Im vergangenen Jahr habe ich mich durch die Verwechslung des Ablativs mit dem Dativ gründlich blamiert und den verdienten Spott fast aller Lateinprofessoren von Wien auf mich gezogen. Ich werde mich daher heuer auf zwei Fehler beim Gebrauch des Lateinischen beschränken: Per hoher Inflation ist falsch. Per verlangt den Akkusativ, es muss also heißen: per hohe Inflation. Warum nicht überhaupt: durch hohe Inflation?
Post facto, wie kürzlich in einem englischen Artikel in dieser Zeitung zu lesen stand, ist ebenfalls unrichtig. Auch post erheischt den vierten Fall. Also: post factum.
Eine amüsante Wortschöpfung gelang einer Autorin mit dem Wort Unwägsamkeiten. Es sind ihr unwegsam und unwägbar durcheinandergeraten. Keines der beiden Wörter passte freilich in den Zusammenhang ihres Textes, deshalb wohl auch die Neuschöpfung.
Das Haus wurde geschliffen. Gemeint war natürlich: Geschleift.
In einer einzigen ORF-Ansage habe ich von einer Dame mit einer einschmeichelnden Stimme gehört: verschiednen, auffallnd, öffntlich, ergreifnd, fasziniernd, kommnde Woche, Wasser trinknd. Aber warum sollte sie es anders machen, wenn man auch am Burgtheater so spricht?
Angenehme Prügel?
In Ägypten hätten Schlägertrupps eine Prügelorgie veranstaltet, lesen wir. Das werden die Opfer nicht so empfunden haben, denn eine Orgie ist, da sexuell konnotiert, in der Regel angenehm.
Slowakeis Außenminister, Steiermarks Landeshauptmann kann man lesen. Bei Ländernamen, die einen Artikel haben, wie die Slowakei oder die Steiermark, kann der Genitiv nicht mit dem angehängten -s gebildet werden, sondern nur mit dem Artikel. Es muss also heißen: Der Außenminister der Slowakei und der Landeshauptmann der Steiermark.
Die Eskalation in Libyen besorgt den Westen. Es müsste heißen: macht den Westen besorgt. Oder ganz etwas anderes: Man besorgt sich eine „Presse“.
Die internationale Staatengemeinschaft ist ein Pleonasmus. Die Staatengemeinschaft ist schon international. Also, entweder die internationale Gemeinschaft oder einfach die Staatengemeinschaft.
Die Regierungsmannschaft hat lange gebraucht, um sich aneinander zu gewöhnen. Es können sich nur mehrere verschiedene Personen aneinander gewöhnen. Richtig müsste es also heißen: Die Mitglieder der Regierungsmannschaft haben sich aneinander gewöhnt.
Dem Flüchtlingsstrom Herr werden, ist ein Beispiel dafür, wie gern die Österreicher dem Genitiv ausweichen. Des Flüchtlingsstroms Herr werden wäre richtig. Der ungeliebte Gast, dem man sich nicht entledigen kann. Der Genitiv ist für viele Schreiber ein sehr schwieriger Fall, dessen sie sich gern entledigen würden.
Papst launcht, teilt uns die Katholische Nachrichtenagentur mit. Was tut der Papst eigentlich, wenn er launcht?
Durch Ihnen, Herr Präsident. Gehört im Parlament von einer sehr hochstehenden Person.
Paravan, konnte man in einem Kulturbericht lesen. Gemeint war Paravent. Manchmal hilft es, fremde Sprachen zu sprechen, um Fremdwörter in der eigenen richtig schreiben zu können. In diesem Fall wäre Französisch nützlich.
Sprachexporte aus Deutschland
Es mag am Wetter gelegen haben. In Deutschland ist das die richtige Ausdrucksweise, in Österreich ist es falsch. Hierzulande muss es heißen: Es mag am Wetter gelegen sein.
Der Sprecher des ORF-Redaktionsrats vermisst bei einem Politiker der FPK minimalste Rechtschreibkenntnisse. Wir vermissen bei diesem Sprecher eine sichere Kenntnis der Grammatik. Minimal ist schon die höchste Steigerungsstufe, sie verträgt nicht auch noch den Superlativ.
Für und wider einer Frauenquote. Für und wider verlangen jeweils den Akkusativ. Also richtig: Für und wider eine Frauenquote. Damit es endlich sitzt, sei hier in Erinnerung gebracht, dass auch die Präposition ohne den Akkusativ erheischt.
Die SPD kriegt sich nicht ein, sagte ein Reporter. Kann mir ein geneigter Leser sagen, was das heißen soll? Auch die Bedeutung der Wendung außen vor ist mir unbekannt.
Es ist schon ermüdend, lesen zu müssen, Frau Lu Qing wurde gefahren. Das sagt man vielleicht in Deutschland so. Bei uns wird fahren nur intransitiv gebraucht, Frau Lu wurde also geführt.
Ich bestehe auf meine Frage ist falsch. Richtig muss es lauten: Ich bestehe auf meiner Frage.
Wichtigtuerische Wendungen
Mal ganz abgesehen davon. Selbst in Deutschland, von wo das unsägliche mal importiert wurde, würde man hier einmal sagen. Gerade einmal oder womöglich gerade mal. Was soll diese hässliche, wichtigtuerische Wendung bringen? Warum sind den Schreibern die schlichten Wörtchen erst und nur nicht gut genug?
Nimmt das Interesse und die Verkaufszahlen ab. Wenn das Subjekt im Plural steht bzw. zwei Subjekte vorhanden sind, muss das Prädikat auch im Plural stehen. Also: nehmen das Interesse und die Verkaufszahlen ab. Der umgekehrte Fall liegt vor, wenn jemand schreibt: Gemanagt werden die Transaktion von Deutscher Bank und UniCredit. Da das Subjekt, nämlich die Transaktion, im Singular steht, muss auch das Verbum im Singular stehen: Gemanagt wird die Transaktion.
Transsexualität im Hühnerhof
ÖVP und SPÖ haben viel gemein. Sie sind zwar oft gemein zueinander, sie haben aber nicht viel gemeinsam.
Das Mädchen, das sich zwar versuchte zu wehren... Das ist ein schwieriger Fall mit Mädchen und der Versuchung. Das Mädchen, das versuchte, sich zu wehren.
Hähnchen. Gemeint ist nicht, wie das Wort sagt, ein kleiner Hahn, sondern ein Hendl. Ein klarer Fall von Transsexualität im Hühnerhof.
Bereits seit 51 Jahren wurde der Türkei der Beitritt in Aussicht gestellt. Ganz abgesehen, dass das sachlich falsch war, ist es auch grammatikalisch falsch. Entweder: bereits vor 51 Jahren wurde...oder: bereits seit 51 Jahren wirdder Türkei...
Michael Häupl – ein Ortschef?
...wenn das ägyptische Volk ihren Staatschef zum Rücktritt bewegt, so ist das falsch. Das Volk ist sächlich, das entsprechende Possessivpronomen heißt sein. Also richtig: seinen Staatschef...
Des Ex-Präsidents (Ö3): Dagegen sträubt sich sogar das Rechtschreibprogramm des Computers. Des Ex-Präsidenten gefälligst!
Anders wie. Das ist zu volkstümlich österreichisch, als dass man es durchgehen lassen dürfte. Falls es jemand nicht wissen sollte: Wie drückt eine Gleichheit, als eine Differenz aus. Also: So groß wie, größer als, anders als usw.
Im Frische-Becher. Ist im Becher Frische drinnen, und wenn ja, was soll das sein? Oder ist der Becher frisch? Dann müsste es heißen: im frischen Becher.
Weil das Wort Bürgermeister zu viele Anschläge hat, haben Journalisten das besonders hässliche Wort Ortschef erfunden. Der Bürgermeister ist allenfalls der Chef der Gemeindebediensteten, aber nicht des Ortes. Ich jedenfalls betrachte Michael Häupl nicht als meinen Chef.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2011)















