25.05.2012 12:39 | Meine Presse Merkliste 0

Die Umlautung des Odol durch die FP

THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Odal statt Odol steht auf dem Odol-Fläschchen, das in einer Zeichnung in dem von der FP herausgegebenen Bändchen „Sagen aus Wien“ gegen den (rot-grünen) Basilisken eingesetzt wird.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der Name sei ein Kennwort in der Neonazi-Szene, „Odal“ habe ab 1939 eine „Monatsschrift für Blut und Boden“ geheißen: Das stand gestern Nachmittag in einer Aussendung des „profil“.

Ich hatte meinen Artikel über das FP-Machwerk – in dem man u.a. ein mit „Euer HC Strache und Euer Prinz Eugen“ unterfertigtes Gedicht liest – gerade fertig und beschloss, dieser Spur nicht nachzugehen. Man soll nicht zu argwöhnisch sein, dachte ich: Die Unschuldsvermutung gilt auch für diese Partei, die in der Steiermark einen Mann in den Landtag schicken will, der angibt, „neutral“ zum Nationalsozialismus zu stehen (und später erklärt, er wisse eben zu wenig über „diese Zeit“).

Es liegt ja, dachte ich, nahe, den Namen des Mundwassers zu verfremden, um Klagen seitens der Erzeugerfirma zu vermeiden, und „Odil“, „Odul“ oder „Odel“ klingt halt nicht so gut. Schon der große Georg Kreisler hat in seinem Lied „Max auf der Rax“ das bösartige Echo aus „Liebesidyll“ ein „Lobesodol“ (und „Bor“ aus „Bier“ und „Molch“ aus „Milch“) machen lassen. Steht die FP halt einmal in einer guten Tradition...

Dazu später. Zunächst: Woher kommt „Odol“? Es ist ein 1892 von einem Dresdner Unternehmer geprägtes „Kofferwort“, also ein Kunstwort, in das zwei Wörter mit ihren Bedeutungen gepackt sind, diesfalls „odous“ (griechisch für Zahn) und „oleum“ (lateinisch für Öl). Puccini widmete dem alkoholischen Wässerchen eine „Ode all' Odol“, Tucholsky dichtete: „Tinte, Rotwein und Odol sind drei Flüssigkeiten wohl, davon kann der Mensch schon leben.“


Odal“ dagegen ist ein altes germanisches Wort, das mit Besitz und Abstammung zu tun hat, es ist wohl mit „Adel“ und „edel“ und „Od“ (wie in „Kleinod“) verwandt. Es gab auch eine Rune „Odal“, die für den Laut [o] stand. Diese Rune wurde tatsächlich von den Nazis oft verwendet, etwa von der Hitlerjugend, vom Rasse- und Siedlungshauptamt und von einer SS-Division namens „Prinz Eugen“ (!). Ebenso beliebt ist sie in der Neonazi-Szene. So verwendete sie die 1994 in Deutschland verbotene Wiking-Jugend, die sich in der Tradition der Hitlerjugend sah. Mit ebendiesem Verein hatte Heinz-Christian Strache Ende der Achtzigerjahre zugegebenermaßen viel zu tun. So ist zu befürchten, dass ich mich geirrt habe, dass die Umlautung auf „Odal“ doch nicht ohne politische Assoziation gewählt wurde.

Ein Vorschlag: Man sollte aufhören, solche Äußerungen der FP als „unappetitlich“, „degoutant“ etc. zu charakterisieren. Mit solchen Ekelwörtern verwendet man eine ähnliche Ästhetisierung der Politik wie die FP, die sich nicht schämt, ihre roten und grünen Konkurrenten als „schiach“ und stinkend zu schmähen. Für die FP-Comics reicht das Wort „niederträchtig“.


thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2010)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

4 Kommentare
Gast: negerbraut
04.10.2010 13:31
1 0

Konvolut von "unabsichtlichen" Äusserungen

Dass das Wort Odal von der Nazi-Zeitschrift (man beachte auch den gewählten Schrifttyp, der sicher auch völlig unbeabsichtigt dem der Zeitschrift Odal ähnelt) abgeleitet ist, wäre mir nicht aufgefallen, denn auch ich kannte jene Zeitschrift nicht. Das war lange vor meiner Zeit und auch wenn ich mich im Gegensatz zu vielen Anderen durchaus mit unserer Geschichte beschäftige, geht mein Wissen nicht so tief.
Was ich am HC-Comic so abstoßend finde, ist das Konvolut von vielen doch sicher völlig "zufälligen" Äusserungen, die alle für sich allein genommen, noch wenig bedeuten mögen, aber zusammengefaßt sicher etwas zu bedeuten haben: zb. soll ja laut FPÖ Mustafa, dem eine aufbrennt ghört, für Kara Mustafa stehen und nicht für einen kleinen Türken aus der heutigen Zeit... Subtil werden immer wieder solche Kleinigkeiten in den Comic eingeflochten, doch die Summe all dieser "Missveständnisse" macht das Gesamtwerk aus!

Als ich vor zehn Jahren als Tochter eines jugoslawischen Gastarbeiters einen illegal in Österreich lebenden Afrikaner heiratete und ihm damit unter Anderem eine Aufenthaltserlaubnis verschaffte, amüsierte ich mich noch darüber, dass ich ausgerechnet von der FPÖ ein Schreiben mit Glückwünschen zu meiner Eheschließung erhalten habe. Jetzt da ich bald eine Österreicherin mit dunkler Hautfarbe zur Welt bringen werde, finde ich solche Auswüchse, wie diesem Comic, keineswegs mehr amüsant, sondern sorge mich ehrlich um die Zukunft meiner Kinder!

Antworten Gast: AlterKämpfer
05.10.2010 07:51
0 0

Re: Zukunft

Die Zukunft liegt in Afrika!

Gast: Pastor Hans-Georg Peitl
01.10.2010 11:02
1 0

Offen gesagt

Bin ich mir ziemlich sicher, das zumindest 80% der Österreicher und Österreicherinnen keine Ahnung von Runen gehabt haben, geschweige denn davon das es eine Zeitung Odal gegeben hat und das erst die Presseberichterstattung zur Aufklärung beigetragen hat.

Es mag schon sein, dass HC Strache diese Wortwahl bewusst eingesetzt hat, weil er die Rune oder die Zeitung kannte, die Werbung für die NSDAP haben dann in weiterer Folge allerdings das Profil und darüber hinaus all diejenigen gemacht, die darüber berichteten.

Ich frage mich folglich: Ist es notwendig für diese Zeit heute noch Werbung zu machen?

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Kandidat der
Plattform Direkte Demokratie
http://jachwe.wordpress.com

Steininger
01.10.2010 07:03
0 0

Odel hat im Oberösterreichischen noch eine andere Bedeutung.

Und die ist keineswegs vornehm.

Tatsache ist und bleibt daß die Hermeneutik freiheitlicher Wahlwerbung unendlich langweilig ist.
Get a life, will you?

Mehr Metaware:

Top-News