25.05.2012 12:50 | Meine Presse Merkliste 0

Arabella, schöne Rebellin oder höfliche Araberin?

THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Ein neues Kunstwort ist in die Politikseiten eingezogen: „Arabellion“. Es klingt gut – und ist ein idealer Anlass für etymologische Spinnereien.

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Die „FAZ“ hat das Wort aufgebracht, nun liest man es fast überall: „Arabellion“. Diese Zusammenziehung von „Arabian rebellion“ steht für die als „Arabischer Frühling“ bekannten Aufstände im Nahen Osten und in Nordafrika. Sie erinnert an den schönen Frauennamen Arabella, der nichts dafür kann, dass ein österreichisches Privatradio nach ihm benannt ist, das banale Schlager spielt, aber angibt, „die beste Musik aller Zeiten“ zu bringen.

„Ihren Stammbaum, Arabella, den tragen Sie in Ihr Gesicht geschrieben!“, heißt es in der Oper von Strauss/Hofmannsthal. Beim Namen ist die Sache nicht so klar, da werden gleich drei Ableitungen vorgeschlagen. Die häufigste Erklärung ist, dass er „kleine Araberin“ bedeutet, wobei manche das „ella“ aus dem Spanischen ableiten, wo es einfach „sie“ heißt. Andere halten Arabella für eine im Mittelalter in Schottland aufgekommene Variation von Annabella, die sich vom hebräischen Namen Anna (= „Hannah“, Liebreiz, Anmut, Gnade) und dem lateinischen „bella“ ableitet, also „die schöne Anna“ heißt. Womit der Satz aus der Oper, „Sie sind schön, Arabella“, sozusagen etwas Pleonastisches hätte. Am wenigsten plausibel erscheint die Herkunft vom lateinischen „orabilis“ (bittend, höflich).

Mit dem Krieg hat die Arabella – zumindest etymologisch – nichts zu tun. Die Rebellion natürlich schon: Sie kommt über das Französische aus dem Lateinischen, „rebellare“ übersetzt man laut Stowasser mit „den Krieg erneuern“ oder „sich empören“.

Der Gleichklang hat schon viele Lateinschüler verwirrt, verwundert, gefesselt, hat auch peinliche Übersetzungsfehler provoziert: „bellum“ heißt „hübsch“ oder „Krieg“, je nach Zusammenhang. Dabei sind die beiden Wörter ganz verschiedener Abstammung: Das Substantiv „bellum“ kommt von der älteren Form „duellum“, dessen bis heute aufrechte Bedeutung „Zweikampf“ legt eine Herkunft vom Zahlwort „duo“ nahe.

Das Adjektiv „bellus“ (hübsch, nett) dagegen ist ursprünglich ein Diminutiv von „bonus“ (gut), die Zwischenform ist „benlus“. Dass es – und nicht das edlere „pulcher“ – mit der Bedeutung „schön“ in die romanischen Sprachen gekommen ist, liegt daran, dass diese Produkte der lateinischen Umgangssprache sind.

Das heutige Wort für „Krieg“ in romanischen Sprachen („guerre“, „guerra“) kommt übrigens nicht aus dem Lateinischen, sondern ist mit dem englischen „war“ verwandt, wahrscheinlich auch mit dem deutschen „Wirrwarr“. So hätten wir eine Brücke zwischen wirr und schön. Etymologie ist beides, Krieg nur das Erstere.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2012)

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