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Gedynsteter Fysch und Fyakergulyás auf meinem Yppenplatz

19.04.2012 | 18:21 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Gibt es auf dem Yppenplatz „nur mehr arabische und türkische Lokale“? Oder „verschwinden“ die Türken? Beides stimmt nicht.

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Orte mit Y haben ihren Reiz: Das „fremde I“, wie man in Wien sagt, verleiht ihnen exotische Würde mit einem Hauch von Komik. Das französische Dorf Y etwa, dessen 81 Einwohner sich „Ypsiloniens“ nennen. Oder Ybbs an der Donau. Der Name sei keltisch, heißt es, Ybbs komme von Ivisa wie Enns von Anisa; mit Ibiza und Bes, dem ägyptischen Gott der Zeugung, ist es wohl nicht verwandt, schade. Wann und wie sich die Stadt das Y errungen hat? Durch Verzicht auf einen zweiten Mittwoch pro Woche? Weiß nicht.

In Wien gibt es zwei Straßen mit Y: die Ybbsstraße (im Zweiten, parallel zur Ennsgasse) und die Yppengasse. Die führt zum Yppenplatz, womit wir am Ziel wären.

Oder doch nicht? Denn ich argwöhne inzwischen, dass es nicht einen Yppenplatz gibt, sondern drei. Einen, den FP-Generalsekretär Harald Vilimsky erforscht hat. „Der ursprüngliche Charakter dieses Platzes wurde ausradiert“, erklärte er dem „Kurier“: „Da gibt es nur mehr arabische und türkische Lokale und Geschäfte, aber keinen Wiener Wirt.“

Einen zweiten Yppenplatz bemühen Kolumnisten, wenn sie über „Bobos“ witzeln. Er war auch in einer „Standard“-Rezension eines Wiener Krimis gemeint, in dem das „Ottakringer Habitat zwischen Yppenplatz und Gürtel vor die Hunde geht“. Was sich so äußern soll: „Die Türken, die Unterschicht, die Sauerkrautgeschäfte verschwinden. Dafür gibt es in neuen Lokalen für Leute, die nicht alt werden dürfen, plötzlich Dinge wie ,gedünsteten Fisch‘ auf der Karte.“

Über den dritten, m.E. real existierenden Yppenplatz kann ich selbst berichten, weil ich ihn täglich mit dem Rad überquere. Weil ich dort in der Abendsonne sitze. Weil meine Kinder dort einst ihren ersten Almdudler selbst bestellt haben. Weil ich... Egal, das ist keine Bekenntniskolumne. Dort sitzen Menschen of all walks of life, meist wenig elegant, auch manche mit sog. Migrationshintergrund, die Burschen, die in den Nächten auf Samstag und Sonntag mit riesigen Autos die Ottakringer Straße auf und ab fahren, eher nicht; denen sind die Lokale wohl nicht chic genug.

Denn besonders vornehm sind sie nicht, das C.I. und das An-Do, die sich den zentralen Teil des gut betonierten Schanigartens teilen. Auch nicht das „Gasthaus am Yppenplatz“: Diese stolze Bezeichnung steht neuerdings auf dem Gasthaus Müller, in goldenen Lettern. Die Speisekarte hat sich nicht verändert, das Achterl kommt auf 1,20 und definitiv nicht aus der Bouteille. Ich kann mir keine Kriterien für das Prädikat „Wiener Wirt“ vorstellen, die dieses Lokal nicht erfüllt. Dort soll sich der FP-Generalsekretär bitte unter Beobachtung des „Standard“ einen gedünsteten Fisch bestellen oder halt ein Fiakergulasch. Mit á, damit er was zum Ärgern hat. Oder mit fremdem I.

 

thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2012)

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