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Bob Dylan darf sogar Fliege und Sonnenbrille tragen

30.05.2012 | 18:06 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Der amerikanische Meister des Songs hat von seinem Präsidenten eine Medaille bekommen. Er hat sie in Würde entgegengenommen.

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Kein Mascherl. Keine Kufiya. Keine Sonnenbrille (außer bei einer Autofahrt in die untergehende Sonne). Kein Tornister (auch nicht mit Hölderlin drin). Zumindest diesen vier selbst auferlegten Verboten lebenslang treu zu bleiben, das war mein Vorsatz.

Doch nun schicken die Bildagenturen Fotos des von mir seit 36 Jahren verehrten Bob Dylan um die Welt, auf denen dieser zwar kein Palästinensertuch und kein Soldatenränzel trägt, aber Fliege und Sonnenbrille (siehe die erste Seite dieses Blattes). Dazu eine Medaille an einem blauen Band, das ihm der hinter ihm stehende US-Präsident, Barack Obama, soeben um den Hals legt (und das er sich freilich nicht übers Ohr hängt, solche Narreteien überlässt man tibetischen Gottkönigen auf Kärnten-Besuch). „Come on over“, sagte Obama zu Dylan und lobte ihn, wie es sich gehört.

„Do what the captain says, lots of medals you will get“, sagt in Dylans Moritat „John Brown“ die Mutter zum Sohn, der in den Krieg zieht. Versteht sich, dass die Medaille, die Dylan nun empfangen hat, keine militärische ist, sondern eine zivile, nämlich die hohe „Presidential Medal of Freedom“. Neben Dylan hat sie am Dienstag u.a. John Glenn bekommen, der 1962 als erster Amerikaner die Erde dreimal in einem Raumschiff umkreist hat, von 1974 bis 1999 US-Senator war und 1998 wieder die Erde umkreist hat, diesmal gleich 134 Mal. Respekt.

„I have dined with kings, I've been offered wings, but I've never been too impressed“, singt Bob Dylan in „Is Your Love In Vain“. Barack Obama hat ihn immerhin so weit beeindruckt, dass er seinem Wahlerfolg eine seiner höchst raren Wortmeldungen bei Konzerten widmete: In Minneapolis am 4.11. 2008 soll er ungefähr Folgendes gemurmelt haben: „I was born in 1941 when Pearl Harbor happened and I've been in darkness ever since, but it looks like that's going to change.“

Also eine Sonnenbrille! Wozu natürlich auch ein Dylan-Zitat passt, diesfalls aus dem „Outlaw Blues“: „I got my dark sunglasses, I got for good luck my black tooth, don't ask me about nothin', I just might tell you the truth.“ Und, wie wir aus „Gates Of Eden“ wissen: „There are no truths outside the gates of Eden.“

Vielleicht haben die Augenärzte ja recht, wenn sie empfehlen, die Netzhaut tunlichst zu schützen. Fürs Mascherl aber spricht m.E. keine medizinische Expertise. Und kennt jemand einen Dylan-Song, der das Wort „bow tie“ enthält? Na eben. Alles muss man dem Meister auch nicht nachmachen.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2012)

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1 Kommentare
Gast: Antonik-Seidler
02.06.2012 01:03
0 0

Meine Antwort...

...Finden Sie hier. Sry wenn ich zu streng sein sollte, aber der Geehrte liegt mir am poetischen Herzen.
http://derschauer.blogspot.co.at/2012/06/medals-und-moden-sind-wurscht-bob-dylan.html


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