25.05.2012 16:18 | Meine Presse Merkliste 0

Muehl: Ein Verzeihen wird endlich möglich

ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

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Er wird einem dadurch nicht sympathischer, aber Otto Muehl hat – anders als viele Missbrauchstäter anderer autoritärer Organisationen – eine Haftstrafe zur Gänze abgesessen. Und sich jetzt, mit 85 Jahren, spät, aber doch, offiziell bei den damals Jugendlichen der Kommune Friedrichshof entschuldigt. (Wodurch er sich ganz nebenbei auch den Weg zur moralisch bisher schwierigen Anerkennung seines künstlerischen Werks ebnete.) Am Donnerstag, bei der Pressekonferenz zur Muehl-Ausstellung im Leopold Museum, verlas seine Agentin einen Brief, der entkräftet, was immer noch auf der Homepage des Muehl-Archivs steht: „ich bin mir keiner schuld bewußt“.

Erstmals werden Töne angestimmt, auf die man nach seiner Entlassung vor 20 Jahren wartete: „die stellungnahme der jugendlichen damals im gerichtssaal machte mich fassungslos. ich wollte sie befreien und habe sie mit sexueller überschreitung stattdessen überrumpelt und gekränkt. (...) ich hoffe, dass sie mir verzeihen.“ In seiner neuen Kommune in Portugal wäre ihm vieles klar geworden. „dass ich mich öffentlich entschuldige, mache ich heute, weil ich auf keinen fall das gefühl hinterlassen möchte, dass es mich kalt lässt, dass ich menschen verletzt habe (...).“ (www.diepresse.com/muehlbrief)

Die anwesende Gruppe kritischer Ex-Kommunarden zeigte sich jedenfalls überrascht und „erfreut“ über das späte Bekenntnis. „Das macht die Sache viel einfacher“, so Sprecher Hans Schroeder-Rozelle, der auch die Zusammenarbeit mit Rudolf Leopolds Sohn, Psychotherapeut Diethard Leopold, lobte. Tatsächlich hat dieser eine völlig neue Gesprächskultur in die polarisierte Muehl-Rezeption eingeführt: Durch seine mediatorischen Fähigkeiten bereitete er ein Feld, auf dem Verzeihen möglich wird. Bei aller Kritik, die man zu dieser engagierten Ausstellung noch äußern kann (über die Trennung von Kunst und Leben etwa): Was konnte Wichtigeres erreicht werden!


almuth.spiegler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2010)

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1 Kommentare
textor
13.06.2010 05:32
1 0

Man muß nur ein Linker sein

dann darf mal alles, sogar sich an Kinder vergehen.
Diese Entschuldigung ist doch billig, es geht doch nur darum, das Gewissen der linken Kulturschickeria zu beruhigen, damit sie die angebliche Kunst des Herrn Muehl mit ruhigerem Gewissen ausstellen können.

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