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Immer dasselbe Sommertheater: Rumbums, das Opernhaus ist zu!

07.08.2012 | 18:24 |  PETER STRASSER (Die Presse)

Das stört Österreichs Landesfreiluftfürsten nicht, solange Barbara Retts Schwanenhals den Freiluftschlaf verschönt.

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Die vorletzten Dinge

Immer dasselbe: Kaum kommt der Hochsommer, sperrt, rumsbums, das Opernhaus zu. Bitte, Sie sind kein Beachvolleyballtrottel, der sich die Fußsohlen im glühenden Sand versengt, während Sie, falls männlich, Ihre praktisch nackten Mitspielerinnen lüstern beäugeln. Sie sind kein verbrecherischer Radfahrer, der, nachdem er sich im Latexvollkörperkondom dem Hitzeschlag entgegengestrampelt hat, auf der Suche nach den letzten Spaziergängern ist, um sie über den Haufen zu fahren. Sie sind auch keiner, der, von bläschentreibendem Sonnenöl bedeckt, akkurat wenn das Mördergestirn im Zenit steht, stundenlang dem Prickeln der Melanomwimmerln trotzt.

Wenn Sie das alles nicht sind, dann leiden Sie vermutlich darunter, dass im österreichischen Kulturstaatsfernsehen ORFIII die allerpeinlichsten Schwarz-Weiß-Witzelsendungen aus den Fünfzigerjahren abgespult werden, mit all den allergrauslichsten Gemütlichkeitstypen. Sagt der Heinzi nach der Hochzeitsnacht zu seiner Elfi: „Jetzt bring ich meinem Mausi das Kaffetschi ans Betti, samt dem Kipfi mit der Marmeladi, und ein Blumi im Vasi hab ich meinem Hasi auch aufs Tabletti 'tan, weil, gell, das macht die brave Elfi ab morgen dann für ihren Heinzi...“

Diese Witzelfiguren beschneiden Ihr Menschenrecht, Barbara Rett, unserem Moderatorinnenjuwel, öfter dabei zuzuschauen, wie sie ihren Schwanenhals langzieht, um uns, ihren Verehrern, die Höhe zu bedeuten, auf der wir uns gleich, beim nachfolgenden Freiluftkonzertereignis, befinden werden. Dabei leiden Sie ohnehin viehisch, weil Sie ein Opernhaussüchtiger ohne Opernhaus sind. Doch lindert der Anblick der ihren Schwanenhals mit unbeschreiblicher Grazie langziehenden Barbara Rett Ihr Leiden: eine milde Ersatzdroge.

Ja, einzig die Rett mag Sie davor bewahren, das innere Zittern Ihrer Opernhaussucht mittels amokläufigen Anrennens gegen verschlossene Opernhaustore abzureagieren. Hilfreich auch, dass sich die Rett'sche Schwanenhalsgrazie in eine darunter grazil fallende Couture von erlesenem Geschmack fortsetzt. Deren Anblick scheint geeignet, Sie kurzfristig darüber hinwegzutrösten, dass die Weihestätte am Bayreuther Hügel bereits von Ihren Urgroßeltern hätte gebucht werden müssen, indes die Salzburger Netrebko siebenfach überbucht ist.

Aber die Rett ist nicht immer verfügbar, nicht jeden Tag wird in der freien Luft Vorder- und Ober- und Unter- und Hinterösterreichs musiziert, dass sich die Noten unterm Sternenzelt biegen. Und so kann es Ihnen, wegen Ihrer unbezwingbaren Gier nach einem Opernhaus, zur Schlafenszeit passieren, dass Sie schnurstracks den nächstgelegenen Musentempel berennen, um dort – zum Gaudium der flanierenden Kulturbanausen, denen der G'spritzte aus allen Poren spritzt – an verschlossene Tore zu hämmern.

In Niederösterreich, dem Pröll'schen Freiluftbühnenland, soll es den zaghaften Versuch gegeben haben, eine Überlebensgruppe der Anonymen Opernhaussüchtigen zu formieren. Vergeblich. Niederösterreichs Landeshauptmann, vor dem nichts und niemand anonym bleibt, sprach den klassischen Satz: „Lassen Sie mich das ein für alle Mal klarstellen!“ Er, dessen gute Kulturlaune nur von seiner noch besseren Machtlaune übertroffen wird, stellte stellvertretend für Österreichs Landesfreiluftfürsten klar, dass Kultur nicht süchtig, sondern einen gesegneten Freiluftschlaf macht – wozu die Schwanenhalsgrazie der Rett unabdingbar dazugehört. Man wird Sie und andere Opernhaussüchtige also weiterhin an verschlossene Tore hämmern hören.


E-Mails an: peter.strasser@uni-graz.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2012)

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11 Kommentare
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Rumbums; kann das nicht als ein versteckter Hinweis auf geschellschaftlich nicht voll akzeptierte ausufernde sexuelle Betätigung angesehen werden?


Antworten Gast: ökono-mist
11.08.2012 03:25
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Re: "Rumbums..."


Ich hielt diese Überschrift auch sofort für eine vorsätzliche (jedes Doppel-m gründlich beseitigt!)- sah aber nobel darüber hinweg. (Hier nachzuhaken, das hätt' ich mich gar nicht getraut...)

Re: Rumbums; kann das nicht als ein versteckter Hinweis auf geschellschaftlich nicht voll akzeptierte ausufernde sexuelle Betätigung angesehen werden?

Ja, umhimmelswillen, welche gesellschaftlich nicht voll akzeptierte, ausufernde sexuelle Betätigung könnte denn hinter den, rumsbums, hochsommerlich verschlossenen Toren des Opernhauses stattfinden, die nicht bereits auf offener Bühne (meistens ohne passendes Mobiliar) zu bestaunen wäre? Bitte um Aufklärung!
LG, ps

Antworten Antworten Gast: Valentin Bählam
11.08.2012 21:11
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Re: Re: Rumbums; kann das nicht als ein versteckter Hinweis auf geschellschaftlich nicht voll akzeptierte ausufernde sexuelle Betätigung angesehen werden?

In ferner Urzeit wurde das Musical "Aquarius" (Wassermann) auch in Graz, der Hauptaradt der Bewegung) bewegt uraufegeführt. Es wird berichtet, dass sich die Lurexdamen der ersten Reihen enmpört von ihren Sitzen erhoben haben und das Theater während der Vorstellung verlassen haben. Bleibt noch zu erklären was "Lurex" ist. Nun Lurex war ein sehr beliebtes Textilmaterial. So eine Art glitzerndes elastisches Stricktuch, aus dem vornehmehmlich Röcke und Jacken gefertigt wurden für Figuren, die nicht mehr so passabel waren, unverhüllt ohne ein gewissen Bedauern auszulösen, öffentlich in Erscghein ung zu treten!

Gast: aufdecker
09.08.2012 10:22
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b.rett - omnipräsent

schwanenhals ist echt charmant; ich hab es für mich immer mit giraffe assoziiert.

sie weiß zwar sehr viel; bringt es recht gut (ab u. zu mit peinlichkeiten wie in grafenegg) rüber.

aber ihre omnipräsenz nervt irgendwie; und es fragt sich, ob alles so "mundgerecht" zu tode kommentiert werden muss. das publikum ist oft gar nicht so dumm, wie b.rett es vielleicht annimmt!!

übrigens war ich früher auch opernsüchtig - nur bei dem heutigen regieschrott und der "performance" vieler künstler ist mir die entwöhnung mehr als leicht gefallen!

Gast: ökono-mist
09.08.2012 03:32
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"Marcel Prawy II.": Mit dem Stellwagen in der Hand der Sonne entgegen...


Herr Professor sind - zwischen seinen kultursprachlichen Grobheiten - sehr charmant, und vermeiden strikt die naheliegende Abkürzung B. Rett... (er punktet mit Unterlassungen...).

ATV hatte da weniger Hemmungen...

Diese Zurückhaltung wird ihm bei der schwanenhälsigen Damenwelt viele Sympathien einbringen...

(Vollmops Pauli platzt bereits vor Eifersucht!)

P. S.: Und wie schätzen Herr Professor - als Schwanenhalsexperte - die winterlichen Opernhaus-Torprobleme der Opernballmutter D. Treichl-Stürgkh ein? Tanzunlust? Subkulturelle Schwellenangst? Oder einfach nur eingefroren, das Schloß?

À propos Netrebko-Überbuchung...

Ich kann Ihre qualvollen Entzugserscheinungen zwar nur teilweise nachvollziehen, möchte Sie aber auf ein musikalisches Methadon hinweisen, das Ihrer Aufmerksamkeit vielleicht entgangen ist:

Die Siemens-Festspielnächte am Salzburger Kapitelplatz, die Opern- mit Freiluftgenuss vor der Kulisse der Festung auf unnachahmliche Weise verschmelzen und überdies gratis sind!

Es herrscht zwar vor allem bei Live-Übertragungen ein ziemliches Gedrängel, aber es ist trotzdem ein Erlebnis, vor allem in lauschigen Sommernächten.

Probieren Sie’s! Auf dass Sie nicht wie Fred Feuerstein mit den Fäusten an die verschlossene Tür hämmern müssen, Sie Ärmster ;-)

Re: À propos Netrebko-Überbuchung...

Hm. Ich will ja nicht arrogant klingen, aber wenn der Tölpel Fred Feuerstein, zweifellos ein Steinzeitproll, an die Tür hämmert, weil ihn seine zürnende Gemahlin nicht einlässt, dann mag dazu passen, dass sie das tut, weil er schon wieder lieber mit seinen Kumpanen gesoffen hat, statt mir ihr, seiner Einzigen, eine der unvergesslichen Siemens-Festspielnächte zu besuchen. Aber wessen Sucht nur durch den Genuss der siebenfach überbuchten Netrebko gestillt werden könnte, dem steht der wunde Sinn doch nach Erhabenerem! LG, ps

Re: Re: À propos Netrebko-Überbuchung...

O oooh, hört sich ja fast ein wenig snobbish an!

Aber Vorsicht, schon Napoleon befand nicht zu Unrecht: "Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist es nur ein kleiner Schritt"... ;-)

P.S.: Nichts liegt mir ferner, als Sie mit Fred Feuerstein in einen Topf zu werfen! Also wirklich!

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Re: Latexvollkörperkondom

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:-) ps

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