Es war das Unwort der internationalen Kunstszene 2009: „Galeriensterben“. Es trieb in New York, Berlin, London sein Unwesen. An Wien ist es damals vorübergezogen. Jetzt taucht es gerade hier wieder auf, im Spätherbstnebel, gespenstisch. Und traurig. Dana Charkasi hatte die Nase voll und beschloss ihr engagiertes Galerieprogramm im Griechenbeisl. Sabine Jaroschka verlässt Hilger Contemporary als Galerie-Leiterin. Karol Winiarczyks eben erst eröffneter neuer Standort in der Eschenbachgasse ist geschlossen, seine Homepage vom Netz genommen. Helmut Hartmann ließ sich nach drei Jahren Einsamkeit im zweiten Bezirk von seinem „sehr schwer zu benennenden, aber andauernd schlechten Gefühl“ überwältigen.
Nach 15 Jahren ging auch Silvia Grossmann (Atrium ed Arte) „der Atem aus“. Mit der Galerie Grita Insam schließt morgen eine Wiener Institution. 1971 sperrte sie auf, als eine der ersten Avantgarde-Galerien der Stadt, sie kämpfte für Konzeptkunst und Kunst im öffentlichen Raum. „Informationsgalerie“ war das Schlagwort. Gemeinsam mit Rosemarie Schwarzwälder und Ursula Krinzinger bildete sie über Jahrzehnte ein starkes, mitunter auch gefürchtetes Damen-Trio. Jetzt muss Insam aus gesundheitlichen Gründen langsamer treten, mit ihrer „Art and Language“-Ausstellung geht morgen eine Ära zu Ende.
Eine Ära, die allerdings auch viel zu der als wenig kollegial erlebten Situation beigetragen hat, die junge Galeristen heute in Wien vorfinden und an der sie manchmal auch verzweifeln. Denn es war sicher kein Honigschlecken, im Wien der 70er- und 80er-Jahre Galerist, Galeristin zu sein. Es war ein zäher Kampf um jeden der raren Sammler im In- und vor allem Ausland, was eine unermüdliche Reisetätigkeit erforderte. Wie etwa Ursula Krinzinger ihre gefühlten 360 Messe-Auftritte pro Jahr physisch schafft, ist vielen ein Rätsel.
Der Kunstmarkt sollte also gut aufbereitet sein, sollte man meinen, es könnte die Kür folgen. Es gibt so viele Galerien wie nie zuvor in Wien. So viele junge Künstler wie nie. So viele Ausstellungen zeitgenössischer Kunst wie nie.
Das Paradoxe daran ist nur: Die junge Kunstszene spiegelt sich nicht im Aufkommen neuer, junger Galeristen wider. Sie spiegelt sich nicht in den Programmen der arrivierten Galerien wider. Viel zu wenig in den Ankäufen der Museen. Viel zu wenig in den staatlichen und städtischen Förderungen. Und das war – schon immer so! So viel zur Aufmunterung einer jungen Generation, die es sich im bestehenden Getriebe anscheinend recht bequem gemacht hat. Interessante Zukunft für eine zeitgenössische Galerienszene.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2011)















