Wir sagen vornehm: Interessantes Englisch!

28.11.2012 | 18:13 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Ja, das Englisch des Lobbyisten Ernst Strasser hat seinen humoristischen Wert. Man sollte aber nicht allzu laut darüber lachen.

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Ja, da wird dieser Tage wieder viel über das Englisch des feinen Herrn Strasser gelacht! „My political is in the centre“, soll er gesagt haben, „Children make a mascerade“ (zur Charakterisierung der „funny time of the year“, des Faschings) und „May I ask, how did you come to me?“. Damit reiht er sich in die Riege, in der u.a. Hubert Gorbach („The world in Vorarlberg is too small“) und Maria Fekter („shortly without von delay“) stehen. Das sind bezeugte Fehler, im Gegensatz zu dem dem deutschen Bundespräsidenten Heinrich Lübke zugeschriebenen Satz „Equal goes it loose“.

Wer sich seines Englisch selbst nicht ganz sicher ist, dem sei die Freude darüber gegönnt, dass hochgestellten Politikern solche Pannen passieren, gewiss; aber ein bisschen ordinär ist es schon, über Fehler von Mitmenschen laut zu lachen, ob sie nun die Toilette oder die Sprache betreffen, statt sich still dem Fremdschämen hinzugeben. Aus diesem Grund hat „Die Presse“ wohl gestern auf abermalige Zitierung der Strasserismen verzichtet und nur vornehm vom „interessanten Englisch“ des ehemaligen Innenministers geschrieben.

Achtung: Allzu bemühte Korrektheit bei der Verwendung von Fremdsprachen kann auch etwas unangenehm Streberhaftes haben. Franz Molnar soll in diesem Sinn, so berichtet Friedrich Torberg, auf Beherrschung anderer Fremdsprachen als des Deutschen keinen Wert gelegt haben, mit der Begründung: „Ich habe nicht den Ehrgeiz, mit Oberkellnern oder Hochstaplern zu konkurrieren.“

Und manchmal haben Fehler in der Idiomatik ihre eigene Poesie, erzählen – Gnade dem Anglizismus! – über den Groove der Heimat. So bin ich vor vielen Jahren in Venedig auf dem Vaporetto der Linie1 in eine amerikanische Reisegruppe geraten, die aussah, wie sich der vorurteilsbeladene Europäer eine amerikanische Reisegruppe vorstellt: die Damen in schreiend bunten Kleidern und bene in carne, auch die Herren offensichtlich eating well, alle sehr laut redend und gestikulierend, Chips schlingend und ständig fotografierend...

Nur ein schlankerer, ruhigerer Mann fiel mir auf, und ich hatte auch gleich das Gefühl einer gewissen Nähe. Das sich alsbald bestätigte, als das Vaporetto an einer kleineren Kirche vorbeifuhr, die in schlechteren Reiseführern wohl gar nicht erwähnt ist. „Is this Saint Marcus Cathedral?“, rief da eine besonders üppige Amerikanerin mit besonders breitem Texanisch (oder Arizonesisch?): „Wow! I gotta take a snap of it!“ Da riss es den ruhigen Mann sichtlich, und er fasste sein Unbehagen kopfschüttelnd in einen knappen Ausruf: „I mean, I dream!“

Nein, das war sprachlich nicht korrekt. Aber besser und Wienerischer hätte er es nicht sagen können.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2012)

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5 Kommentare

Intessantes Englisch

Dr. Strasser hatte einmal eine starken Förderer, der einmal einem "Landpfarrer" erklärte doppelter Akademiker zu sein. Wetten, daß das Englisch des Förderes um nichts besser ist als jenes Dr.Strassers. Karl Mays "Schatz im Silbersee" war ja auch in deutscher Sprache erhältlich.
Nachdem sich die Doppelspitze Onkel und Neffe Pröll unter Mißachtung der beachtlichen Vorzugsstimmen für Othmar Karas für die Entsendung Strassers nach Brüssel entschieden haben war er ihnen danach ja völlig unbekannt. Der Herr Landeshauptmann war sich nicht zu blöde den Reportern damals sein Mobiltelephon zu zeigen um zu beweisen, daß er Strassers Telephonnummer nicht hatte.

Lieber Herr Kramar,

ich habe über keinen der oben genannten Politiker gelacht. Eher war mir schon zum Weinen. In Ihrer Verteidigung sollten Sie daher nicht vergessen, dass diese Damen und Herren in höchsten Staatsämtern ihre Heimat - gerade heutzutage (EU) - im Ausland repräsentieren! Und ich darf mir als Bürger im Jahr 2012 schon erwarten, dass mein Minister zumindest zwei Fremdsprachen soweit beherrscht, dass nicht gleich alles zu brüllen beginnt, sobald er den Mund aufmacht. Es gibt einen Staat auf dieser Welt, dessen Minister mindestens vier (!) Sprachen neben ihrer Heimatsprache beherrschen müssen! Und diese Herren besuchen noch mit über 80 Sprachkurse zur Perfektion. Da sitzen sie dann nebeneinander wie Schüler und Studenten......die Herren Kardinäle im Vatikan.

Re: Lieber Herr Kramar,

tja und selbst das verhindert auch in der Kirche so manche Verfehlungen nicht!

Re: Re: Lieber Herr Kramar,

Ich wußte es und es war zu erwarten. Auch vollkommen außerhalb von jedem Zusammenhang muß einer was gegen die Kirche schreiben. Sie wären sonst explodiert, oder?

Re: Re: Re: Lieber Herr Kramar,

da täuschen sie sich, mir geht es dabei nicht darum der Kirche eins auszuwischen. Vielmehr möchte ich damit zum Ausdruck bringen, dass Bildung allein kein Garant für gute Charaktereigenschaften ist.
Übrigens ich schrieb meinen Kommentar ruhig und gelassen!

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