Jedenfalls waren sie nicht in den Ständen der rund 300 internationalen Galerien vertreten. Dort wurden nämlich – die Wirtschaftskrise verlangt Marktsicherheit – vor allem teure Werke alter Herren angeboten. Warhol, Picasso, Alexander Calder führen das Angebot an. Irgendwann, nach über 40 Herren, recherchierte die Londoner Kunstzeitung, folgten dann erst Louise Bourgeois und Agnes Martin.
Wo aber sind die Frauen in der Kunst? Sie sitzen schwarz gewandet hinter den Empfangstischen der Galerien. Stehen als abgekämpfte Galeristinnen hinter diesen Mädchen und kommandieren sie herum. Und treten in seltenen Fällen als Kundinnen auf: Unter den führenden Sammlern sind Frauen aber noch immer die absolute Ausnahme, in Österreich öffentlich überhaupt nicht präsent – erkläre mir das einmal jemand soziologisch!
Blicken wir in die Museen: Mit Brigitte Kowanz bekommt gerade die erste Künstlerin in der Mumok-Serie ihre Midcareer-Ausstellung. Im Kunsthaus Bregenz ist nach der frauenlosen Ära des ehemaligen Direktors jetzt eine neue angebrochen, die mit Cosima von Bonin beginnt. Und vielleicht darf in ferner Zukunft auch in die Albertina einmal eine Künstlerin einziehen: Seit Eröffnung wurden dort zwar schon öfters Warhol, Picasso, Alex Katz gezeigt. Noch nie aber bekam eine Künstlerin eine Einzelschau.
Die Hoffnung liegt bei den Kuratorinnen, zumindest diese haben in den nächsten Jahren die meiste Macht: Die „documenta 2012“ wird von Carolyn Christov-Bakargiev geleitet, die Biennale Venedig 2011 von Bice Curiger. Spätestens dann beginnt auch wieder Ihr „Kunstlicht“ zu scheinen. Nach zehn Jahren leidenschaftlichen Schreibens über bildende Kunst lege ich eine Pause ein. Es tröstet mich mein „Schreibtischbild“, geschossen vor Jahren in einem Fotoautomaten der Künstlerin Zenita Komad: „Ich werde niemals schweigen“ steht darauf. Also dann.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2010)















