Griechisches Geld: Das Lepto ist nicht aus Elektron

11.05.2011 | 18:06 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Die Drachme kommt nicht wieder, das Lepto ist noch immer da. Vor 2002 allerdings konnten nur wenige seine Existenz überprüfen.

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Das Comeback der Drachme ist nicht realistisch, sagen Kollegen, die sich mit Geld auskennen. Auch der Phönix, mit dem man von 1828 bis 1831 in Griechenland zahlte, wird wohl nicht wieder erstehen. Das Lepto aber hat beide überlebt, man kann sogar sagen: Die Einführung des Euro im Jahr 2002 hat es wiederbelebt. Danach war es als griechische Spezialausgabe des Eurocent 0,01 Euro wert, davor ca. 0,00003 Euro. Darum konnte man nichts kaufen.

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Ich kenne keinen Griechenlandfahrer, der glaubhaft berichten kann, vor 2002 ein Lepto in der Hand gehabt zu haben; im „Schotter“ aus aller Länder Münzen, den Interrail-Reisende nach Hause brachten und in die Lade legten, bis er völlig wertlos war, war es nicht, oder doch? In Spuren?

Auf Altgriechisch hatte es Lepton, „das Leichte“, geheißen, was Luther mit „Scherflein“ übersetzte. Zwei Scherflein habe die arme Witwe „in den Gotteskasten“ gelegt, liest man in der Lutherbibel (Markus 12, 41), „die machen einen Heller“. In der Einheitsübersetzung ist heute nur mehr sachlich von „zwei kleinen Münzen“ die Rede, die Umrechnung fehlt ganz.

Die Lepta – das war und ist der Plural – waren vor 2002 so „klein“, dass sie keiner in die Hand bekam. Diese Scherflein konnte keiner beitragen. Seltsam. Es gibt Beträge, die zu groß sind, als dass unsereins hoffen könnte, sie je in die Hand zu bekommen, die Staatsschulden Griechenlands etwa, aber zu klein?

Immerhin: In der nicht finanziellen materiellen Welt ist das genauso, Groß und Klein sind uns gleichermaßen fremd. Die Elektronen – die z.B. zwei Wege auf einmal wählen können, was uns nie gelingt – entziehen sich genauso unserer Anschauung, unserem Verständnis wie die Galaxienhaufen, die die Raumzeit krümmen, ohne dass ihnen schwindlig wird. Oder die Inflation, die in der Urzeit das ganze Universum jäh aufgebläht haben soll.

Heute versteht man unter einem Lepton ein (leichtes) Elementarteilchen: Zu den Leptonen – nicht Lepta – zählen die Neutrinos, die geisterhaft durch alle Materie zischen, weil ihnen die elektromagnetische Wechselwirkung fremd ist. Und vor allem die Elektronen: Mit ihren unsteten Liaisonen spielen sie das Theater der Verwandlungen, das wir Chemie nennen.

Dass die Elektronen im Gold eher unwillig sind, solche Liaisonen einzugehen, macht das Gold und das Silber so wertvoll. Schön, dass sich ihr Name von einer Legierung aus Gold und Silber ableitet: Die ältesten Münzen waren aus „Elektron“. Sie waren noch „Kurantmünzen“, so viel wert wie das Metall, aus dem sie waren. Das kann man vom Lepto nicht sagen, es ist so viel wert, wie draufsteht. Bestenfalls.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2011)

 
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4 Kommentare
Verzweifler
12.05.2011 06:26
0

der Lepto vielleicht nicht

aber der Klepto ist ganz groß in Mode

Antworten artemis70
13.05.2011 09:53
0

Re: der Lepto vielleicht nicht

matter kalauer!

Antworten Antworten Verzweifler
14.05.2011 08:24
0

Re: Re: der Lepto vielleicht nicht

aber passt

Antworten Antworten Gast: pensionär
13.05.2011 10:33
0

Re: Re: der Lepto vielleicht nicht

KLepto ist nicht schlecht!
Die armen Kriechen.

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