Kunstwerte

Neuauflage

Nach einem Fälschungsskandal stand die Biennale des Antiquaires vor dem Aus. Jetzt versuchte sie einen Neubeginn mit prominenter Unterstützung.

Im Vorjahr hat es schon beinahe so ausgesehen, als wäre das Ende der Pariser Kunst- und Antiquitätenmesse La Biennale des Antiquaires, die alle zwei Jahre im wunderschönen Grand Palais stattfindet, gekommen. Ein Skandal um Fälschungen von Möbeln des 18. Jahrhunderts, der monatelang durch alle Medien ging, interne Streitereien und dann noch der Anschlag in Nizza am 14. Juli 2016 ließen die Besucher wegbrechen. Doch die Messe konnte noch einmal das Ruder herumreißen. Das lag vor allem an Christopher Forbes, Sohn des legendären US-Verlegers Malcolm Forbes, selbst stellvertretender Vorsitzender der Forbes Inc und vor allem leidenschaftlicher Kunstsammler, der die Rolle des Präsidenten übernahm. Er motivierte viele Sammler aus den USA wiederzukommen.

Neuer Name, neuer Rhythmus. Die Organisation entschied sich, die Messe nun jedes Jahr zu veranstalten, und benannte sie in La Biennale Paris um, was als Name ob des künftig jährlichen Rhythmus unglücklich gewählt scheint. Der Begriff Biennale sei für diese Messe ein wichtiges Branding, hieß es seitens der Veranstalter. Und so gab es vergangene Woche bereits die erste Ausgabe der La Biennale Paris. Eine wirklich entscheidende Veränderung bei der Messe war sicherlich die neue Prüfungskommission, die alle Objekte auf ihre Authentizität prüft. Aus dieser Kommission hat sich der Verband der Antiquitätenhändler, der die Messe betreibt, zurückgezogen. Zudem sind ausstellende Händler von der Kommission ausgeschlossen. Mit 94 statt wie zuletzt 124 Ausstellern hat sich die Messe auch verkleinert. Nach wie vor kommt aber rund ein Drittel der Teilnehmer aus dem Ausland.

Diese Neuerungen haben der Biennale gutgetan. Die Reaktionen auf die Messe waren aber unterschiedlich und die Besucherzahlen nicht berauschend. So schrieb „Le Figaro“: „Der Pariser Biennale geht die Luft aus.“ Anthony Meyer, Spezialist für ozeanische Kunst, fand gegenüber „Art Newspaper“ freundlichere Worte: „Die Messe benötigt noch die eine oder andere Korrektur, aber die Basis ist gesund.“ Die Pariser Händlerin Sabrina Gismondi kritisierte sogar, dass die Biennale schlechtgeredet werde, während Messen in den USA systematisch gelobt würden. Durch alle Medien ging die Geschichte von vier großformatigen Gobelins, die die Pariser Galerie Chevalier im Angebot hatte. Sie wurden um 1670 im Auftrag von Jean-Baptiste Colbert gewebt und waren Reproduktionen von „Les chasses de Maximilien“, die heute im Louvre hängen. Vor 21 Jahren kaufte sie Bill Gates bei Chevalier und gab ihm jetzt den Auftrag, sie wieder zu verkaufen.

kunstwerte@diepresse.com

diepresse.com/kunstwerte

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2017)

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