25.05.2012 12:57 | Meine Presse Merkliste 0

Niederösterreichs mächtigster Hochsitz wird vakant

NORBERT MAYER (Die Presse)

Landesjägermeister Konrad plant fürs Frühjahr die „Hofübergabe in jüngere Hände“. Welcher Pröll ist dann der Wichtigste im ganzen Land?

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Zu meiner Lieblingslektüre zählt das Bilderbuch „Der Bär auf dem Försterball“ von Peter Hacks. Darin ist alles gesagt, was einem im Leben zustoßen kann, zumindest in beschränkter Männergesellschaft. Unerkannt sitzt der Bär beim Maskenball jener Herren, die nicht nur den Forst pflegen, sondern nach einigen Kübeln Alkohol besonders scharf auf die Jagd sind und nur noch an die Büchse denken, die halt wieder knallen muss. Beim Försterball erfährt man aus der Sicht eines direkt Betroffenen, wie Waidmänner wirklich sind, und ahnt, warum das grollende Kompositum „Oberforstmeister“ von Samuel Beckett im beinahe baumlosen Drama „Warten auf Godot“ als ultimative Beleidigung verwendet wird.

Der Oberforstmeister ist ein mächtiger Mann. Noch höher im Rang wird allerdings der Landesjägermeister eingestuft, eine Ehrfurcht gebietende Gestalt. Wie mächtig solch ein oberster Waldläufer ist, wurde mir vor vielen Jahren klar, als ich von einem indignierten Zeugen folgende Geschichte erzählt bekam. Sie ist schon so lange her, dass ich mich weder an das Land noch an die Namen erinnere, nur an die Typen. Vielleicht handelt es sich auch um Jägerlatein, denn nirgends gibt es so viele Grubenhunde wie im von der Jagd infizierten Journalismus:

Ein wackerer Landesjägermeister lud zur Jagd. Dabei durfte auch ein eifriger Chefredakteur zuschauen, dessen Zeitung zu diesem Waidmann andächtig aufblickte. Es wurde viel getrieben, der Herrscher über die Landesforste schoss einen Hasen (es könnte auch ein Fasan gewesen sein). Da sprach der Landesjägermeister zum Chefredakteur: „Hol es her!“ Und deutete auf die Beute. Flink und tapfer stapfte der Untergebene über das weite Feld und sammelte die Überreste des Tieres ein.

Bei solchen Unternehmen wird man immer schmutzig. Jedesmal aber, wenn diese Art von Journalist in mutigen Leitartikeln das Alphatierchen gibt, denke ich still: „Na dann apportier doch mal schön, Bello!“

In Niederösterreich sind solche Bräuche wahrscheinlich nicht möglich. Da wird kein Fremdbär zum Ball eingeladen oder zum Sauschädel-Essen. Und wenn dort eine Wachablöse im höchsten Forst stattfindet, wenn der oberste Hochsitz vakant wird, dann hat man die Hofübergabe in jüngere Hände seit Jahren geplant. Das muss auch so sein. Denn wer in Niederösterreich über die Jagd gebietet, beherrscht über kurz oder lang das ganze Land. (Wer dann unter dem allumfassenden Landesjägermeister Landeshauptmann sein darf, ist an sich unerheblich.)

Bei Försterbällen kann man sich neuerdings gefahrlos gehen lassen. Österreich scheint wieder bärenfrei zu sein, der letzte heimische Braunbär ist seit einiger Zeit abgängig. Nicht einmal beim Kärntner Försterball wurde dieser Moritz gesichtet. Wahrscheinlich hat ihm seine Frau den Besuch von schlechter Gesellschaft verboten.

 

E-Mails an: norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2011)

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2 Kommentare

Der Wert der Jagd

In meinen Kindertagen in Südböhmen erlebte ich die großen Niederwildjagden mit: In einer Kolonne von Jagdwagen kam die Beute an Hasen und Fasanen in den Hof, wo die Wildprethändler aus Prag ect. die Strecke bar bezahlten - willkommenes Geld im Gutsbetrieb, von dem nicht nur die Herrschaft lebte. Als mittelloser Heimatvertriebener, kundig, daß die Jagd eine hohe Kunst ist, hielt mich die Notwendigkeit neuerlichen Aufstiegs von zeitraubenden, kostspieligen Liebhabereien - wie es die Jagd ist - fern. Doch sollten die Spötter der Jagd wissen, daß ohne die Bereitschaft von Jägern, viel Geld für Jagdpachten und/oder Abschüsse auszugeben, die verbliebene Fauna (Rot- Reh- Schwarzwild ect. ) ausgerottet wäre. Auch die Kostbarkeit des Wienerwaldes verdanken wir der Jagdlust des Kaiserhofes: Kaiser Ferdinand I. nutzte nach der Türkenbelagerung 1529 die Gunst der Stunde, die von den Türken total ausgemordete Umgebung im Westen Wiens großzügig aufzuforsten. Denn - historisch als Prärogative der Kriegerkaste vorbehalten- dem nachmaligen Adel (bis 1848), war die Jagd die Lieblingsbeschäftigung des Adels im Frieden. Der Wienerwald machte daher den Kaiserhof zur Lieblingsresidenz des europäischen Adels, durchaus im Sinne der Staatsräson.

Gast: tom green
17.12.2011 10:07
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chapeau, meister.

chapeau, meister. für diesen artikel.
ein niederösterreicher.

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