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Sympathisch: Die Rolling Stones bringen Winter in den Sommer

11.07.2012 | 18:23 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Zwischen Cola und Cola muss man sich richtig entscheiden, findet die Firma. Einst warb sie mit dem Stones-Song: „You Can't Always Get What You Want“. Nicht mit „Let It Bleed“.

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In meine Meditation über Leben und Wirken der Rolling Stones dringt die „Welt“ mit der Meldung, dass Coca-Cola dem Fußballer Ronaldinho seinen lukrativen Werbevertrag gekündigt hat. Grund: Bei einer Pressekonferenz standen Pepsi-Dosen vor ihm auf dem Podium. Die Zeitung titelt mit „Die Frage aller Fragen“ und macht im Untertitel klar, was das ist: „Cola oder Pepsi?“

Nein, diese Frage ist kein Analogon zu „Beatles oder Stones?“ (oder „Handke oder Bernhard?“ oder „Teilchen oder Welle?“), sie ist im Gegensatz zu diesen entschieden, seit Coca-Cola sein Produkt als „the real thing“ bezeichnet – wer könnte da widersprechen? Wir müssen nicht mit Slavoj Žižek darüber grübeln, ob es sich dabei um das symbolische, das reale oder das imaginäre Reale handelt, wir müssen es einfach trinken, am besten light. Für die halbherzige, halb mit Kornsirup und halb mit Aspartam etc. gesüßte Variante „Coca Cola C2“ warb die Firma mit dem Stones-Song „You Can't Always Get What You Want“, und der drückt nicht gerade die libidinöse Haltung aus, die Žižek als „Jouissance“ bezeichnen würde.

Natürlich gruselt einem davor, die Stones-Zunge neben dem Softdrink-Emblem zu sehen, aber textlich gut eignen würde sich ein Stück vom gleichen Album, der Titelsong „Let It Bleed“. Darin sagt am Anfang, als noch alles harmlos und unblutig ist, die Frau zum Manne: „My breasts, they will always be open, baby, you can rest your weary head right on me. And there will always be a space in my parking lot, when you need a little coke and sympathy.“

Natürlich, „coke“ stand damals wohl eher für eine nasal einzunehmende Substanz, eine mir außergewöhnlich unsympathische Droge, weil sie den Konsumenten arg geschwätzig macht, was Mick Jagger zumindest in seinen Songs nie war und ist. Also stelle ich mich blöd und stelle mir vor, dass in „Let It Bleed“ die Wirtin dem Gast ein bauchiges Fläschchen auf den Tisch stellt. Genauso weigere ich mich trotz besseren Wissens, in „Moonlight Mile“ das Wort „snow“ einschlägig zu verstehen.

Das ist übrigens ein ganz großer, in ein eisiges Nachspiel mündender Song, den alle hören sollten, die mit den Rolling Stones nur das verschwitzte Wort „Rock'n'Roll“ verbinden. Ansonsten empfehle ich gerade in der heißen Jahreszeit „She's So Cold“ und „Winter“. Und natürlich „Child Of The Moon“: Wenn Sie einen kleinen Sohn haben, singen Sie es ihm oft vor, „No Expectations“ und „Ruby Tuesday“ auch. Er wird (trotzdem) werden, wie er will, und das ist gut so.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)

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