Während Mojzis das Thema Social Media in einem Ausmaß verstanden hat, das mich überrascht („Wir werden mithilfe der Blogs unsere Kritikfähigkeit verbessern“), sitzt sie einem massiven Missverständnis auf. Denn auf Markus' Frage nach dem Warum antwortet sie: „Blogger sind eine neue Form von Journalisten.“ Diese Ansicht ist genauso falsch (. . .) wie leider verbreitet. Blogger sind keine Journalisten. Blogger sind Bürger, Konsumenten bzw. in diesem Kontext Wähler. Wähler, die ihre Meinung immer schon kund getan haben: beim Stammtisch, in der Rauchpause am Arbeitsplatz, beim Grillen mit den Schwiegereltern, in der Straßenbahn. Wähler sind keine amorphe Masse, die ihre Meinung nur am Wahltag und bei Meinungsumfragen kundtun. Das Ganze nennt sich Mundpropaganda, also Empfehlungsmarketing im Netzwerk, (. . .) und beeinflusst Wahlen, seitdem es Wahlen gibt. Geändert hat sich nur das Medium unserer Mundpropaganda, mit zwei Konsequenzen:
- Größere Reichweite. (Und selbst das trifft nicht auf alle Blogs zu.)
- Permanenz. Aussagen sind schriftlich und über eine permanente Adresse erreichbar – was den Diskurs erleichtert, da sich andere darauf beziehen können. Das „Netzwerk“ (. . .) bekommt eine technische Struktur: Hypertext. (. . .)
Nur weil wir schreiben und ein Medium nutzen, sind wir noch lange keine Journalisten. Der Dialog, den Politiker führen, wenn sie mit Bloggern kommunizieren, ist ein Dialog mit Wählern. Wähler der neuen Sorte, if you wish. Das Missverständnis „Blogger sind Journalisten“ führt dann auch zu verrückten Konsequenzen wie dem Anfang März bei den deutschen Nachbarn in Kraft getretenen Telemediengesetz, das Bloggern u. a. die journalistische Sorgfaltspflicht auferlegt und sie damit noch weiter abmahnwütigen Rechtsanwälten ausliefert.
Helge Fahrnberger
Österreich
("Die Presse" Print-Ausgabe, 22.05.2007)















