25.05.2012 12:52 | Meine Presse Merkliste 0

Professoren müssen (nicht) mehr verdienen

THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Titel und Orden bringen ihren Trägern den Status, den sich andere erst mühsam in Form von fetten Autos etc. erkaufen müssen.

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Als unsereins am trüben Morgen des gestrigen Tages in einem Café mit vorbildlich gelehrsamer Aura die deutschen Blätter sichtete, riefen diese in seltener Eintracht, wenn auch unterschiedlicher Stimmlage ihre Titelzeilen in die Welt. „Karlsruhe fordert mehr Geld für Professoren“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Deutsche Professoren sollen mehr verdienen“ die „Welt“, „Professoren müssen mehr verdienen“ die „Süddeutsche Zeitung“.

Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat nämlich die Besoldung von Hochschullehrern als „evident unzureichend“ beanstandet. Das wird wohl stimmen, auch wenn der Titel, den „Die Welt“ im Blattinneren gewählt hat – „Leistung muss sich lohnen“ – nach Plakatkampagne einer erfolglosen Möchtegern-Massen-&-Mittelstandspartei klingt und den Österreicher an eine in den Volksmund eingegangene Frage Walter Meischbergers erinnert.

Wir Österreicher haben freilich ein weniger enges Verständnis vom Professorentum als die Deutschen. Wir reden auch Gymnasiallehrer als Professoren an (das ist schließlich ihr Amtstitel); und wer sich nicht partout in bildungsfernen Kreisen bewegt, kann oft täglich mehrmals mit „Die Ehre, Herr Professor!“ grüßen. Vor der Türe des Zimmers, in dem ich dies schreibe, lustwandeln z.B. regelmäßig drei Kollegen, die verdientermaßen, aber ohne Hochmut den Berufstitel Professor tragen. (Dass einer von ihnen nicht so angesprochen werden will, ist eine verzeihliche Schrulle.)

Manche mögen das als typisch österreichische Titelsucht verspotten (schlechte Kabarettisten erkennt man daran, dass sie das tun); sie haben nicht recht damit. Dass die Menschen dazu neigen, sich mit Statussymbolen zu schmücken, muss man akzeptieren; und ein Titel, sei es nun Professor, Regierungsrat oder Kammersänger, ist da allemal sympathischer als eine fette, teure Uhr am Handgelenk oder gar ein fetter, tüchtig Abgas produzierender Kraftwagen auf der Straße. Er erfüllt eine ähnliche Funktion, aber mit einem wichtigen Unterschied: Wer sich gern mit redlichen Titeln wie Professor schmückt, zeigt damit, dass ihm die Welt des Geistes wichtig ist; wer lieber mit Käuflichem prunkt und wirbt, beweist, dass er nur aufs Geld versessen ist oder, noch schlimmer, glaubt, dass seine Mitmenschen das sind.

Auch wer das nicht ist, darf einen weiteren Vorteil der Titel loben: Sie kosten weniger als finanzielle Gratifikationen. Darum hat der österreichische Staat sie ja auch einst so großzügig eingeführt. Professoren, Senatsräte, Kommerzialräte etc. tragen das Prestige, das sich Titellose erst in Form von Statussymbolen erkaufen müssen, vor ihrem Namen. Oder, am Tag des Opernballs darf man das sagen, in metallischer Form auf der Brust.

Kurz: Professoren müssen nicht mehr verdienen. Trotzdem sollte ihre Besoldung evident zureichend sein.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2012)

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1 Kommentare
Gast: Werner Feith
16.02.2012 18:43
1 0

Fehldeutung

Der Autor hat das Urteil des BVerfG offenbar nicht verstanden. Es geht nicht um mehr Geld, sondern um Chancengleichheit. Der kapitalorientierten W-Besoldung, die nach di Fabio zu einer Kannibalisierung der Gehälter nach unten führt, hat das Gericht Grenzen gesetzt. Und das ist gut so.

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