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Sparen ist das Zurücklegen momentan freier Mittel zur späteren Verwendung.“ Gewappnet mit dieser Definition, kritisierte BZÖ-Obmann Josef Bucher die Sparpolitik der Regierung. Er plädiert für Sanktionen für Finanzminister, die das „Sparziel“ nicht erreichen, und spricht sich dagegen aus, „ständig nach den Geldbörsen der Menschen zu schielen“.
Die Definition von „sparen“ hat Bucher gewiss aus einem gängigen Lexikon. Sie entspricht auch der Etymologie des Wortes: Die älteste Bedeutung ist „bewahren, sicher behalten“. Das englische Pendant „to spare“ hat diese Grundbedeutung behalten, mit einem Objekt im Akkusativ heißt es so viel wie „etwas übrig lassen“, mit einer Person: „jemanden schonen“. Es kann auch zwei Objekte – eine Sache und eine Person – haben, dann übersetzt man es am besten mit „jemandem etwas ersparen“.
Aber nicht immer. „Brother, can you spare me a dime?“ heißt ein u.a. von Bing Crosby interpretierter, in der Great Depression verfasster Song, die Phrase kommt auch in anderen Liedern (z.B. im schönen „She Bought a Hat Like Princess Marina“ von den Kinks) vor, sie lässt sich mit „Hast du einen Zehner für mich übrig?“ übersetzen, freier mit: „Kannst du mir einen Zehner schnorren?“ Wenn diese Bitte erfolgreich ist, kann der Petent ja das erschnorrte Geld beiseitelegen und sparen...
Wenn er ehrlich war und seine Bedürftigkeit nicht nur geheuchelt hat, kann und wird er das nicht tun! Spare in der Zeit, so hast du in der Not, sagt das Sprichwort, es impliziert: In der Not kann man nicht sparen. In diesem Sinn des Wortes kann ein Staat, solange er Schulden hat, nicht sparen, er muss ja zuerst seine Schulden zurückzahlen.
Das Wort hat sein Bedeutungsfeld freilich erweitert: Wer z.B. sagt, dass er sich beim Kauf eines im Winterschlussverkauf verbilligten Produkts etwas spart, meint nicht unbedingt, dass er die Differenz zwischen Normalpreis und Aktionspreis ins Sparschwein oder auf die Bank (Sparkasse sagt man ja leider kaum mehr) legt, nein, er könnte sie auch gleich für eine zweite Mezzie (um nicht das grässliche Wort, das sich auf „Häppchen“ reimt, zu verwenden) ausgeben. Womit das „Sparziel“ sozusagen infinitesimal kurzfristig wird.
Dieses Wort verwendet Bucher, wie es heute (fast) alle Politiker verwenden: nicht für ein zu erzielendes Plus im Budget, das sich der Finanzminister dann für (im weiteren Verlauf des Wirtschaftszyklus) kommende Not aufheben kann, sondern (nur) für ein kleineres Minus. Ob so oder so: Maßnahmen, die die Erreichung eines Sparziels fördern, werden heute gemeinhin als „Sparen“ bezeichnet. Das entspricht nicht mehr der ursprünglichen Bedeutung: Wer so spart, denkt gar nicht mehr ans Aufbewahren. So gesehen ist auch die oft verhöhnte Wortkombination „einnahmenseitig sparen“ nicht so absurd.
Und wie übersetzt man „sparen“ im neueren Wortsinn ins Englische? Mit „to save“. Das heißt zunächst „retten“, und das passt ja auch ganz gut.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2011)















