicht so viel Zeit mit mir verbracht. Sie haben kein Problem mit meinem Stil, sie haben ein Problem mit dem, was ich sage. Das ist Ihr gutes Recht.

Die Herren 'stanislaus weber', 'spontaner kommentar' und 'opfer' diskutieren ja gar nicht. Sie schreiben die unglaublichsten Dinge in ihren Kommentaren und verweigern sich danach vollkommen.

Das ist überhaupt kein Stil.


Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Überhöhung
01.06.2010 01:22
0 0

Re: An: überhöhung

Also, ich denke unsere kleine Meinungsverschiedenheit geht über eine Tatsachenfrage und keine Deutung oder Meinung. Aber dabei ging es um eine Kleinigkeit (denke ich).

Was aber Ihren "Kampf" mit den einigen Diskutierenden hier betrifft, kann ich Ihnen nur Recht geben und Sie haben meine volle Sympathie. Daher nehme ich das mit dem "Stil" auch gern zurück. Ich hatte die Diskussion hier nicht genau verfolgt. Sorry.
Was ich allerdings überhaupt nicht verstehe: wie kommt eigentlich ein so unglaublich unsinniger Kommentar wie der von Opfer durch das Auswahlverfahren?
Schon die Überschrift ist übelster Hohn. Da ich hier nicht angemeldet bin, kann ich das nicht melden. Aber eine Meldung wäre es schon wert - und anschliessend eine Löschung.

Arethas
24.05.2010 23:51
1 1

Ernst nehmen?

"Und wir wissen, dass jedes Wort von Ihnen als Nobelpreisträgerin sehr ernst genommen wird."

Also, wer Elfriede Jelinek ernst nimmt, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

Antworten Gast: wanderer
09.06.2010 07:30
0 0

Re: Ernst nehmen?

Ich glaube, dass EJ verrückt ist. Sie hätte niemals einen Nobelpreis bekommen dürfen.

Antworten Antworten Gast: Franz Hobel
09.06.2010 08:11
0 0

Re: Re: Ernst nehmen?

Ich kann Sie in Ihrer Meinung nur unterstützen! Jelinek ist verrückt. Ein endloses Betätigungsfeld für Legionen von Psychiatern.

Der Nobelpreis? Den bekommt ohnehin jeder der in der Gunst der linken Gutmenschengesellschaft steht.

1 2

Tatsache ist.

Frau Margit Batthyány war im allerbesten Falle keine Beitragstäterin zum Massenmord sondern nur eine jämmerliche Mitläuferin, ein Stück Dreck dem leider die gerechte Strafe entgangen ist.

0 0

Re: Tatsache ist.

"ein Stück Dreck"...also „lebensunwertes Leben“ ...= Nazi-Jargon in Reinkultur

schön das es so viele anständige Anti-Nazis gibt...nur das Gehirn nimmt oft das "anti" nicht war

ujvar
24.05.2010 19:16
2 1

Das Schloss Rechnitz war von der SS beschlagnahmt und besetzt. Jeder in dem Haus war dieser Despotie ausgeliefert.


Die SS hatte Recht über Leben und Tod und übrte es aus, nicht nur gegen Menschen die ihrem wahnvollen Rassismus im Wege waren.

Der ganze Besitz Rechnitz gehörte der Familie Thyssen-Bornemisza als die SS dort hauste und wütete.

Die junge Frau, im Alter um 26, war offensichtlich in Oldenburg romantisch verliebt, obgleich erst kurz verheiratet; ihr Mann weilte (aus Protest gegen diesen Flirt) zu jener Zeit nicht im Thyssen-Schloss.

Dass das junge Geschöpf sich den Tod der todgeweihten, kranken Juden zum Abend der Besatzer gwünscht hätte, selbst mitgetan hätte, wird durch alle Aussagen widerlegt. Diese sterbenskranken Menschen umzubringen, dazu brauchte es keine Anregung einer jungen Frau. Einer Dichterin ist alles "erlaubt" , ob es der Schöpfer des Dracula oder ob es Marquis de Sade ist.

Die Tendenz der Arbeiten von Frau Jellinek ist eindeutig und sich treu,sie und der grössere Bernhard. Die Rechnitz-Morde, wie tausende andere, finden in ebenso tausenden Werken ihren gebührenden, schockierenden Widerhall; nicht nötig die Schrecken dieser Zeit noch durch zusätzliches Kloakieren zu vergrössern.

Die Verbrechen an 20 Mio Russen durch die Bolschwiken warten des Beginns der "Aufarbeitung", 100 Jahre werden dafür nicht ausreichen, wir warten auf die Schriftsteller, in Russland u. in Europa West. Das volle und definitive Bekenntnis zu Katyn ist ein Millimeter des Anfangs. Der tragische Tod vo 95 Polen mit ihrem Präsidenten gab dazu einen weiteren Ansto

Gast: Leser
24.05.2010 09:08
2 1

Die „Klarheit“ die Jelinek durch ihr Stück erzeugt, sieht man auch an den Kritiken des Stücks:

Die „Klarheit“
die Jelinek durch ihr Stück erzeugt, sieht man auch an den Kritiken des Stücks:

"Das Stück bezieht sich auf einen realen Massenmord, den Nazis auf Einladung der Gräfin Batthyány am 24./25. März 1945 in der Nähe von Schloss Rechnitz an 180 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern verübten." (oe24.at - ‎20.05.2010) - "Ein Massenmord auf Einladung der Gräfin"?

„Wo Batthyany und ihre Gäste die ermordeten, von der SS als "arbeitsunfähig" eingestuften jüdischen Zwangsarbeiter verscharrt haben, erfährt das Publikum nicht.“ (ORF.at Burgenland 23.05.10) Batthyany hat die Ermordeten verscharrt?

"Grundlage für Jelineks Niederschrift ist eine Leerstelle in den Köpfen der Dabeigewesenen. Ein Massaker an 180 Juden, verübt in einem Stadl in der Nähe des burgenländischen Schlosses Rechnitz. Nach einem Gefolgschaftsfest war Gräfin Batthyány und ihren Gästen von SS und Gestapo halt ein bissl fad. Also griff man zu Jagdgewehren. Das Grab der Opfer wollte bis heute nicht gefunden werden." (Kurier 23.05.10)

Diese Zitate geben offenbar nur den Inhalt des Stück wieder. Und verfälschen das tatsächlich Geschehene zu einem verzerrenden Sensationalismus.

Ophicus
26.05.2010 17:50
0 0

Re: Die „Klarheit“ die Jelinek durch ihr Stück erzeugt, sieht man auch an den Kritiken des Stücks:

Genau deswegen bin ich historischen Romanen gegenüber immer recht skeptisch - bzw. allem was "auf wahren Geschichten beruht".
Es ist für den Schriftsteller recht angenehm. Er kann das, was nachweislich passiert ist, als Basis nehmen. Damit kann er ein bereits packendes Thema behandeln ohne es sich einfallen lassen zu müssen. In den Details kann man sich aber austoben, weil ja nicht bekannt ist wie es wirklich war, und/oder ohnehin nur Fiktion ist.
Leider ist ein viel zu großer Teil der Leserschaft (und da sind auch Journalisten keine Ausnahme) oft nicht reif genug das zu unterscheiden.

Wobei das selbst dann gilt, wenn der Autor ausdrücklich darauf hinweist, dass es sich um Fiktion handelt.

Rebernik
23.05.2010 21:52
1 1

Spieglein, Spieglein an der Wand von Rechnitz

Sie, diese Schriftkünstler, fuchteln gerne mit einem Spiegel vor dem Antlitz der Anderen herum, um sie zu erschrecken – und sind dankbar, wenn ihnen diese Anderen beim Erschrecken helfen.
In diesen Spiegeln kristallisieren sich aber vor allem die Funde nach einer Expedition ins eigene Ich des Künstlers heraus, Kristalle des Schreckens, des Grausamen, der Lüste (Jelinek), der Abgründe, des Ekligen und des, ja doch auch, des Wunderbaren, des voll Wundern und Wunden da Liegenden.

Und dass sie, diese Schreibkünstler, dabei immer wieder und wieder, ja sogar mit lustvoll erlebten Zähneknirschen um sich schlagen und dabei verletzen… das bringt das Ganze ja erst in Schwung – sonst würde man „Die Räuber“ oder „Faust“ oder, oder, oder, heute nicht mehr aufführen – gar nicht einmal nur irgendwie an damalige Verletztheiten denkend.

Ja, seien sie der Frau Jelinek ernsthaft böse. Sie haben ein Recht dazu, verletzt zu sein. Samt allen Menschen aus Rechnitz, die ähnlich fühlen. Darüber, dass eine Nobelpreisträgerin ausgerechnet SIE sich zur Verletzung ausgesucht hat. Sie können sie auch beschimpfen, verurteilen, negieren und zurück beleidigen – hoffentlich mit dem nötigen „menschenrechtlichen“ Respekt. Sie ist – Nobel hin oder her - schließlich auch nur ein Mensch.
Sie können auch mit ihr persönlich diskutieren wollen, obwohl das zu nichts führen wird, wie wir wissen. Denn beim Schreiben war sie nicht Diskutant – und danach ist sie eine Andere.

Aber sie ist und bleibt eine Künstlerin.

Arethas
24.05.2010 23:43
0 1

Re: Spieglein, Spieglein an der Wand von Rechnitz

"Aber sie ist und bleibt eine Künstlerin."

Auf dem Niveau von Nonja.
Die gilt bei ihren Verwandten in Borneo ja als Ausnahmetalent.

Yoko
23.05.2010 14:07
1 7

Wer Klarheit anmahnt, sollte selbst zuerst dazu beitragen!

Wehleidige Soada eines ewig "unschuldigen Nachfahren"!
Ich bin froh und stolz, dass Frau Jelinek dieses mutige Stück geschrieben hat - sonst wüßten viele Menschen nicht einmal, dass diese Dinge passiert sind - egal wie "nachweisbar" einzelne Vorgänge dabei konkret waren!


Antworten Gast: Literat
09.06.2010 07:55
0 0

Re: Wer Klarheit anmahnt, sollte selbst zuerst dazu beitragen!

Und ich glaube, dass EJ verrrückt ist.
Sie hätte niemals den Nobelpreis erhalten dürfen.

Antworten Gast: Choko
23.05.2010 17:50
3 1

Re: Wer Klarheit anmahnt, sollte selbst zuerst dazu beitragen!

Brauchten Sie denn wirklich die Jelinek, um zu wissen, was in Rechnitz geschehen ist?
Und sind auch noch froh und stolz daüber?

Antworten Antworten Gast: Yoko
24.05.2010 09:13
1 1

Re: Re: Wer Klarheit anmahnt, sollte selbst zuerst dazu beitragen!

..und koennen Sie, lieber Choko, noch nicht einmal Lesen?

Halka
23.05.2010 13:15
4 2

Sehr guter Brief!!!


Gast: the hollow men
23.05.2010 11:38
1 2

jelinek lesen

Fest und Massenmord stehen in direktem Zusammenhang: es waren ausschließlich die Festgäste, die das Massaker verübten. Und Margit Batthyany hat all das gewusst.
Zudem: lesen Sie Jelineks Stück! Hier sprechen ausschließlich "Boten", also die, die etwas berichten, nicht aber selbst dabei waren.
Peinlich auch, dass man Zitate von fiktiven SprecherInnen, noch dazu aus dem Zusammenhang gerissen (warum denn all diese Auslassungklammern?!), bemüht, um Jelineks eigene Meinung zu belegen zu wollen.

Gast: Gast02
23.05.2010 10:55
7 2

Dieser Brief

rückt das Stück und die Geschichte in ein klareres Licht! Gerne wird für geschichtlich wahr gehalten, wovon das Stück handelt. Das ist falsch.

Margit Battyany hat am Fest teilgenommen. Das sagte sie selbst auch. Das Gefolgschaftsfest steht laut Historikern mit dem Massenmord aber in keinem ursächlichen Zusammenhang.

Interessant, dass das Schloss zwar Margit Batthyany gehörte, aber von den Nazis beschlagnahmt und mit verwendet wurde. Das machten die Nazis mit vielen Gebäuden.

Ich finde diesen Artikel gut, da er gerade nicht versucht, jemanden reinzuwaschen. Sich aber gegen diesen Sensationalismus ausspricht.

So entstehen dann so völlige Falschdarstellungen wie: "Das Stück bezieht sich auf einen realen Massenmord, den Nazis auf Einladung der Gräfin Batthyány am 24./25. März 1945 in der Nähe von Schloss Rechnitz an 180 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern verübten" (Österreich 20.05.10)

Massenmord auf Einladung der Gräfin? Wie bitte?

--> Klingt interessant und sensationell, ist aber völlig an den Haaren herbeigezogen. Solche Schlagzeilen schürt das Jelinek-Stück.

Gast: floppy 2004
23.05.2010 07:40
2 3

Die Fakten

Die Fakten sind:
) In den Stallungen von Margit Batthyanys Schloss in Rechnitz waren zahlreiche jüdische Zwangsarbeiter untergebracht, Margit Battyany hat also direkt mit den Nazis kollaboriert.
) Margit Batthyany war die Besitzerin des Schlosses, auf dem das NS-Gefolgschaftsfest veranstaltet wurde, in dessen Zuge das Massaker stattgefunden hat.
) Margit Batthyany hat - laut mehrfachen Zeugenaussagen und Protokollen - an diesem Fest auch selbst teilgenommen.
) Aus dem Jahr 1948 existiert ein Fahndungsersuchen, in dem Margit Batthyany als Mitschuldige gesucht wurde.
) Margit Batthyany hat auch noch Jahre nach dem Massaker die beide Haupttäter des Massakers gedeckt.
Ein Tipp: studieren Sie die Fakten, bevor Sie Ihre Verwandte reinzuwaschen versuchen.


ujvar
24.05.2010 19:30
0 1

Fak - ten :) sind Ihre Aufzählungen aber keine Tatsachen, die in diesem Kontext Sinn machen

Sie meinen, wenn in Ihrer Wohnung jemand umgebracht wird, sind Sie des Mordes schuldig. Eine abenteuerliche Vorstellung in der Tat, Dichtern mags erlaubt sein.
In dem Thyssen Schloss gab es mit Sicherheit jeden Abend ein "Gelage", auf Stühlen eingenommen, an denen die Hauseigentümerin, damals eben nicht Besitzerin - das waren die SS- Mordbuben, teilzunehmen hatte.
Es stimmt allerdings, dass diese junge Person zwei ihrer früheren Besatzer zur Flucht verhalf; man kennt diese "Verbrüderung" mit den Bedrohern von Flugzeugentführern; von Gewaltmenschen (Hitler,Stalin i.a.) scheint eine diabolische Faszination auszugehen.

1 2

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