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Es war einmal ein philharmonischer Konzertmeister

29.07.2012 | 18:32 |  WILHELM SINKOVICZ (Die Presse)

Philharmonische Erinnerungen werden derzeit eher im Attergau denn in Salzburg wach. In St. Georgen gedachte man Gerhart Hetzels.

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Auf den Tag genau vor 20 Jahren war an dieser Stelle eine bestürzende Todesnachricht zu formulieren. Die Wiener Philharmoniker verloren kurz nach dem Auftakt der Salzburger Festspiele 1992 ihren Ersten Konzertmeister, Gerhart Hetzel. Es war ein tragischer Wanderunfall.

Hetzel war für das Orchester eine Integrationsfigur sondergleichen, der geborene Konzertmeister, denn seine Autorität wirkte verbindlich, sichernd, vertrauensbildend, auch und gerade in dem Fall, dass am Dirigentenpult vielleicht gerade ein Mann stand, der über diese Tugenden nicht verfügte.

In Salzburg hat vielleicht manch einer der großen Künstlerpersönlichkeit gedacht, weil bei den Festspielen heuer akuter philharmonischer Konzertmeistermangel herrscht. Rainer Küchl, der nach Hetzels Tod in die erste Position aufrückte und diese seither kompetent und wohl auch mit der nötigen Trotzigkeit gegen beide Seiten der Front, ob Dirigentenpult, ob Orchesterkollektiv, ausfüllt, kämpft heuer Seite an Seite mit seinem Kollegen Rainer Honeck.

Die beiden anderen Führungskräfte der ersten philharmonischen Geigengruppe stehen derzeit nicht zur Verfügung. Albena Danailova ist im Mutterschutz. Und Volkhard Steude, wie Hetzel einst aus Deutschland „zugewandert“, aber musikalisch eingewienert, fällt nach einer Operation für einige Wochen aus.

Steude hätte auch am Gedenkkonzert für Hetzel mitwirken sollen, das eben beim Attergauer Kultursommer stattfand. Da musizierten ehemalige Kollegen Hetzels, Flötistenlegende Wolfgang Schulz und der Mann am Solocello, der heuer seinen letzten Festspielsommer absolviert, Franz Bartolomey. Dessen Frau Mechthild organisiert das Festival. Sie hat auf Hetzels Todestag nicht vergessen.

Die Kollegen wiederum erinnern sich daran, dass der Geiger sie einst zum gemeinsamen Musizieren gebeten und Werke von Bach aufs Programm gesetzt hat, Musik, die im philharmonischen Alltag keine Rolle spielt – aber in den Köpfen der Musiker als eine Art Urgrund des abendländischen Musikrepertoires stets präsent ist.

Deshalb spielte man wieder Bach zu Hetzels Gedenken. Wer die Rahmenbedingungen der endlosen Diskussion über Aufführungspraxis und Klangstil studieren will, könnte übrigens dem Attergauer Festival gleich treu bleiben. Dieser Tage folgen Auftritte von Phil-Blech – Mitglieder der großen Wiener Orchester demonstrieren am 3. August, wie man „schwere“ Bläserklänge philharmonisch austariert – bei symphonischen Arrangements bis zum Bruckner-Adagio.

Wie um den Gegenpol zu erkunden, gastiert dann am 5. August Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus musicus in St. Georgen und interpretiert in der Pfarrkirche die „Tageszeiten“-Symphonien des jungen Joseph Haydn.

 

E-Mails an: wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2012)

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