Das Punschwunder nach dem Männerweihnachtskeksbackkurs

11.12.2012 | 18:15 |  PETER STRASSER (Die Presse)

Wir labten uns an den Punschstandln, bis die Nikoläuse zu Osterhasen wurden, die ausschauten wie Nikoläuse. . .

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Ich habe ihn schon vergangenes Jahr, nach meinem Männerweihnachtskeksbackkurs (MWKBK), getroffen, und zwar gerade, als er aus seinem Weihnachtsmännerkeksbackkurs (WMKBK) kam, der exklusiv für weihnachtskeksbackwillige Weihnachtsmänner abgehalten wird. Sein Name ist Claus, weswegen er unter Keksbackkollegen „Santa Claus“ gerufen wird, was ihn nicht friedlicher stimmt, im Gegenteil!

Schon vergangenes Jahr nahm er mich zur Seite, um mich wissen zu lassen, dass er es hasse, „Santa Claus“ gerufen zu werden, denn an den Weihnachtsmann glaube er noch weniger als an die Jungfrauengeburt, hohohooo! Und während er sein professionelles Nikolauslachen zum Besten gab, staubte ihm das Weihnachtskeksbackmehl aus dem lockigen Weihnachtsmannbart, den er sich adventlich umgeschnallt hatte. Nur so, mit Bart nämlich, durfte er im Rahmen des Arbeitsmarkteingliederungsprogrammes für arbeitslose Nikoläuse am Wiedereingliederungskurs „Happy Santa Claus“ teilnehmen, wozu verpflichtend der Besuch des Weihnachtsmännerkeksbackkurses gehört. Ergebnis: Seit vergangenem Jahr führt Claus den Eingliederungsdiplomtitel „Happy Santa Claus“ (HSC).

Claus, HSC, war früher als Weihnachtsmanndesigner in einer Schokoladenfabrik teilzeitbeschäftigt gewesen, wurde jedoch gekündigt, weil er es abgelehnt hatte, Schoko-Nikoläuse zu designen, deren letztsaisonale Restbestände sich, aktuell stanniolverkleidet, in Schoko-Osterhasen hätten verwandeln lassen. Weil er aber seit vergangenem Jahr den Diplomtitel „HSC“ führt, gilt er, im Rahmen des Saisonschwerpunkts für arbeitslose Nikoläuse, als „vermittlungsaffin“. Dies hat zur Folge, dass er, nach dreihundert zwecklosen Bewerbungen für beschäftigungsfremde Stellen, nun verpflichtet ist, sich den lockigen Weihnachtsmannbart wieder umzuschnallen, um einen weiteren Weihnachtsmännerkeksbackkurs (WMKBK II, für Fortgeschrittene), zu absolvieren.

Noch ganz euphorisch wegen des in meinem Männerweihnachtskeksbackkurs (MWKBK) neu Gelernten – Cranberry-Zimt-Streifen und Mandel-Amaretto-Makronen – versprach ich Claus, HSC, ihn niemals „Santa Claus“, geschweige denn „Happy Santa Claus“, zu rufen, freilich unter dem Vorbehalt, dass ich, was die Frage der Jungfrauengeburt betrifft, innerlich schwankend sei. „Wunder gibt's, das steht fest!“, sagte ich und fügte scherzhaft hinzu, dass ich mir seit meiner Lektüre der, zugegeben heidnischen, „Metamorphosen“ des Ovid nicht einmal sicher sei, ob nicht aus Nikoläusen Osterhasen werden könnten.

Das hätte ich besser nicht sagen sollen, denn nun wollte mich Claus, HSC, indem er mich das Mörderlachen der geschundenen Kreatur hören ließ (hohohooo!), mit dem weihnachtskeksmehligen Gummizug seines lockigen Weihnachtsmannbarts strangulieren. Denn ihm, dem Vermittlungsaffinen, wurde erst jüngst kategorisch offeriert, den Humanressourcenmodulierungskurs „Metamorphosen auf dem Saisonarbeitsmarkt“ zu absolvieren, und zwar als Weihnachtsbonus dafür, dass er den Weihnachtsmännerkeksbackkurs für Fortgeschrittene (WMKBK II) absolviert hat. Hohohohooo!

Ich gesteh's, mich übermannte Kleinmut: War unsere Welt, mit Leibniz gesprochen, wirklich die beste aller möglichen Weihnachtskeksbackwelten? Um meinen Zweifel im Keim zu ersäufen, schlug ich Claus, HSC, vor, uns an den adventlichen Punschstandln so lange zu laben, bis die herumstreunenden Nikoläuse ausschauten wie Osterhasen, die gerade dabei sind, sich in Nikoläuse zu verwandeln. Was soll ich sagen? Punschwunder gibt's, das steht fest!


E-Mails an: peter.strasser@uni-graz.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

5 Kommentare

Gut, dass der beste aller möglichen Philosophen

in seiner Königsberger Gruft nicht weiß, dass er im kollektiven Gedächtnis der Deutschen hauptsächlich wegen der Leibniz-Butterkekse von Bahlsen verankert ist......

Auch bei Kant denken wohl die Meisten zuallererst an die Wurst, und erst dann an den Königsberger. Wenn überhaupt. Bei Königsberg assoziiere ich zugegebenerweise auch eher die Klopse als den Kategorischen Imperativ, nicht umsonst kam Brecht zu der Erkenntnis: Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral.

Was die österreichischen Weihnachtskekse betrifft: Unübertroffen in ganz Europa! Da können sich die Leibniz-Kekse verstecken. Ich gebe zu, ich bin ein Keks-Chauvinist.

Und Kalorien hin oder her: man soll sie maßvoll, aber ohne schlechtes Gewissen verzehren. Denn: der Mensch lebt nicht vom Brot allein, wie schon Marie-Antoinette zu sagen pflegte. Oder war das doch jemand anders?


Sie haben das Backalaureat bestanden!


Re: Sie haben das Backalaureat bestanden!

Der Kurs ist noch nicht zu Ende, erst dann gibt's das "Backalaureat", hoffentlich!
LG, ps

Re: Re: Sie haben das Backalaureat bestanden!

Ich wette, Sie bestehen den Kurs "summa cum laude". Wer, wenn nicht Sie???

Arbeitsmarkteingliederungsprogrammes

ganz ordentlich!
36 Buchstäbe oder Buchstaben. Dem 2. Fall sei gedankt!

Top-News

AnmeldenAnmelden