Der Name sei ein Kennwort in der Neonazi-Szene, „Odal“ habe ab 1939 eine „Monatsschrift für Blut und Boden“ geheißen: Das stand gestern Nachmittag in einer Aussendung des „profil“.
Ich hatte meinen Artikel über das FP-Machwerk – in dem man u.a. ein mit „Euer HC Strache und Euer Prinz Eugen“ unterfertigtes Gedicht liest – gerade fertig und beschloss, dieser Spur nicht nachzugehen. Man soll nicht zu argwöhnisch sein, dachte ich: Die Unschuldsvermutung gilt auch für diese Partei, die in der Steiermark einen Mann in den Landtag schicken will, der angibt, „neutral“ zum Nationalsozialismus zu stehen (und später erklärt, er wisse eben zu wenig über „diese Zeit“).
Es liegt ja, dachte ich, nahe, den Namen des Mundwassers zu verfremden, um Klagen seitens der Erzeugerfirma zu vermeiden, und „Odil“, „Odul“ oder „Odel“ klingt halt nicht so gut. Schon der große Georg Kreisler hat in seinem Lied „Max auf der Rax“ das bösartige Echo aus „Liebesidyll“ ein „Lobesodol“ (und „Bor“ aus „Bier“ und „Molch“ aus „Milch“) machen lassen. Steht die FP halt einmal in einer guten Tradition...
Dazu später. Zunächst: Woher kommt „Odol“? Es ist ein 1892 von einem Dresdner Unternehmer geprägtes „Kofferwort“, also ein Kunstwort, in das zwei Wörter mit ihren Bedeutungen gepackt sind, diesfalls „odous“ (griechisch für Zahn) und „oleum“ (lateinisch für Öl). Puccini widmete dem alkoholischen Wässerchen eine „Ode all' Odol“, Tucholsky dichtete: „Tinte, Rotwein und Odol sind drei Flüssigkeiten wohl, davon kann der Mensch schon leben.“
Odal“ dagegen ist ein altes germanisches Wort, das mit Besitz und Abstammung zu tun hat, es ist wohl mit „Adel“ und „edel“ und „Od“ (wie in „Kleinod“) verwandt. Es gab auch eine Rune „Odal“, die für den Laut [o] stand. Diese Rune wurde tatsächlich von den Nazis oft verwendet, etwa von der Hitlerjugend, vom Rasse- und Siedlungshauptamt und von einer SS-Division namens „Prinz Eugen“ (!). Ebenso beliebt ist sie in der Neonazi-Szene. So verwendete sie die 1994 in Deutschland verbotene Wiking-Jugend, die sich in der Tradition der Hitlerjugend sah. Mit ebendiesem Verein hatte Heinz-Christian Strache Ende der Achtzigerjahre zugegebenermaßen viel zu tun. So ist zu befürchten, dass ich mich geirrt habe, dass die Umlautung auf „Odal“ doch nicht ohne politische Assoziation gewählt wurde.
Ein Vorschlag: Man sollte aufhören, solche Äußerungen der FP als „unappetitlich“, „degoutant“ etc. zu charakterisieren. Mit solchen Ekelwörtern verwendet man eine ähnliche Ästhetisierung der Politik wie die FP, die sich nicht schämt, ihre roten und grünen Konkurrenten als „schiach“ und stinkend zu schmähen. Für die FP-Comics reicht das Wort „niederträchtig“.