25.05.2012 13:03 | Meine Presse Merkliste 0

Das Wort Sparpaket kommt von belastender Bagage

NORBERT MAYER (Die Presse)

Gott behüte uns vor beschönigenden Wortschöpfungen! Was Österreichs Bundesregierung plant, geht Nichtprivilegierten ins Kreuz.

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Wenn sich besonnene Schweizer zuvorkommend verabschieden, dann sagen sie: „Spar di Gott g'sund“. Damit spielen sie jedoch nicht auf gut gefüllte Nummernkonten in Zürich an, sondern sie verwenden das Zeitwort so, wie es die Briten tun, wenn sie „to spare“ sagen – es geht bloß um Verschonung. Die Schweizer wollen damit nur ausdrücken, dass der Himmel vom Angesprochenen Schlimmes abwende, er möge ihm die Gesundheit bewahren.

In Österreich könnte man heute sinngemäß sagen: Möge Gott abhüten, was die Bundesregierung, ihre Länderchefs, Gewerkschaften und Kammern für ein fortschrittliches Sparpaket halten. Denn mit der bisher bei uns üblichen Bedeutung des „Noch-nicht-Aufbrauchens“ hat so ein großzügiges großkoalitionäres Paket nichts zu tun. Werner Faymann und Michael Spindelegger, dieser Januskopf auf der Scheidemünze heutiger Finanzpolitik, denkt nämlich nicht daran, weniger Geld auszugeben, sondern immer mehr. Österreichs Budget wird seit geraumer Zeit von Rekordsteuereinnahmen genährt, dennoch spart der Staat nicht, sondern prasst.

Das Wort Sparpaket ist der Euphemismus für ein Belastungspaket, das nicht den Willen zur Beschränkung zeigt, sondern die laszive Absicht, mit noch mehr Einnahmen noch mehr Staatsschuld aufzuhäufen, die dann zugegebenermaßen nicht das Problem der hoffentlich bald glücklichen Pensionisten Faymann und Spindelegger, sondern die Strafe für künftige Generationen sein werden. Spar di Gott g'sund – und denk nicht an morgen!

Womit wir beim zweiten Teil dieses unangenehmen Kompositums Sparpaket sind. Das Wort „Paket“ ist die französische Verkleinerungsform von „Pack“, kein niedliches Diminutiv, sondern ebenfalls ein freches Schönreden. Flandrische Händler bezeichneten damit Wollbündel, die ausgebeutete Träger auf den Rücken geschnürt bekamen, bis ihnen fast das Kreuz brach. Das Wort Pack hat auch einen verächtlichen Beigeschmack, und das trifft auf jene zu, die es schnüren. Nur eine zynische Bagage kann von Sparen sprechen, wenn sie arbeitenden Menschen ein weiteres Bündel auflastet. Sogar die Assoziation mit Gesindel scheint angebracht.

Ein Koalitionspartner hat sich einst damit geschmückt, dass Transparenz eingeführt werden soll, wenigstens, wenn es um Geld geht. Wer diesen guten Vorsatz ernst nimmt, sollte damit beginnen, dass er erst einmal das irreführende Wort Sparpaket einspart und Kostenwahrheit schafft. Zugegeben: Den Begriff „Belastung“ wird kein Politiker mit noch so großen Defiziten über die Lippen bringen, etwas Gewöhnung an Ungemach sollte aber zumutbar sein. Wie wäre es mit dem Slogan „Exklusiver rot-schwarzer Diätplan zur Rettung privilegierter Stände“? Wer das nicht begreifen will, dem sei mit sanftem Druck gesagt: „Wir machen Sie schlank. Machen Sie sich schon einmal frei. Sie werden sich garantiert erleichtert fühlen.“

 

E-Mails an: norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2012)

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2 Kommentare
Gast: barra
02.02.2012 02:52
0 0

es ist

eigentlich ziemlich egal wie es steht.
diese bagage rafft auf jedenfall alles was sie in die finger kriegen können, und was sie nicht einstecken können machen sie kaputt damit es auch niemand anderer bekommt.

GKRIEGL
30.01.2012 14:27
0 0

Sehr gut

und sehr richtig.

Und jetzt sitzen wir ängstlich herum und fragen uns: " Triffts auch mich, oder hab' ich (wieder) Glück?"

Man muß schon sehr viel Geld und Einfluß haben um aus diesem Schlamassel als wohlhabender Bürger herauszukommen!

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