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Ende einer Krise: Heute wird Matts Nachfolger präsentiert

13.06.2012 | 18:10 |  ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Zwei mächtige Augenbrauen statt Stock und Hut: Der Düsseldorfer Kurator Nicolaus Schafhausen soll die Direktion der Wiener Kunsthalle von Gerald Matt übernehmen.

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Am Vortag der heutigen Verkündigung durch den Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny schien zu 99 Prozent sicher: Der 1965 in Düsseldorf geborene Kurator Nicolaus Schafhausen darf sich zukünftig von seinen Landsleuten um seinen feudalen Arbeitssitz Wien beneiden lassen (das tun die meisten Deutschen), er soll von Gerald Matt die Kunsthalle übernehmen. Eine solide Wahl, unbestreitbar.

Schafhausen ist in der internationalen Kunstwelt bestens vernetzt (und wird deshalb wohl nicht weniger reisen als sein Vorgänger es tat). Er begann selbst als Künstler und stellte bis 1993 nicht unerfolgreich aus, bevor er eine eigene Galerie gründete. Dort hatten u. a. heutige Stars wie Olafur Eliasson oder Kai Althof erste Ausstellungen. Dann begann Schafhausens Karriere durch deutsche Kunstvereine: Er leitete das Stuttgarter Künstlerhaus und den Kunstverein Frankfurt. Bis Anfang des Jahres war er dann Chef des Witte-de-Withs-Museum Rotterdam, ein kleines, aber sehr renommiertes Zentrum für zeitgenössische Kunst.

Nach sechs Jahren ist laut Statuten des Hauses allerdings keine Verlängerung des Direktors mehr möglich – eine oft eingemahnte Kultur, die der österreichischen Kulturpolitik aus diesem Anlass wieder einmal zu denken geben könnte (falls das überhaupt möglich ist). Übernimmt Schafhausen doch ein von Matt ganze 16 Jahre lang mit vielen Höhen, aber natürlich auch Tiefen geprägtes Ausstellungshaus. Ein Haus übrigens, dessen Größe mit keinem von Schafhausen bisher geleiteten vergleichbar ist. Einen noch größeren Sprung machte nur seine zukünftige Nachbarin Karola Kraus (von 700 Quadratmeter in Baden-Baden auf 4800 Quadratmeter Ausstellungsfläche im Mumok). Schafhausen wird statt bisher 1200 rund 2000 Quadratmeter zu bespielen haben, die Dependance am Karlsplatz noch nicht einberechnet.

Und statt 20.000 Besucher wird er 200.000, mindestens aber 195.288, anziehen müssen. Mit dieser neuen Rekordzahl für 2011 verlässt Matt nämlich die Kunsthalle. Ein Abschlussrekord, der die bis jetzt nicht einmal ansatzweise geklärte Schlammschlacht um Matts Ablöse nicht vergessen machen wird, aber immerhin ein Symbol ist. Wie auch der von internationalen Künstlern und Galeristen unterschriebene Abschiedsbrief an ihn, der gestern von einem Komitee versandt wurde, und der an die positiven Seiten dieser „Ära“ erinnerte: Darunter Ausstellungen wie Beckett/Nauman und Western Motel (Edward Hopper und die zeitgenössische Kunst) oder damals zukunftsweisende Personalen von Matthew Barney oder Shirin Neshat.

Eine andere Einzelausstellung der Kunsthalle, die man in Wien gerne gesehen hätte, musste im Interregnum post Matt abgesagt werden, angeblich aus „budgetären Gründen“: Die legendäre Performancekünstlerin Marina Abramović hätte im Herbst ihre erste große Retrospektive in Europa ausgerichtet bekommen. Jetzt bekam sie anscheinend selbst ausgerichtet: doch kein Geld. Was der Rückzug einer Hauptsponsorin der Kunsthalle nicht besser machen wird: Ursula Blickle. Über die Sammlerin und Mäzenin dürften sich Matt und Schafhausen übrigens gut kennen, beide sitzen im Vorstand ihrer Stiftung.

 

E-Mails an: almuth.spiegler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2012)

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