Das Punschwunder nach dem Männerweihnachtskeksbackkurs

Wir labten uns an den Punschstandln, bis die Nikoläuse zu Osterhasen wurden, die ausschauten wie Nikoläuse. . .

Ich habe ihn schon vergangenes Jahr, nach meinem Männerweihnachtskeksbackkurs (MWKBK), getroffen, und zwar gerade, als er aus seinem Weihnachtsmännerkeksbackkurs (WMKBK) kam, der exklusiv für weihnachtskeksbackwillige Weihnachtsmänner abgehalten wird. Sein Name ist Claus, weswegen er unter Keksbackkollegen „Santa Claus“ gerufen wird, was ihn nicht friedlicher stimmt, im Gegenteil!

Schon vergangenes Jahr nahm er mich zur Seite, um mich wissen zu lassen, dass er es hasse, „Santa Claus“ gerufen zu werden, denn an den Weihnachtsmann glaube er noch weniger als an die Jungfrauengeburt, hohohooo! Und während er sein professionelles Nikolauslachen zum Besten gab, staubte ihm das Weihnachtskeksbackmehl aus dem lockigen Weihnachtsmannbart, den er sich adventlich umgeschnallt hatte. Nur so, mit Bart nämlich, durfte er im Rahmen des Arbeitsmarkteingliederungsprogrammes für arbeitslose Nikoläuse am Wiedereingliederungskurs „Happy Santa Claus“ teilnehmen, wozu verpflichtend der Besuch des Weihnachtsmännerkeksbackkurses gehört. Ergebnis: Seit vergangenem Jahr führt Claus den Eingliederungsdiplomtitel „Happy Santa Claus“ (HSC).

Claus, HSC, war früher als Weihnachtsmanndesigner in einer Schokoladenfabrik teilzeitbeschäftigt gewesen, wurde jedoch gekündigt, weil er es abgelehnt hatte, Schoko-Nikoläuse zu designen, deren letztsaisonale Restbestände sich, aktuell stanniolverkleidet, in Schoko-Osterhasen hätten verwandeln lassen. Weil er aber seit vergangenem Jahr den Diplomtitel „HSC“ führt, gilt er, im Rahmen des Saisonschwerpunkts für arbeitslose Nikoläuse, als „vermittlungsaffin“. Dies hat zur Folge, dass er, nach dreihundert zwecklosen Bewerbungen für beschäftigungsfremde Stellen, nun verpflichtet ist, sich den lockigen Weihnachtsmannbart wieder umzuschnallen, um einen weiteren Weihnachtsmännerkeksbackkurs (WMKBK II, für Fortgeschrittene), zu absolvieren.

Noch ganz euphorisch wegen des in meinem Männerweihnachtskeksbackkurs (MWKBK) neu Gelernten – Cranberry-Zimt-Streifen und Mandel-Amaretto-Makronen – versprach ich Claus, HSC, ihn niemals „Santa Claus“, geschweige denn „Happy Santa Claus“, zu rufen, freilich unter dem Vorbehalt, dass ich, was die Frage der Jungfrauengeburt betrifft, innerlich schwankend sei. „Wunder gibt's, das steht fest!“, sagte ich und fügte scherzhaft hinzu, dass ich mir seit meiner Lektüre der, zugegeben heidnischen, „Metamorphosen“ des Ovid nicht einmal sicher sei, ob nicht aus Nikoläusen Osterhasen werden könnten.

Das hätte ich besser nicht sagen sollen, denn nun wollte mich Claus, HSC, indem er mich das Mörderlachen der geschundenen Kreatur hören ließ (hohohooo!), mit dem weihnachtskeksmehligen Gummizug seines lockigen Weihnachtsmannbarts strangulieren. Denn ihm, dem Vermittlungsaffinen, wurde erst jüngst kategorisch offeriert, den Humanressourcenmodulierungskurs „Metamorphosen auf dem Saisonarbeitsmarkt“ zu absolvieren, und zwar als Weihnachtsbonus dafür, dass er den Weihnachtsmännerkeksbackkurs für Fortgeschrittene (WMKBK II) absolviert hat. Hohohohooo!

Ich gesteh's, mich übermannte Kleinmut: War unsere Welt, mit Leibniz gesprochen, wirklich die beste aller möglichen Weihnachtskeksbackwelten? Um meinen Zweifel im Keim zu ersäufen, schlug ich Claus, HSC, vor, uns an den adventlichen Punschstandln so lange zu laben, bis die herumstreunenden Nikoläuse ausschauten wie Osterhasen, die gerade dabei sind, sich in Nikoläuse zu verwandeln. Was soll ich sagen? Punschwunder gibt's, das steht fest!


E-Mails an: peter.strasser@uni-graz.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2012)

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