Neuigkeiten vom Küniglberg lesen sich immer amüsant. Vorausgesetzt, man hat einen guten Magen, darf man die (Partei-)Freunderlwirtschaft, die in der ORF-Führung so ungeniert betrieben wird, vielleicht als besonders komödiantische Ausprägung österreichischer Umgangs-Kultur betrachten.
Fragen nach der Kultur und wofür unsereiner die GIS-Gebühr entrichtet, sind damit wahrscheinlich hinreichend beantwortet. Viel anderes und Exklusiveres als den unappetitlichen Postenschacher unter Eingeweihten hat das Institut ja nicht anzubieten.
Die Anmutung, ein öffentlich rechtlicher Sender hätte – zum Jahreswechsel zumal – Flagge zu zeigen und sich als Kulturmotor eines Landes zu erweisen, scheint rettungslos altmodisch. Waren das Zeiten, als ein Generalintendant noch davon schwärmte, einem Kulturinstitut vorzustehen und es als dessen vornehmste Aufgabe bezeichnete, das Publikum zu bilden – wenn es sein müsse, „meuchlings“.
Ich frage mich oft, was Gerd Bacher über die Begebenheiten in jener Institution, die einstmals die seine war, heute so denkt. Waren das Zeiten, als ganz selbstverständlich nach jeder Premiere in einem besseren Wiener Haus Karl Löbl als Kulturchef des ORF nach nächtlichem Nachrichtenblock live auf dem Bildschirm erschien, um der Menschheit mitzuteilen, was in Burg und Oper so alles passiert.
Ganz gleich, ob ihm etwas gefiel oder nicht: Solange Bachers Kultur-Zerberus engagiert seine Meinung abgab, wusste die Nation, dass das, was hierzulande im Kulturbetrieb produziert wird, wichtig zu nehmen ist.
Heute wissen nur noch die Ausländer, die Österreich besuchen, dass das Einzige, was dieses Land an Nennenswertem zu bieten hat, die Kultur ist, jene Kultur, von der das öffentlich-rechtliche Medienimperium so gut wie keine Kenntnis mehr nimmt. Was anderes als eben aktivierte Kompetenz-Ballung – Österreichs führender Dirigent und der Doyen der heimischen Regiekunst nehmen sich der „Fledermaus“ an (siehe oben) – wäre kommentierens- und sendenswert?
Und wer zeichnet auf und sendet und bringt die Aufführung in die Welt, ordnet sie, wie diesfalls geschehen, in den internationalen Kontext zwischen die großen Silvesteraktionen Europas und der New Yorker Met? Der deutsch-französische Sender Arte. Dort war der zweite Akt der „Fledermaus“ live zu erleben. Dort wird die ganze Aufführung gesendet. Dort sieht man Kultur aus ganz Europa, auch aus Wien.
Vielleicht sollte man die GIS-Gebühren in Richtung Arte umleiten – zumindest so lange, bis die Herrschaften auf dem Küniglberg sich ihre Posten zugeschanzt haben und irgendjemand dort oben sich wieder des sogenannten „Kulturauftrags“ besinnt – mit dessen Erfüllung allein jegliche „Gebühr“ zu begründen wäre.
E-Mails an: wilhelm.sinkovicz@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2012)















