Es geht um Coolness, darum, die Leute mit dem Swag anzuspritzen.“ So erklärte der Wiener Rapper Sebastian Meisinger alias Moneyboy im „Presse“-Interview am 5.Jänner 2011 seine Mission. „Dreh den Swag auf“, hieß sein skurriler Hit auf YouTube, „Zähle so viel money jeden Tag“, rappte er im verschlafenen Tonfall, „Ich finde es echt geil, mein Swagger ist total außer Kontrolle, ich bin echt nice...“
Das Wort gehört zum Hip-Hop-Slang, vor Moneyboy hat es schon der US-Rapper Soulja Boy verwendet (im Stück „Turn My Swag On“), aber was bedeutet es wirklich? Ein Lexikon der englischen Umgangssprache übersetzt das Substantiv „swag“ mit Eigentum, Laden und Diebesgut, das Internetwörterbuch Leo kennt eine zweite, allerdings nur regionale und recht spezielle Bedeutung: Im Kohlenbergbau in Lancashire stehe es für „Absenken der Firste“. Beides hilft nicht weiter.
Nun hat der Münchner Langenscheidt-Verlag zumindest eine quasi offizielle Übersetzung geliefert („beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung“, „charismatisch-positive Aura“) und verkündet, dass „swag“ von einer Journalisten-Jury und 40.000 jugendlichen Internet-Usern zum Jugendwort des Jahres erklärt worden ist – nach „Gammelfleischparty“ (2008, Fest für Menschen über 30), „hartzen“ (2009, arbeitslos sein, herumhängen) und „Niveaulimbo“ (2010, Absinken des Niveaus).
Eine Ableitung bietet das Verb „to swagger“. Es bedeutet laut Leo stolzieren und/oder prahlen. Ursprünglicher dürfte die Wendung „to walk with a swagger“ sein, die etwa in Bob Dylans „Tombstone Blues“ (1965) vorkommt. Der „swagger“ ist eine Art Hüftschwung, wer „with a swagger“ geht, geht nicht hüftsteif, nicht eckig („like an Egyptian“, wie die Bangles sangen), sondern schwingt beim Gehen lässig die Hüften. Wie das aussieht, kann man in einem YouTube-Video des kanadischen Komödianten Tom Green sehen: „I walk with a swagger“, sagt Green, übertrieben lässig gehend, und reimt: „I never stagger“ (Ich taumle nie). Wobei just „swagger“ eine Analogbildung zum ebenso lautmalerischen „Schwanken“ sein könnte!
Jedenfalls ist der subtile Hüftschwung spätestens seit Elvis („the pelvis“) eine Konstante in der Popkultur; manche wollen gar das Adjektiv „hip“ von der Hüfte ableiten, laut Experten kommt es vom westafrikanischen „hepcat“, was „mit offenen Augen“ bedeutet. Die braucht man natürlich, um sich davon zu überzeugen, wer hip ist und/oder seinen Swag aufgedreht hat.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2011)















