Festspieltrubel allenthalben. „Kunst auf jedem Misthaufen“, ätzen Skeptiker. Kunst sei „notwendig“, entgegnet Bundespräsident Heinz Fischer. Er sagte es anlässlich der Eröffnung des Carinthischen Sommers und angesichts – oder, genau genommen, nicht angesichts des obersten Kärntner Kulturpolitikers, denn der erschien nicht zum Festakt. Er mag den Intendanten nicht und steht auch hinter den Budgetkürzungen, die verhindern, dass Ossiach in Hinkunft Kirchenopern herausbringt.
Die waren seit Brittens „Verlorenem Sohn“ Aushängeschild des wichtigsten Kärntner Festivals. Aber irgendwo hört sich die Notwendigkeit der Kunst wahrscheinlich auf. Wo, fragen sich Intendanten und Subventionsgeber nicht nur an südlichen Seen.
Was würde der frischgebackene Salzburger Festspielintendant sagen, wenn man ihm den „Jedermann“ wegsparte? Alexander Pereira droht ja schon mit Rücktritt, wenn die finanziellen Zuwendungen nicht so stark erhöht werden, wie er es gern hätte!
Was würden auch die Wagner-Schwestern in Bayreuth sagen, wenn man ihnen am künstlerischen Zeug flicken wollte? Die beiden Intendantinnen auf dem grünen Hügel beweisen Stehvermögen. Von der deutschen Presse werden sie quasi im Wochenrhythmus attackiert, finden jedoch für die tollsten Probleme Lösungen.
Nicht einmal der Rückzug der Brünnhilde, die für die „Ring“-Neuproduktion zum 200.Geburtstag des Urgroßvaters in Aussicht genommen war, konnte Bayreuths Führungsriege aus der Fassung bringen. Angela Denoke traut sich die Monsterpartien nicht zu. Catherine Foster springt ein, eine Hochdramatische, die – auch via DVD nachzuprüfen – schon bewiesen hat, dass sie den anspruchsvollen Partien technisch gewachsen ist.
Apropos verfilmte Wagner-Dramen: Katharina Wagner hat auch ihren Bannfluch aufgehoben und zugestimmt, dass Stefan Herheims atemberaubende Produktion des „Parsifal“ am 11.August in etliche Kinosäle übertragen wird. Die aufwendige Inszenierungsarbeit, in der die „Parsifal“-Erzählung mit der Bayreuther Rezeptionsgeschichte verschmilzt, wird also dokumentiert.
Es gibt nicht viele Inszenierungen jüngeren Datums, bei denen das so rückhaltlos zu begrüßen ist. Das diesbezüglich größte Rätselspiel lautet ja: Was wird Frank Castorf, der notorische Stückezertrümmerer, 2013 aus dem „Ring des Nibelungen“ machen? Immerhin: Dirigent Kirill Petrenko hat bei der ersten Vorbesprechung klargemacht, dass in Wagners Musik und deren Verlauf nicht eingegriffen wird: Man spielt „Rheingold“, dann den ersten Akt „Walküre“, dann den zweiten und so weiter bis zum Finale der „Götterdämmerung“.
Sage keiner, das sei doch ohnehin selbstverständlich. In Zeiten wie diesen ist es gut, wenn ein Kapellmeister vor Probenbeginn auf scheinbare Binsenweisheiten hinweist...
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2012)















