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Tirol ist kein Gebiet, Niederösterreich schon

18.07.2012 | 18:38 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Die Insel Ikaria könne zu Österreich kommen, schrieb „Heute“. Alle dementieren, aber ihren Reiz hätte diese Osterweiterung.

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Die Insel des Ikarus wird nie und nimmer das zehnte Bundesland von Österreich.“ Das beschied uns der Wiener Reiseveranstalter Leonidas Kades via „Kurier“. Die U-Bahn-Zeitung „Heute“ indessen, die die sommerliche Idee aufgebracht hatte, blieb dabei: „Griechische Insel: ,Beitritt möglich‘“, schrieb sie am Mittwoch trotzig.

Die Austrifizierung der übrigens kommunistisch regierten Insel Ikaria mag völkerrechtlich heikel, unmöglich oder gar indiskutabel sein (siehe Seite 8), die Idee aber ist faszinierend. Schon weil Österreich nach einem solchen Anschluss kein in sich geschlossenes Gebilde mehr wäre, kein Gebiet, wie die Mathematiker sagen. Denn, wie uns der derzeit zwar nicht in Ikaria, aber in Kärnten weilende Rudolf Taschner erklärt: Wenn es in einem Raum zwei Punkte gibt, die man nicht verbinden kann, ohne den Raum zu verlassen, ist er kein Gebiet.

Es hat seinen Reiz, wenn der eigene Staat kein Gebiet ist. Den US-Bürgern würde wohl ohne Alaska und Hawaii etwas fehlen, selbst wenn sie nicht vorhaben, je dorthin zu reisen. Auch Russland ist kein Gebiet, zur Freude der russischen Kantianer, die sich in Königsberg vulgo Kaliningrad heimisch fühlen; bei Italien ist es fraglich, kommt darauf an, ob das Meer zwischen Sardinien und dem Hauptland zu Italien zählt.

Es ist ja auch unter den vielen Besonderheiten Tirols, dass es im mathematischen Sinn kein Gebiet ist, wenn man es als Bundesland Österreichs sieht: Man kommt nicht von Osttirol nach Nordtirol, ohne das Bundesland Tirol zu verlassen. Zählt man aber Südtirol zu Tirol, dann sind Ost- und Nordtirol verbunden, und die drei sind miteinander ein Gebiet. Der mangelnde Zusammenhang des Bundeslandes kann auch böse Folgen haben: Der Agrarmarketing Tirol ist es passiert, dass in ihrer Zeitschrift „Almleben“ eine Tirolkarte ohne Osttirol abgedruckt war; die aufgebrachten Osttiroler konnten nur durch das Versprechen massiver Bewerbung ihres Schafalmwandertages versöhnt werden.

Niederösterreich ist, wenn's interessiert, sehr wohl ein Gebiet, allerdings nicht einfach zusammenhängend, denn es hat ein Loch, das von Wien eingenommen wird. Wenn sich die „Vatikanlösung“ des Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk durchgesetzt hätte und das niederösterreichische Regierungsviertel in der Wiener Herrengasse zu Niederösterreich gekommen wäre, dann wäre es heute kein Gebiet, Wien hätte ein Loch, und ein Spaziergang durch den ersten Bezirk wäre ein topologisches Abenteuer.

Mir persönlich sind diese Unterscheidungen wichtig, weil ich großen Wert darauf lege, dass ich in meinem bisherigen Leben Europa nicht verlassen habe, obwohl ich einmal in Südamerika einem Raketenstart (übrigens einer europäischen Rakete mit dem schönen Namen Ariane) beigewohnt habe. Das war nämlich in Französisch-Guayana, und das gehört zu Frankreich und folglich zu Europa, oder?

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)

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15 Kommentare
Gast: Kramerbeobachter
19.07.2012 12:36
1 3

Flugstunden

Herrn Kramars weltreisen finden im Kopfe statt, mit einer gewissen Hilfe von weissen, pulverfoermigen Substanzen.

Zählt man aber Südtirol zu Tirol, dann sind Ost- und Nordtirol verbunden, und die drei sind miteinander ein Gebiet.

Tut man es nicht, hat man sich noch nie mit einem Tiroler unterhalten;-)

Gast: fred
19.07.2012 10:36
0 0

reicher bürgermeister repräsentativ?

fragt doch mal die bewohner und nicht den reichen bürgermeister.

da muss doch auch was wahres dran sein und somit habe ich mir mal die mühe gemacht und ein paar griechische websites nach kommentaren durchforstet.

hier wird sehr viel von revolution gesprochen, den armen verhältnissen, eine dame zb. will nicht noch 30 jahre für einen hungerlohn teppich knüpfen, eine angliederung würde für beide seiten sehr viele vorteile bringen.

Gast: chefredaktion
19.07.2012 08:30
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Mannomann, Mister Kramar

Ist er etwa stolz darauf, Europa noch nie verlassen zu haben? Echt noch nie New York, Kairo, Sydney, Singapur???? Da tut er immer so super urban-intellektuell und ist im Grunde ein Weltprovinzler. Angeblich habe er ja auch Wien nie länger als für drei Wochen verlassen, hört man. Also wenn so etwas im Lebenslauf für eine Bewerbung steht, macht sich das aber normalerweise gar nicht gut, gell.

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Re: Mannomann, Mister Kramar

Immanuel Kant ist auch nicht über Königsberg hinausgekommen, seine Philosophie aber schon.
Man kann im Leben in die Tiefe oder in die Breite gehen; für beides zusammen ist ein Leben zu kurz.
Viele sagen, ich war da und dort, aber sie waren vielfach überall abwesend.

Antworten Antworten Gast: chefredaktion
19.07.2012 16:31
0 0

Re: Re: Mannomann, Mister Kramar

Ihr letzter Satz oben ist sehr schön. Und durchaus richtig!

Der Kant-Einwand war allerdings absehbar. Andere Philosophen sind gereist, haben anderes erdacht und liegen auch nicht falsch mit ihrer Weltsicht. Sofern man bei Philosophen je von "richtiger" Weltsicht sprechen kann... ;-) Und andere Wissenschaftler und Ingenieure, die ihre Stadt verließen und herumfuhren, haben wenigstens Sachen erdacht, die man auch praktisch nutzen kann, nicht nur zum Gscheitschwätzen.

Antworten Gast: Vogel Strauss
19.07.2012 10:10
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Re: Mannomann, Mister Kramar

Man muß kein Weltenbummler zu sein, um trotzdem gut leben zu können ... ein Hoch auf den Urlaub daheim, bei uns ist es halt am schönsten!

Antworten Antworten Gast: das flugticket
19.07.2012 12:32
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Re: Re: Mannomann, Mister Kramar

Man muss aber auch kein Heimatstubenhocker sein, um ebenfalls gut leben zu können. Und schon mal was davon gehört, dass Fernreisen bildet, nicht nur das Lesen kluger Bücher? Ein Hoch dem Urlaub auf der ganzen Welt, von Hernals bis Feuerland, bei uns Menschen ist es halt am schönsten!

Antworten Antworten Gast: Weltenbummler
19.07.2012 11:40
1 0

Re: Re: Mannomann, Mister Kramar

Reisen ist tödlich......für Vorurteile (Mark Twain)

ich finde den artikel als

lehrreich.
zu österreich würden allerdings die bürger von abdera (die griechischen schildbürger) wohl besser passen.

Gast: elel
19.07.2012 01:51
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Eine Lösung

Da gibt es nur eine Lösung: Südtirol ans übrige Tirol anschließen.

Antworten Gast: Innsbrucker
19.07.2012 11:37
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Re: Eine Lösung

Danke, nein.

Gast: hmm
18.07.2012 22:36
1 1

Merkwürdiger Beitrag

Der Beitrag ergibt von vorne bis hinten keinen Sinn, ist inhaltlich wohl eine leere Menge und was ein einfach zusammenhängender Raum mit Ikaria zu tun haben soll, ist mir schleierhaft.

Eurozentrismus

Wenn es Europäer gibt, die stolz darauf sind, Europa Zeit Ihres Lebens nie verlassen zu haben, dann sollten wir uns nicht über Amerikaner aufregen, die keinen Pass haben.

Dem Autor sei gesagt, es gibt auch Kultur und wunderschöne Landschaften außerhalb unseres dekadenten und darbenden Kontinents.

Gast: was zum
18.07.2012 20:31
0 0

wie bitte

ne ja ist ja klar, irgendwie ist dieser Artikel völlig sinnlos -3/10

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