25.05.2012 13:05 | Meine Presse Merkliste 0

Wie viel Sex haben Sie bei Google? Und wie viel Kredit?

NORBERT MAYER (Die Presse)

Von Facebook habe ich mich aus Gründen des Datenschutzes verabschiedet. Was hilft das aber, wenn man einen Allerweltsnamen hat?

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Immer wenn ich George Orwells Roman 1984 zur Hand nehme, wie unlängst zur Jahreswende, entwickle ich in der Folge eine milde Form der Paranoia. Die habe ich diesmal bekämpft, indem ich mich – ruckzuck – von Facebook abgemeldet habe. „Solche Netzwerke missbrauchen nämlich unsere Daten, sie schicken sie gezielt an Werbeagenturen, Versicherungen, die Wiener Ärztekammer, deshalb habe ich mich jetzt gelöscht“, sage ich meiner Frau. „Wie naiv!“, entgegnet sie, „jeder weiß doch, dass man sich von Facebooknicht scheiden lassen kann. Die speichern alles und bleiben dran. Die wissen sogar, dass du heimlich gerne Kokoskuppeln isst.“

Jetzt ist er wieder da, der Verfolgungswahn, der gar keiner ist, weil sie wirklich hinter mir her sind. Wenn die Berichte stimmen, dass Arbeitgeber in den USA, FBI und Hollywood systematisch prüfen, was ihre Opfer und Bewerber auf dem PC haben, dann kann ich mir einige späte Karrieren abschminken. Dann werde ich weder Wasenmeister bei der ÖVP noch Twitter-Berater bei der SPÖ. Und schon gar nicht Zeugwart bei Rapid.

Ich prüfe zur Sicherheit bei Google nach. Warum verbinden mich 131.000 Einträge mit den Blauen, 32.400 mit den Grünen, aber fast 700.000 mit Farben an sich? Das Geheimnis ist schnell enthüllt: In Vorarlberg gibt es einen Gemeinderat der FPÖ, der sogar Doktor ist, und einen berühmten Dichter und Maler, der zu allem Überfluss im selben Jahr geboren ist wie ich. Aber weiß das auch meine Versicherung?

Mit denen sitze ich jetzt also in einem Soziale-Medien-Boot, wenn es um Evaluierungen geht. Armer Lyriker, denke ich; da schreibt der echte Dichter Norbert Mayer aus Egg Kostbares wie den Band Wortungen, die Leute aber fragen ihn vielleicht bei Vernissagen profan, was er an Strache so toll finde oder ob er Gratiskarten fürs Raimundtheater besorgen könne.

Ich google mich in Abgründe. Warum haben wir (also meine Namensklone und ich) 11.000 Google-Einträge zum Thema Sex, während Alfons Haider sich mit 95.000 brüsten darf? Sogar Fritz Neugebauer hat mehr Verkehr als wir – man weiß um die Erotik der Politik, Lyrik und Feuilleton sind eher für das Schöngeistige da. Aber all diese Werte verblassen gegenüber der Viertelmillion geschlechtlicher Einträge bei Richard Lugner. Der ist bei Google zum Thema Nummer eins in einer Liga mit Christoph Schönborn und Senta Berger.

Kommen wir schließlich zum Wesentlichen. Welche Partei hat die meisten Schulden bei Google? ÖVP: 265.000. SPÖ: 311.000. Grüne: 2.740.000 (Pech, dass es auch deutsche Grüne gibt). Die kriegen wohl alle keinen Kredit mehr. „Norbert Mayer“ und Schulden: 1300 Einträge. Das ist hoffentlich noch tolerabel, liebe Hausbank. Danke, ihr Namenskollegen aus dem Westen. Die Alemannen sind eben für ihre Sparsamkeit bekannt.

 

E-Mails an: norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)

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3 Kommentare
Ka_Sandra
11.02.2012 08:47
0 0

All diese Kalamitäten könnten Sie sich ersparen.....

wenn Sie sich rechtzeitig einen Middle Name zugelegt hätten. Der sorgt für Unverwechselbarkeit und kann zu einem Markenzeichen werden, wie z.B. bei George Dabbljuh ;-)

Fast jeder hat doch einen Zweitnamen im Taufschein. Auch wenn dessen Träger vielleicht nicht glücklich darüber ist, dass die Eltern damit Großvater Alois oder Patenonkel Ferdinand eine Freude machen wollten: als Abkürzung macht sich so ein Middle Name allemal gut.

Oder man erfindet sich selbst neu und flunkert sich einen Buchstaben dazwischen:

Norbert O. Mayer.......

Das hat was. Klingt edel und geheimnisvoll. Hebt den Träger aus der unüberschaubaren Masse der Mayers in allen Variationen heraus.


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Re: All diese Kalamitäten könnten Sie sich ersparen.....

Wenn ich einen Buchstaben dazwischenflunkern würde, wäre das ein kleines V ...

Antworten Antworten Ka_Sandra
12.02.2012 19:01
0 0

Re: Re: All diese Kalamitäten könnten Sie sich ersparen.....

Ach ja, tempi passati.....
Sind Sie etwa ein Heiratsschwindler?
;-)

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